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Im Gespräch mit Sabin Tambrea über seine Titelrolle im Film "Ludwig II." "Er ist eine Mischung aus Jobs und Jackson"

14.12.2012, 01:24

Der 28-jährige Sabin Tambrea ist im Film "Ludwig II." in der Titelrolle zu sehen. 370 Männer über 1,90 bewarben sich, Tambrea, der dem jungen Ludwig verblüffend ähnelt, bekam den Zuschlag. Die Nachrichtenagentur dpa hat mit Tambrea vor der gestrigen Weltpremiere des Films in München gesprochen.

Frage: Regisseur Peter Sehr sagt, keiner der Bewerber war dem als exzentrisch geltenden Ludwig so ähnlich wie Sie - äußerlich und innerlich. Wie ist Ihr "Märchenkönig" denn aus Ihrer Sicht nun geworden?

Sabin Tambrea: Für mich ist er ein unschuldiger, hochsensibler, naiver Mensch, der durch die äußeren Umstände und das Bild, das er in der Öffentlichkeit darstellen musste und dadurch, dass dies im Kontrast zu seinen inneren Wünschen stand, zerbrochen ist. Am Anfang ist er ein idealistischer, naiver und an das Gute in der Welt glaubender Mensch.

"Ludwig lässt sich für mich eins zu eins in die Musik von Gustav Mahler übersetzen"

Frage: ... der dann zu was wird?

Tambrea: Zu einem Menschen, der sich eingestehen musste, dass die Welt noch nicht bereit ist für die Vision, die er in die Welt tragen wollte, sich deshalb isolierte und den Kampf zum Ende hin aufgegeben hat.

Frage: Hat Ihre eigene Verbindung und Liebe zur Musik Ihnen dabei geholfen, für eine gewisse Zeit Ludwig zu sein?

Tambrea: Ja, Ludwig ist für mich viel sinnlicher begreifbar, wenn ich ihn in Musik übersetze. Ich habe mit vier Jahren angefangen, Geige zu spielen, ich habe Klavier gelernt, Bratsche, das Dirigieren. Musik ist für mich eigentlich meine zweite Muttersprache. Ludwig lässt sich für mich eins zu eins in die Musik von Gustav Mahler übersetzen. Das war der Soundtrack meiner Drehzeit.

Frage: Warum nicht Wagner?

Tambrea: Weil wir Ludwig moderner zeigen wollten, ist für mich Gustav Mahler, der ein großer Wagner-Verehrer war, aber zeitlich näher an uns dran ist, die Übersetzung in die neue Zeit. Mahler hat eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht von der ersten Sinfonie, wo er noch so wunderbar verspielt, naiv, kindisch ist, bis hin zum Höllentor der Zehnten Sinfonie. Da hat man eine Bandbreite, die diese abwärts rasende Achterbahn komplett beinhaltet.

Frage: Welche Aspekte von Ludwig, die der breiten Masse bislang vielleicht noch nicht bekannt waren, wollten Sie zeigen?

Tambrea: Oft wird das Verhältnis von Ludwig zu Wagner verklärt als kompromisslose Liebe. Wir können aber zumindest andeuten, dass beide nicht nur die rosarote Brille aufhatten, sondern auch um die eigenen Interessen wussten. Auch die zart angedeutete Kussszene mit dem Stallmeister - das sind Sachen, die so noch nicht zu sehen waren. Davon abgesehen wollte ich bei dieser hochtragischen Figur auch die leichten und lustigen Momente zeigen und hoffentlich die Zuschauer hier und da mal zum Schmunzeln bringen.

Frage: Einen Kuss gab es im Visconti-Film nicht ...

Tambrea: Doch, einen mit der Sisi, was aber historisch nicht belegt ist. Aber ich möchte Visconti nicht infrage stellen. Das ist einfach ein Meisterwerk. Man muss bedenken, dass es für eine andere Zeit geschaffen wurde - und in diesem Kontext ist es ein Meisterwerk. Natürlich sprechen wir heute eine andere Sprache, deshalb haben wir ja den Film auch gemacht - um Ludwig für heute zu übersetzen.

"Ich wurde ziemlich blass, als ich den Besetzungszettel gelesen habe"

Frage: Was ist das Moderne am neuen "Ludwig"-Film?

Tambrea: Die Art und Weise, wie wir spielen. Ich glaube, man hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass es Figuren von gestern sind. Der Schnitt, die Musik, die Farben - es ist alles jugendlicher. Es ist Sturm und Drang.

Frage: Sie sind noch ein ziemlicher Neuling im Film - jetzt steht Ihr Name neben sehr vielen bekannten auf dem Filmplakat. Wie war die Zusammenarbeit mit Kollegen wie Edgar Selge für Sie?

Tambrea: Als Filmschauspiel-Beginner wurde ich ziemlich blass, als ich den Besetzungszettel gelesen habe. Diese Namen sind Symbole für Schauspieler, die es geschafft haben und die ihren Traum leben. Auf einmal mit solchen Kollegen drehen zu dürfen - das kann ich gar nicht in Worte fassen.

Frage: Die Regisseure haben sich auch deshalb für Sie entschieden, weil Ihr Gesicht noch mit keiner anderen Filmrolle verbunden ist. Nach "Ludwig" wird sich das ändern. Kann das zum Problem werden?

Tambrea: Für mich steht fest, dass ich Ludwig - auch in abweichender Form - nie wieder spielen werde. Ich bin fest am Berliner Ensemble engagiert und habe da schon viele Rollen gespielt, die nichts mit dieser Schublade zu tun haben. Ich werde aber auch bei Filmen jetzt verfolgen, dass ich neue Facetten zeigen kann und mich nicht auf dem ausruhe, von dem ich weiß, dass es funktioniert.

Frage: Welche Projekte stehen denn bei Ihnen als nächstes an?

Tambrea: Ich hatte gerade mit Katharina Thalbach und "Was Ihr wollt" Premiere am Berliner Ensemble und jetzt probe ich mit Robert Wilson "Peter Pan". Filmtechnisch sind zwei Projekte für den Sommer in Planung, die aber noch nicht ausfinanziert und darum noch nicht spruchreif sind.

Frage: Peter Pan - eine ähnlich träumerische Figur wie Ludwig, oder nicht?

Tambrea: Ja. Genauso könnte man aber sagen, Ludwig ist eine Mischung aus Steve Jobs und Michael Jackson.