Bestseller-Autorin Sabine Ebert hat ein Buch über die Völkerschlacht von 1813 geschrieben Für ihren Roman zog sie nach Leipzig
200 Jahre nach der Völkerschlacht (16. bis 19. Oktober 1813) hat Sabine Ebert den historischen Roman "1813 - Kriegsfeuer" geschrieben. Grit Warnat hat sich mit der Bestseller-Autorin über das Buch und die aufwändige Recherche unterhalten.
Volksstimme: Mit Ihrer Hebammen-Saga wurden Sie zur Auflagen-Millionärin, Sie schrieben bisher ausschließlich Mittelalter-Romane. Was hat Sie bewogen, die Völkerschlacht zu thematisieren?
Sabine Ebert: Der Anstoß kam vom Verband Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813. Der Verband war vor dreieinhalb Jahren an mich herangetreten und fragte, ob ich Interesse hätte, ein Buch zu diesem Thema zu schreiben. Ich hatte Interesse.
Volksstimme: Es ist ein großes Thema. Sie schreckten nicht davor zurück?
Ebert: Ich hatte nur kurz überlegt und zugesagt. Mir war natürlich klar, dass vor mir eine gewaltige Recherche lag. Und ich hatte nicht viel Zeit, es war klar, dass dieses Buch in diesem Frühjahr Premiere auf der Leipziger Buchmesse haben muss.
Volksstimme: Wie aufwändig war die Recherchearbeit für den Völkerschlacht-Roman?
"Ich musste komplett von vorn anfangen."
Ebert: Ich musste komplett von vorn anfangen. Für mich war es eine ganz neue Zeit, andere Gepflogenheiten, die ich erkunden musste. Ich schätze, dass ich 20000 bis 30000 Seiten Literatur gelesen habe: Geschichtsbücher, Augenzeugenberichte, Analysen, Biografien der wichtigen Persönlichkeiten. Ich habe sogar einige Tänze gelernt, weil es in meinem Buch eine Ballszene gibt, die auch tatsächlich stattgefunden hatte. Ich hatte auch darum gebeten, mir Fachberater zur Seite zu stellen, einen Professor für Geschichte, einen Militärhistoriker und einen hochrangigen Militär, die mich bei den Recherchen leiteten, mir viele Fragen beantworteten und auch das Manuskript lasen, damit alles historische korrekt und auf dem neuesten Stand der Forschung ist.
Volksstimme: Wie viel haben Sie vorab von der Völkerschlacht gewussst?
Ebert: Sie gilt als die größte Schlacht in der Menschheitsgeschichte vor dem Ersten Weltkrieg. Das weiß man in Leipzig, aber außerhalb der Stadt ist das Thema unterrepräsentiert. Zugegeben, ich habe selbst auch recht wenig darüber gewusst. Aber das war vielleicht gut so, weil ich völlig unbedarft an das Buchprojekt ging. In der Geschichtsbetrachtung ist alles überstrahlt von der preußischen Perspektive. Ich bin aber in Anhalt geboren, in Berlin aufgewachsen und lebe seit langer Zeit in Sachsen, ich bin da unvoreingenommen.
Volksstimme: Beschlich Sie irgendwann das Gefühl, dass Ihnen die Arbeit über den Kopf wächst?
Ebert: Dieses Gefühl hatte ich recht oft. Denn je mehr man recherchiert, umso mehr weiß man, was man alles nicht weiß. Je tiefer ich bohrte, um so spannendere Geschichten habe ich entdeckt. Aber der Verband stand zu mir und hatte einen unerschütterlichen Glauben an dieses Buch. Das machte mir immer wieder Mut.
Volksstimme: Sie sollen für das Buch nach Leipzig gezogen sein?
Ebert: Ich wollte eigentlich nur wochenweise nach Leipzig fahren, mir ein möbliertes Zimmer nehmen. Aber dann merkte ich, wie komplex das Thema ist. Ich konnte zeitlich nicht hin- und herpendeln. Ich konnte es auch nicht aus der Distanz schreiben. Deswegen habe ich Nägel mit Köpfen gemacht. Der Umzug war die richtige Entscheidung.
Volksstimme: Wie authentisch ist Ihr Buch?
Ebert: Die Ereignisse sind alle authentisch, auf den Tag, auf die Stunde genau, soweit sich das rekonstruieren lässt. 90 Prozent meiner Figuren haben gelebt, darunter auch viele heute unbekannte Menschen, über die ich spannende Lebensläufe entdeckt habe.
"Henriette ist im Asisi-Bild verewigt."
Volksstimme: Sie haben mit dem Künstler Yadegar Asisi zusammengearbeitet. Er ist bekannt für seine Panoramabilder. Sein Völkerschlacht-Rundbild wird ab 3. August im Panometer Leipzig zu sehen sein. In dem Panorama wurden Figuren aus Ihrem Roman verewigt?
Ebert: Ja, auch diese Anregung kam vom Verband. Yadegar Asisi und ich ergänzten uns wunderbar. Er kannte das Manuskript noch vor der Drucklegung, ich war bei seinen Fotoshootings dabei. Wir hatten ausgemacht, was Henriette, eine meiner Hauptfiguren, tat und was sie anhatte. Sie gab beispielsweise einem Verletzten Wasser, sie tröstete einen kleinen Jungen. Asisi hatte mir seinen Entwurf gezeigt und ich habe Dinge in mein Schlusskapitel aufgenommen, die auf dem Bild zu sehen sind.
Volksstimme: Das ist eine außergewöhnliche Zusammenarbeit.
Ebert: Das stimmt. Ich glaube, so etwas hat es noch nicht gegeben. Wer das Panoramabild sieht, wird meine Henriette erleben. Ich finde das großartig.
Volksstimme: Sie haben vorhin von dem enormen zeitlichen Druck gesprochen. Die Völkerschlacht jährt sich in diesem Jahr. Das Buch musste auf den Markt. Hatten Sie schon einmal unter solch einem Druck geschrieben?
Ebert: Auch bei den anderen Büchern ist mir sozusagen der Stoff unter den Händen explodiert, es gab so viel, was ich noch in den Geschichten unterbringen wollte. Aber es stimmt, dieses Mal war der Druck besonders groß, auch weil das Thema so unglaublich komplex war.
Volksstimme: Was ist Ihr Buch für Sie? Ein Historienroman, ein Schlachtenepos mit einer Liebesgeschichte?
Ebert: Für mich ist es in allererster Linie ein Antikriegsroman. Und es ist ein Buch über deutsche Geschichte. Ich wollte zeigen, wie sich der Krieg Stück für Stück in das zivile Leben drängt. Es war damals ein reiner Machtverteilungskampf. Es ging nur um Land und Macht. Deswegen war es mir auch so wichtig gewesen, so akribisch zu sezieren, was stattgefunden hat.
"Im Hinterkopf arbeitet es schon wieder."
Volksstimme: Das Buch ist druckfrisch auf dem Markt. Können Sie schon wieder im Hier und Jetzt leben?
Ebert: Natürlich. Aber so richtig aufatmen und durchatmen kann ich noch nicht. Ich habe bis zur letzen Minute an dem Buch gearbeitet. Es endet am 19. Oktober, als kurz nach 1 Uhr die alliierten Herrscher auf dem Leipziger Marktplatz Einzug halten. Der Moment, an dem eigentlich die Geschichte erst richtig beginnt. Wie Sie sehen, bin ich mit dem Thema noch lange nicht durch.
Volksstimme: Sie planen eine Fortsetzung?
Ebert: Ja, natürlich. Ich bin erst einmal auf Lesetour und muss etwas Abstand gewinnen. Aber in meinem Hinterkopf arbeitet es schon wieder.
"1813 - Kriegsfeuer, Knaur Verlag, 928 Seiten, 24,99 Euro