Magdeburg l Vera Feldmann ist in Magdeburg keine Unbekannte. Aber mit einer solchen schauspielerischen Virtuosität, einer solchen Stimm- und Textgewalt ist sie wohl bisher nur wenigen begegnet. Das Publikum feierte die Künstlerin am vergangenen Freitag stehend minutenlang für eine grandiose Leistung in dem Stück "Adam Schaf hat Angst" von Georg Kreisler.

Das ist kein Musical im herkömmlichen Sinn. Vielmehr sind die Lieder des österreichisch-amerikanischen Künstlers, der Ende vergangenen Jahres im Alter von 89 Jahren starb, wie auf einem roten Faden als Perlenschnur aufgereiht. Sie reflektieren die Sichten und Einsichten des alternden Schauspielers Adam Schaf auf sein Leben.

Diese Lieder sind gespickt mit schmerzhaftem Zynismus, süß verpackt im berühmten "Wiener Schmäh", klaren Kampfansagen eines Anarchisten an die verrottete Gesellschaft und nachdenklichen Tönen voll tiefer Traurigkeit. Eine Traumrolle, die dem alternden Schaf in seiner Garderobe, die er immer zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn aufsucht, wie seiner Darstellerin im Stück alles abverlangt.

Vera Feldmann zeigte, dass sie virtuos auf der gesamten Klaviatur der Schauspielkunst spielen und singen kann. Jeder Blick, jede Geste trifft die Intention des Moments oder der Lieder. Da passt jeder Seufzer und jede Pause.

Vera Feldmann hat selbst Regie geführt und offenbar ist sie selbstkritischer mit sich ins Gericht gegangen, als es jeder Außenstehende könnte. Dramaturg Tim Sandweg hat sie und das Kreisler-Stück für das Puppentheater entdeckt. Herausgekommen ist eine Inszenierung, die dem Puppentheater und seinem Ruf, über das erfolgreiche Puppenspiel hinaus genau das richtige Händchen für das Finden solcher Perlen zu haben, wieder einmal gerecht geworden ist.

Es ist diese besondere Atmosphäre des Hauses und seiner Akteure, so Vera Feldmann, die wie ein Magnet all jene anzieht, "die künstlerisch wirklich was bewegen wollen". Die Künstlerin arbeitet seit einigen Jahren mit dem Puppentheater zusammen. Die Bindung wird enger und enger.

Großen Anteil daran hat der sie begleitende Pianist Manfred Herbst. Er kann jeden singenden Schauspieler aus jeder noch so brenzligen musikalischen Situation erfolgreich befreien. Hinzu kommt, dass Herbst ein Faible für Wiener Lieder hat, und das Musikhaus Doblinger in der Wiener Dorotheengasse sein Lieblingsladen ist. Georg Kreisler war für ihn also fast so etwas wie ein Heimspiel.

Vera Feldmann ist zusammen mit ihm mit enormer Energie und Tempo durch die Zeiten von Nazi-Deutschland bis Dieter Bohlen, durch die Genres Schauspiel, Musik und Kabarett, die ganz menschlichen Ängste und dunkelsten Abgründe der Gesellschaft gezogen. Es mag sein, dass Adam Schaf Angst hatte. Vera Feldmann hat mit ihrem Stück und ihrer Inszenierung genau das Gegenteil vermittelt. Sie hat Mut gemacht, aufgerüttelt, den Finger in die Wunden gelegt. Ganz im Sinne Georg Kreislers.

Weitere Vorstellungen am 15., 19. und 20. September.