Zum 90. Geburtstag von Willi Sitte sind in der Hallenser Villa Kobe 90 Werke zu sehen Lust, Leben, Erotik - und Arbeitermotive
Mit dem Maler und Grafiker Willi Sitte verbinden die einen den DDR-Kulturfunktionär, die anderen einen der bedeutendsten Künstler der Gegenwart. Zu seinem 90. Geburtstag gibt es 90 Bilder in einer Ausstellung zu sehen.
Halle (dpa) l Rund 90 Werke des wegen seiner DDR-Vergangenheit als Kulturfunktionär umstrittenen Malers und Grafikers Willi Sitte werden in einer Ausstellung in Halle gezeigt - darunter erstmals ausgewählte Skizzenbücher. Anlass ist der 90. Geburtstag des Künstlers, wie Kurator Hans-Georg Sehrt gestern zur Eröffnung mitteilte.
Unter dem Motto "Willi Sitte - Malerei, Zeichnungen und Druckgrafik" sind in der Kunsthalle Villa Kobe zum Teil sehr großformatige Exponate zu sehen. Lust, Leben und Erotik sowie Arbeitermotive bestimmten die Arbeiten des Künstlers.
"Es sind in der Ausstellung auch ganz wichtige Bilder aus seinem Leben zu sehen, etwa ¿Meine Eltern\' aus dem Jahre 1963", sagte Sehrt. Jenseits aller Polemik solle den Besuchern Gelegenheit gegeben werden, sich anhand des Ausgestellten ein eigenes Bild von Anspruch und künstlerischer Qualität des Werkes dieses wichtigen deutschen Malers der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu machen.
Sitte war Präsident des Verbandes Bildender Künstler der DDR und saß zeitweilig in der Kulturkommission des Zentralkomitees der SED. In der westdeutschen und europäischen Kunstszene wurde er spätestens durch seine Teilnahme an der "documenta" im Jahr 1977 in Kassel, wo er zusammen mit den Begründern des Malstils "Leipziger Schule" wie Bernhard Heisig (85), Wolfgang Mattheuer (1927-2004) und Werner Tübke (1929-2004) die DDR vertrat, wahrgenommen. Der Mensch werde in Sittes Bildern in einer Vielzahl von Aktionen gespiegelt, sagte Sehrt. Das reiche vom Sportler, über einzelne Akte und Liebespaare bis zu Menschengruppen. Weitere Themen seien "Kontra Unmenschlichkeit und Gewalt", Hochwasserkatastrophen in Italien und Deutschland.
Zudem werden Lithographien gezeigt, in denen sich Sitte mit anderen Künstlern aus verschiedenen Generationen auseinander- und sich in gewisser Weise zu ihrem Schaffen in Beziehung setze, erklärte der Kurator.
Die Exponate der Schau entstanden seit Anfang der 1940er Jahre und bis nach 2000. Es sind vorrangig Leihgaben der Willi-Sitte-Stiftung Merseburg, der Stiftung Moritzburg Halle und aus dem Besitz des Künstlers. Die von der Kunst Halle e.V. Villa Kobe und dem Halleschen Kunstverein organisierte Schau dauert bis zum 20. November. Sie wird den Angaben zufolge von der Stadt Halle, dem Land Sachsen-Anhalt und Sponsoren unterstützt.
Sitte, in Kratzau (heute Tschechische Republik) geboren, wurde am 28. Februar 90 Jahre alt. Eine Ausstellung zum Geburtstag selbst gab es in Halle, wo er seit 1947 lebt, nicht. Man habe nicht die Räume für eine große Werkschau, begründete das Kulturamt der Stadt damals die Absage.