Magdeburg l Wer die beherzten, oft selbstironischen Zugriffe von Bernd Kurt Goetz auf klassische Stoffe kennt, weiß, dass dem Schauspieler, Kabarettisten und Autor Textvorlagen nicht heilig sind. Aber er hinterfragt diese mit großer Ernsthaftigkeit einerseits, andererseits mit geradezu anarchischem Witz gekoppelt. Das führt zu äußerst starken Szenen. Gerade wenn Clownsnummern auf tragische Momente treffen, der eben noch fast melancholisch-intellektuelle Macbeth brutal einen Clown verprügelt, während zeitgleich der Tod des Duncan entdeckt wird.

Es ist die Stärke der Sommertheaterinszenierungen der Truppe um Goetz und Gisela Begrich, die mit einer Leichtigkeit daherkommen. Sie benötigen nichts, außer ein paar Bühnenpodesten und Scheinwerfern, farbenfrohen Kostümen sowie eiligst hinimprovisierten Baumarktzelten (Ausstattung durch Kristina Biedermann), aber vermeiden, klassische Stoffe lediglich als seichte Unterhaltung zu verwursten.

Macbeth‘ prophezeiende Hexen sind in der Goetz‘schen Version das Volk. Das Wort „hochloben“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung. Es ist – selbstverständlich bezahlter – „Volkes Wille“, der Macbeth als künftigen König bejubelt – „Die alten Säcke müssen weg!“. Welche Macht ein solcher „Souverän“ hat, dessen falsch verstandene Demokratie zerstörerische Machtmechanismen erst auszulösen vermag, lotet die Inszenierung sehr schön aus, bis hin zu dem Moment, als Macbeth sich konsequent von eben diesem Volk ermorden lässt.

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Begrich verfügt über ein äußerst spielfreudiges, junges Ensemble und hat hörbar viel Wert auf deutliche Artikulation gelegt. Mareike Greb überzeugt mit vor Wahnsinn blitzenden Augen als Lady Macbeth, die mit Sätzen, die aus einem Lehrbuch für Motivationstrainer stammen könnten, ihrem immer etwas zögernden, fast durchgeistigt wirkenden Ehemann (Thomas Streipert) in Sachen Karriere auf die Sprünge helfen muss.

Oder in der großartigen Szene als gebrochene Wahnsinnige, während Bernd Kurt Goetz als absurd verpeilter Mediziner erst mal in aller Ruhe den eigenen Puls misst und schamlos die Kammerfrau anbaggert. Große Tragik neben clownesken Momenten, die auch den Kalauer nicht scheuen – spielen, bis der Arzt kommt! Die weiteren Rollen sind solide besetzt: Jan Schwiesau als Malcolm mit sehr körperbetontem Spiel, Benjamin Levent Krause, der besonders als heimkehrender Soldat den ganzen Wahnsinn des Krieges verkörpert, sowie Toni Deutsch als Banquo und unnachahmlich komisch als Koch mit einer virtuosen Fantasiesprache. Und alle können sie singen! Die überwiegend coupletartigen Songs von Christoph Deckbar sind den Darstellern, zu denen auch Urgestein Ekkehard Schwarz und Laienspieler gehören, auf den Leib geschrieben und komplettieren einen runden Theaterabend in der Möllenvogtei.