"Männerhort"-Inszenierung von Kristof Magnusson spielt mit Klischees und Übertreibungen - trifft den Nagel dabei aber oft auf den Kopf Männer, die über das Innenleben der Frauen philosophieren
Stendal l Shoppen - neudeutsch für einen Nicht-Lebensmittel-Einkauf - ist anscheinend für die meisten Männer ein Graus. Shoppen mit ihren Frauen gar ein Mega-Graus. Denn dabei gibt es den Domino-Effekt: Hat Frau endlich die gewünschte Brosche gefunden, braucht sie dazu die passende Bluse. Die jedoch erfordert neue Unterwäsche ... "Und immer wenn du glaubst, dass du`s geschafft hast, ist ein Schuhladen in der Nähe!"
Um dem Kaufrausch ihrer Frauen zu entgehen, haben Helmut, Eroll, Lars und Mario einen "Männerkeller" unter dem Einkaufszentrum eingerichtet. Natürlich heimlich. Hier frönen sie dem Hobby des Getränkedosen-Nippel-Sammelns, hier haben sie einen Raum ganz ohne "Pröbchen und Schuhverkäufer".
"Männerhort" von Kristof Magnusson spielt mit Klischees und Übertreibungen und trifft dabei oft den Nagel auf den Kopf. Wahrscheinlich ist jeder Mann schon einmal bei der scheinbar harmlosen Frage in die Falle getappt: "Welches davon steht mir besser?" Und die verschiedenen Dunkelblau-Töne? Na, das ist halt blau! Männer sehen da selten den Unterschied. Während ein Großteil der weiblichen Bevölkerung Kleidung und anderen Konsumgütern zu viel Bedeutung beimisst, tatsächlich häufig in einen wahren Rausch gerät.
Es ist herrlich komisch, wenn die Männer über das Innenleben der Frauen philosophieren. Da biegen sich die Balken und das Publikum vor Lachen. Die Stendaler Inszenierung von Yaron Goldstein bietet einige punktgenaue Pointen. Dazwischen leider auch viel Leerraum, in dem die Zuschauer nicht so richtig wissen, was passiert. Zu lang sind zum Beispiel die Szenen, in denen die Männer ihrem Hobby mit den Dosennippeln nachgehen. Hier hätte mehr Tempo Wunder gewirkt.
Die Darsteller gefallen allesamt. Thomas Weber als Pilot Helmut, der verzweifelt versucht, die Kontrolle zu behalten, bordpersonalmäßig alles dirigieren möchte. Michael Magel als empfindlich-empfindsamer Eroll, Maik Rogge als Mario, der das Wort "Gefühl" nicht über die Lippen bekommt, und schließlich Fabian Feder als Lars. Herrlich, wie er zum Gockel wird, wenn sein Zweithandy - das für die Nicht-Ehefrauen - klingelt.
Die Ausstattung von Sofia Mazzoni ist ebenfalls sehenswert. Mit sehr viel Liebe zum Detail hat sie den eigentlich schönen Gerberhof mit Gerümpel und Werbeaufstellern vollgestopft, mittendrin die Zuschauer an Tischen, die aus Paletten und Plakaten zusammengebastelt sind.
Fazit: Auch wenn "Männerhort" vom Unterhaltungswert nicht an die Gerberhof-Inszenierungen der letzten Jahre heranreicht, so bietet diese Produktion insgesamt durchaus ein sehenswertes, leichtes Sommertheater.
Nächste Vorstellungen: 26. Juni, 27. Juni, 28. Juni jeweils 20.30 Uhr im Stendaler Gerberhof