Im Puppentheater Magdeburg beginnt am 2. Juli das Hofspektakel Mit Kasper wird die Welt besser
Zum 50-jährigen Bestehen des Magdeburger Puppentheaters hatte Hans-Jochen Menzel das Buch "Ich bin nicht lustig" geschrieben. Es sind Tagebuchfragmente eines Kaspers. Jetzt bringt er seine gedruckten Worte auf die Bühne. Der Professor für Puppenspielkunst inszeniert das Hofspektakel am Magdeburger Puppentheater. Premiere ist am 2. Juli.
Von Grit Warnat
Magdeburg. Intendant Michael Kempchen war auf die Idee gekommen, dieses Buch als humorvolle Sommerunterhaltung zum Hofspektakel anzubieten.
Menzel, so sagt er, sei erst über diesen Vorschlag überrascht gewesen, habe aber schnell Feuer gefangen für die Idee und aus dem Buchinhalt unter dem Titel "Ich bin nicht lustig oder Die Welt wird besser" eine Spielfassung geschrieben. Das sei nicht einfach gewesen, weil die Illustrationen des Buches bestimmte Assoziationen zulassen und die Geschichte mit visuellem Eindruck weitererzählen. "Ich konnte auch nicht die einzelnen Fragmente für sich stehen lassen, sondern musste die Szenen verbinden, anders verknüpfen. "Jetzt gibt es eine Kasperhandlung", sagt Menzel.
Dafür wird die Personage erweitert. Zum Kasper, der das Buch beherrscht, gesellen sich Polizist, Tod, Teufel, Gretel, das Krokodil (davon soll es welche in der Elbe geben), auch eine Oma. Und historische Persönlichkeiten wie Michail Gorbatschow, Guido Westerwelle, Johann Wolfgang von Goethe, Otto von Guericke, Gottfried Wilhelm Leibniz. Letzteren hatte Kaspar im Mai des Jahres 1672 kennengelernt und in sein Tagebuch geschrieben: "Gottfried hatte heute schlechte Laune und ich wollte ihn aufheitern."
Auch Ötzi (Kaspers Weg in die Welt beginnt in dessen Marschgepäck) bekommt seine Rolle. Menzel nimmt die Ötzi-Puppe in den Arm. "Wir kommen seinen Todesumständen auf die Spur", sagt er und verrät: Ötzi war einer der ersten Puppenspieler, hat eine schlechte Vorstellung gegeben, wurde beschimpft und musste mit dem Kasper fliehen. Ins Ötztal.
Frank Bernhardt, der künstlerische Leiter des Hauses, verspricht den Hofspektakel-Gästen eine temporeiche Unterhaltung, in der immer wieder auch Kaspers Bezug zu Magdeburg eine Rolle spielen wird, zur Otto-Stadt insgesamt, schmunzelt Hans-Jochen Menzel. Menzel, der Ende der 70er Jahre Puppenspielkunst studiert hatte, seit 1992 Professor für Puppenspielkunst an der Ernst-Busch-Hochschule ist und seit vielen Jahren mit dem Magdeburger Haus zusammenarbeitet, freut sich auf ein Stück mit Kasper, dessen Figur in den Puppentheatern landauf, landab wieder eine Renaissance feiert.
"Er ist eine interessante Figur, mit der man alles machen kann", sagt Menzel. Der Kasper kümmere sich nicht um Regeln, sei kritisch, nicht korrekt, aber auf sein Wohl bedacht. Mit ihm könne man Sachen ausdrücken, die anders schwer darstellbar seien. Mit ihm werde die Welt besser.
Große und kleine Handpuppen werden ab dem 2. Juli das Geschehen im Innenhof des Puppentheaters bestimmen. Sven Nahrstedt hat dort eine Bühne aus alten Brettern entstehen lassen, die an jene einstige Baracke erinnern soll, die hier früher stand. "Damals gab es nicht einmal Toiletten. Zur ersten Premiere sollen Töpfe gereicht worden sein", sagt Menzel und fügt beruhigend hinzu: "Das muss jetzt niemand befürchten."
Gespielt wird bis zum 25. Juli. Im Spiel zu erleben sind Cornelia Fritzsche, Gabriele Grauer, Margit Hallmann, Anna Menzel, Gerhild Reinhold, Susanne und Nis Søgaard, Richard Barborka und Frank A. Engel.