Berlin l Als am Mittwochabend nach halb elf das Team auf der Bühne im Theater am Potsdamer Platz die Standing Ovations genießt, schüttelt Produzent Oliver Forster (unter anderem Macher von „Falco – Das Musical“) noch einen Überraschungsgast aus dem Ärmel. Im Publikum, das längst im Partymodus ist, wird’s kurz still. Jermaine Jackson, einer der Brüder von Michael, deren Karriere mit den „Jackson 5“ einst begann, kommt auf die Bühne, nimmt das Mikrofon zur Hand und sagt voller Überzeugung nicht nur „Fantastic!“, sondern lobt die Show als eine der besten über Michael, die er je gesehen hat. Beifall, Jubel von den Rängen, auch Glückstränen. Und neben Jermaine bricht der Hauptdarsteller vor Rührung fast zusammen. Der gebürtige Südafrikaner Dantanio Goodman hat sich gerade zweieinhalb Stunden als Michael Jackson verausgabt.

Man kann diesen Künstler nicht wirklich imitieren. Wie auch? Er ist Pop-Gigant. Idol. Kult, wenn auch nicht unumstritten. Er hat in den 1980er Jahren die Musik und mit ihr die Bewegung auf der Bühne revolutioniert. Seine Videos waren spektakulär, seine Shows gigantisch. „Beat it!“ will dem King of Pop möglichst nahekommen.

Musik-Show in der Krise

Es ist eine Musik- und Tanz-Show, die einen Tag vor der Premiere in juristischen Streit geraten ist. Der Nachlassverwalter will die Show verhindern, die Jackos Leben auferstehen lässt. Der Beginn der Karriere mit den Jackson 5 (der junge Michael wird vom gebürtigen Londoner Kofi Mossah dargestellt, noch ganz mit gekräuseltem Haar), sein Aufstieg zum Pop-Star, kreischende Menschenmengen bei Konzerten, der Durchbruch mit seinem Album „Thriller“, seine Kämpfe mit Journalisten, sein Zurückgezogensein, sein plötzlicher Tod.

Bilder

All das ist eingebettet in seine großen Songs, 26 an der Zahl. Man kennt sie allesamt. Es sind Welthits bis heute: „Bad“, „Billie Jean“, „Black or White“, „Remember the Time“, „Dangerous“, „Beat it!“, der Song, der der Show den Namen gegeben hat. Die fünfköpfige Band mit Gitarristen, Keyborder und Drummer bringt ganz starke Dauerpower unters Theaterdach.

Outfit als Marke

Die gesprochenen Übergänge, nun ja, sind etwas gewöhnungsbedürftig. Aber zum Glück dominieren die Musik, das Tanzen und ein Outfit, das Jackson zu seiner Marke gemacht hat: schwarze Hochwasserhosen, enges Shirt, weiße Socken, abgeklebte Finger, Haarsträhnen im blassen, längst operierten Gesicht unter dem Hut.

Das Publikum ist beseelt. Nicht nur von den Hits, die man eigentlich jederzeit im Internet hören könnte und die auf CD verewigt sind. Es geht auch ums Seh-Erlebnis. Jackson war eben auch ein außergewöhnliches Tanztalent und hat mit seinen Gesten, seinen Bewegungen Geschichte geschrieben. Sein legendärer Moonwalk, diese gleitenden Schritte rückwärts, in der Show gut dosiert und nicht überstrapaziert, hier und da der Griff in den Schritt, der geniale Schrägstand aus dem Video „Smooth Criminal“, der die Forscher ins Grübeln brachte, wie denn mit dieser Vorwärtskippe die Schwerkraft überwunden werden kann. Und natürlich zerschneidet Dantanio Goodman wie einst Jacko die Luft mit den Armen.

Ein sanfter Tod

Die Show lässt ihn sterben, nicht so abrupt wie vor neun Jahren, sondern mit musikalischen Herzschlägen, die immer langsamer werden.

Wenn zum Schluss hunderte Menschen „Heal the World“ singen, allerspätestens dann weiß man, dass Michael Jackson trotz all der Tragik in seinem Leben und der Vorwürfe des Kindesmissbrauchs bis jetzt von vielen, vielen Fans verehrt wird. Und man erwischt sich im Laufe der zweieinhalb Stunden immer wieder bei dem Gedanken, wie es wäre, wenn der „King of Pop“ als 60-Jähriger dieser Tage auf Tour gehen könnte.

Show auch in Magdeburg

Die Show „Beat it!“ bleibt bis zum 2. September im Theater am Potsdamer Platz. Danach geht es auf große Tour. Am 13. November, Beginn 20 Uhr, kommt die Jackson-Show in die Getec-Arena nach Magdeburg. Karten über biber-ticket, Tel. (0391) 599 97 00.