Menahem Pressler eröffnete Konzertsaison der Magdeburgischen Philharmonie / Ein Pianist auf der Suche nach der Wahrheit Musikalische Meisterschaft mit traumwandlerischem Mozart
Magdeburg l Direkt aus Paris reiste er an - der Pianist und Ehrenbürger Magdeburgs Menahem Pressler. Zu Saisonbeginn der Magdeburgischen Philharmonie gastierte er mit Mozarts letztem Klavierkonzert. 88-jährig ist der im amerikanischen Indiana lebende Weltklassepianist und Begründer des legendären "Beaux Arts Trios" solistisch noch immer leidenschaftlich auf Konzertreisen auch in Europa und Asien unterwegs.
In Magdeburg - Presslers Geburtsstadt - beeindruckte er abermals als Klavierpoet, eingebettet in einem Konzertprogramm mit Werken von Debussy, Schostakowitsch und Borodin.
Zunächst stimmte die "Petite Suite" von Claude Debussy bezaubernd in die nachfolgende Pressler-Poesie ein. Ursprünglich als Klavierstück für vier Hände entstanden, setzte Generalmusikdirektor Kimbo Ishii-Eto die raffinierte Orchesterfassung aufs Programm. Ein Fest für die Holzbläser der Magdeburgischen Philharmonie und ein Indiz für ein nach der Sommerpause bestens aufgelegtes Orchester.
Das bewiesen die Musiker auch in der Begleitung des von Menahem Pressler präsentierten Klavierkonzertes Nr. 27 B-Dur KV 595 - einem traumwandlerischen Mozart. Natürlich kann man Mozart anders spielen, aber es wäre nicht Menahem Pressler. Bei aller Schönheit des Klanges, wenn Pressler Klavier spielt, ist er ständig auf der "Suche nach der Wahrheit" jener Kompositionen, die er spielt. Vor allem dieses milde ausgeglichene Klavierkonzert Mozarts in seiner kammermusikalischen Instrumentierung schien die Feinsinnigkeit und Emotionalität Presslers zu bedienen. Oder umgekehrt? Presslers Fähigkeit, sich zurückzunehmen, musikalische Phrasen fast unmerklich an die Orchestermusiker zu übergeben, mit ihnen partnerschaftlich zu kommunizieren - das ist er. Im zweiten Satz, dem Larghetto, zelebrierte Pressler den lyrischen Charakter einer Romanze, der Konzertmeister per Blickkontakt eng verbandelt mit ihm. Die mit Melancholie ummantelte Fröhlichkeit des Finales, das vom zwischen Dur und Moll changierenden Motiv des späteren Liedes "Komm lieber Mai und mache!" durchzogen ist, erschloss er sich mit größtem Gefühl und Respekt vor der schwierigen Entstehungszeit des Werkes.
Das Magdeburger Publikum spürte das und feierte ihn mit Standing Ovations. Mit zwei Zugaben zeigte er sich nochmals sehr verbunden. Im zweiten Konzertteil erklangen zwei imposante russische Werke. Zum einen Dmitri Schostakowitschs Gelegenheitswerk - die "Festliche Ouvertüre" op. 96 anlässlich des 37. Jahrestages der Oktoberrevolution schnell geschrieben. Mit pompösem Blech, Fanfaren in romantischen Harmonien und lyrischen Melodien gleichermaßen.
Die Fanfare, als Titelmusik der Olympischen Spiele 1980 verwendet, war ein Politikum. Die Trompeten und Posaunen der Magdeburger Philharmoniker bestachen, auch die rasanten Klarinetten- und Flötensoli sowie das Unisono der Celli und Hörner. Ohne Kraftaufwand ließ Kimbo Ishii-Eto das perlende Stück temperamentvoll fließen.
Zum anderen strotzte Alexander Borodins 2. Sinfonie h-Moll voller Heldengesten und Nationalromantik. Borodins Blechbläsersätze in dieser "Heldensinfonie" mit artistischen Horn- und Trompetenstößen im Prestissimo und das komplizierte Zusammenspiel der Holzbläser meisterten die Musiker erstklassig.
Großartig musiziert wurde der langsame Andante-Satz von Harfe und Solo-Klarinette, von Solo-Horn mit einer romantischen Kantilene, sensibel abgenommen von Klarinette, Flöte, Oboe und Fagott. Ein grandioser Auftakt der neuen Konzertsaison.