Arbeiten von Paul Wunderlich in der Magdeburger Galerie "Himmelreich" Prise Erotik darf nicht fehlen
Manches Projekt verdankt sein Entstehen dem Zufall. Mit der aktuellen Ausstellung von frühen Farblithografien und Kleinplastiken Paul Wunderlichs in der Magdeburger Galerie "Himmelreich" ist es ebenso. Dort legte ein Mitglied des Fördervereins mit Stücken aus seiner privaten Sammlung den Grundstein für die Exposition, die bis zum 25. Juni zu sehen ist. Zwei weitere Leihgeber machten schließlich die Schau möglich.
Dass Arbeiten von Wunderlich in der Landeshauptstadt gezeigt werden, ist durchaus ein beachtenswertes Ereignis. Der Mann gehört zu den Künstlern, denen die nahezu perfekte Beherrschung ihres Handwerks wichtig ist.
Er bewegt sich auf vielen Feldern sicher und gekonnt, beweist sich als Bildhauer, Maler, Grafiker und Objektgestalter gleichermaßen. 1947 im brandenburgischen Eberswalde geboren, geht er 20 Jahre später nach Hamburg, wird in der Klasse Freie Grafik Student an der Kunstschule in Hamburg. Nach der Ausbildung bleibt Wunderlich dort und übernimmt die Leitung der Druckwerkstatt. Unter seinen Händen entstehen Blätter unter anderem für Oskar Kokoschka und Emil Nolde. Er selbst widmet sich der Lithografie und geht 1961 nach Paris. Die Hamburger Hochschule für bildende Künste holt ihn bereits 1963 zurück nach Deutschland.
Nur gut fünf Jahre übt er die Professur aus, wird dann freier Künstler. Nach wie vor lebt er in der Hansestadt und verbringt seine Zeit zudem immer wieder in Frankreich. Ausstellungen und Preise für sein Schaffen lassen sich kaum aufzählen.
Mit einem regelrechten Skandal macht Paul Wunderlich schon 1960 von sich reden. "Unzüchtig" nennt man den Grafikzyklus "qui s‘explique". Zu viel Erotik scheint nicht gut in der damaligen Zeit, die Hamburger Staatsanwaltschaft beschlagnahmt kurzerhand die Bilderfolge, die später vom Museum of Modern Art in New York angekauft wird. Diese Besinnung auf den Körper und dessen Reiz bleibt für Wunderlich unverzichtbar. Surrealisten wie Salvador Dalí nehmen Einfluss, die Körper werden verändert, erhalten andere Proportionen, ohne an Anmut zu verlieren. Mit gekonnter Hand wird reduziert. Die Himmelreich-Ausstellung belegt das mit überzeugenden Arbeiten vorwiegend aus den 1960er Jahren.
Präsentation ist ein großer Wurf
Auf den grafischen Blättern finden sich Körperteile, Menschen, Tiere, auf den Kern der Aussage reduziert. Nur ein wenig "Beiwerk", ansonsten bleibt das Hauptmotiv für sich allein. Diese Reduktion fasziniert, auch wenn sich dazu mitunter zarte, fast zerbrechlich wirkende Wesen gesellen. Einer der wichtigen Vertreter des europäischen Neosurrealismus hat sich aber auch mit seinen Plastiken einen Namen gemacht.
Die Stücke, die sich in den Vitrinen finden, sind einfach schön. Eine Prise Erotik darf nicht fehlen. Dazu kommt teilweise der langgestreckte menschliche Körper, der seine Proportionen verändert ohne dass es stören würde. König und Königin sind ausdrucksstarke Objekte, reduziert auf das für Wunderlich Wichtige und das strahlt trotz der Einschränkung Sexualität aus. Ästhetisch bleibt alles, der Schöpfer der kleinen Plastiken legt Wert auf das Detail. Bei den "Drei Grazien" von 1982 gelingt ihm das meisterhaft. Eine der Damen lässt unter dem langen, schlichten Gewand ein Hündchen hervorschauen, die zweite trägt über nackten Brüsten ein Amulett.
Die Präsentation dreier Sammler ist ein großer Wurf. Paul Wunderlich als Personalausstellung in Magdeburg sollte man sich ansehen. Der Weg lohnt sich zweifellos.