Magdeburg l In den vergangenen Tagen wurde gewerkelt und gebaut. Die Raumstruktur im historischen Gemäuer hat sich im oberen Kreuzgang deutlich verändert. Geschuldet ist der Kraftakt dem Ausstellungsprojekt „Ambitus“. Gemeinsam mit dem Gesellschaftshaus, das sich dem klassischen und modernen Musikschaffen gleichermaßen verpflichtet fühlt, entstand eine ungewöhnliche Exposition, die bis zum 6. Januar kommenden Jahres zu sehen ist.

Eine Werkschau holt 25 internationale zeitgenössische Künstler an die Elbe. Deren Arbeiten machen die Schnittpunkte von Musik und bildender Kunst auf ganz unterschiedliche Weise erlebbar, sagt Museumsleiterin Annegret Laabs. Bereits in den vergangenen Jahren habe man sich diesen Entwicklungen geöffnet und unternehme nun den Versuch, einen Überblick anzubieten. Der allerdings könne wegen der Vielfalt nur „ein buntes Essay dessen sein, was im Moment geschieht“. Stellvertretend dafür stünden die Positionen der in Magdeburg vertretenen Akteure. Laabs nannte es ein Experiment, die einzelnen Projekte zusammenzuführen, die oftmals separat oder in Personalausstellungen zu sehen wären.

Mit Kopfhörern auf Entdeckungstour

Der Rundgang gestaltet sich als Entdeckertour. Wichtigstes Zubehör für die Besucher sind Kopfhörer, die sie durch einzelne Teile der Schau ungestört in experimentelle Klangwelten eintauchen lassen. Das beginnt bei der „Cloud“ von Christina Kubisch. 1500 Meter schwarzes Kabel verwob die in Berlin lebende Künstlerin zu einer elektronischen Wolke. Je nach der Position des Betrachters werden ihr Töne entlockt, die die Installation hörbar machten.

Bilder

Eine subtile Verbindung gehen bei dem Videoprojekt von Anri Sala die „Internationale“ und die „Marseillaise“ ein. Der gebürtige Albaner lebt in Paris und er holt die beiden kämpferischen Hymnen in die Gegenwart. Auf zwei Leinwänden sieht der Betrachter die Klaviertastatur, die mal wie von Geisterhand, mal durch den Pianisten direkt Töne erzeugt. Beide Lieder sind erkennbar, werden aber unter der Wucht der eigenwilligen Interpretation regelrecht zertrümmert, ein Stück weit von den eigentlichen Idealen ihrer Entstehungszeit entrückt. Der Künstler scheint die gesellschaftlichen Brüche der vergangenen Jahrzehnte darstellen zu wollen.

25 Bildschirme reihen sich aneinander. Auf jedem sieht und hört der Betrachter einen Sänger. Die Installation der in Berlin lebenden Südafrikanerin Candize Breitz geht auf Melodie und Text des Liedes „Working Class Hero“ von John Lennon zurück. Jeder der Beteiligten wirkt authentisch, singt den Titel voll Inbrunst und Überzeugung, will mit seiner Sangeskunst kaum berühmt werden. Die separat im Studio aufgenommenen Interpretationen laufen im Museum nun parallel ab, ergeben einen Chor, der ungewöhnlicher nicht sein könnte.

Interaktive Klangwelten

Ausstellungsbesucher dürfen mitmachen, die Klangwelten auf ungewöhnliche Weise entdecken. „Schuhe ablegen“ heißt es beim Sonic Bed von Kaffe Matthews. Der in Berlin lebende Brite versah ein Bett mit Lautsprechern. Wer dachte, Musik wäre nur zum Zuhören gedacht, muss dort unbedingt die Liegeposition einnehmen. Die Vibrationsfrequenzen der Musik stimulieren den Körper und schaffen einen multisensorischen Ansatz für das Erleben von Tönen.

Dann sind da die Objekte von Douglas und David Henderson. Zahllose futuristisch wirkende Lautsprecher auf dem Boden und an der Decke entführen in eine Welt der Naturtöne. Die beiden Brüder brachten ihre eigenen künstlerischen Fähigkeiten zusammen, David kommt aus der bildenden Kunst und Douglas beschäftigt sich mit Musik.

Zur Eröffnung von Ambitus laden Kunstmuseum und Gesellschaftshaus zu einer Langen Nacht der Kunst und Musik ein. Am Sonnabend entfaltet sich ab 19 Uhr ein regelrechter Erlebnispfad zwischen beiden Häusern entlang der Elbe auf rund 2,8 Kilometern. Es gibt auf dem „Water walk“, der mit seiner Grundidee auf ein Projekt des Komponisten John Cage zurückgeht, beispielsweise einen begehbaren Konzertsaal, es gibt Vorstellungen von Theatergruppen und Klanginstallationen. Der Eintritt zu diesen Angeboten ist kostenlos.

Mehr Informationen zur Langen Nacht gibt es im Internet unter www.kunstmuseum-magdeburg.de