Magdeburg/Erfurt (dpa) l Die Gründung einer Mitteldeutschen Schlösserstiftung stößt auch beim Thüringer Museumsverband auf Skepsis. Das geplante Sonderinvestitionsprogramm von 200 Millionen Euro allein in Thüringen sei dringend nötig, das Konstrukt einer länderübergreifenden Stiftung mit Sachsen-Anhalt jedoch zu kompliziert, erklärte der Verband am Sonntag in Erfurt. "Die Einrichtung und Gründung einer so komplexen Stiftung, die unterschiedliche Kultureinrichtungen aus zwei Bundesländern vereinen soll, braucht bis zu ihrer Funktionsfähigkeit viel Zeit."

Vorbehalte haben auch die Oppositionsfraktionen im Thüringer Landtag, CDU und AfD. Vertreter der rot-rot-grünen Regierungskoalition hatten im Landtag erklärt, sie nehme das komplizierte Konstrukt in Kauf, weil der Bund daran seine Zahlungen gebunden habe. Damit überwögen die Vorteile. Geplant ist, dass Thüringen und Sachsen-Anhalt je 100 Millionen Euro vom Bund erhalten, um den Sanierungsstau bei Schlössern und Gärten abzubauen. Beide Länder müssen jeweils weitere 100 Millionen Euro zur Gegenfinanzierung aufbringen.

Der Museumsverband mahnte, dass die Landesförderung für die Museen durch den Geldsegen für eine gemeinsame Schlösserstiftung keine Kürzung erfahren dürfe. Frei werdende Gelder durch die Bundesförderung sollten anderen Museen zur Verfügung gestellt werden.

Mit der Mitteldeutschen Stiftung verliere die Thüringer Stiftung Schlösser und Gärten mit dem Schlosskomplex Heidecksburg, dem Schloss Schwarzburg, der Klosterruine Paulinzella, Schloss und Park Friedensstein und dem Schlosskomplex Sondershausen wichtige Bauten der Residenzkultur, erklärte der Verband. Inwieweit die organisatorische Selbstständigkeit dieser Einrichtungen gewahrt bleibe, sei die Frage. Auch Konsequenzen für die innere Organisation der betroffenen Museen lassen sich bisher nicht abschätzen.

Thüringens Schlösserstiftung hat in den vergangenen 25 Jahren nach bisherigen Angaben rund 230 Millionen Euro in ihre historischen Gemäuer investiert.