Sonnabend wird die Hallenser Grafikerin Franca Bartholomäi mit dem Landeskunstpreis ausgezeichnet Spontan und intensiv
Halle l Der Kunstpreis Sachsen-Anhalts geht in diesem Jahr an Franca Bartholomäi. Geehrt wird damit eine Künstlerin, die alte Holzschnitt-Techniken wieder zurück in die moderne Kunst bringt.
2014 soll es "ruhiger" werden. Nicht mehr zehn, zwölf Ausstellungen will Franca Bartholomäi pro Jahr bestücken, sondern höchstens zwei. Denn sie braucht wieder mehr Zeit, neue Bilder zu produzieren. "Auszubrüten", sagt sie. Vor allem reizen sie große, mehrteilige Arbeiten. Doch bevor sich die Hallenser Künstlerin in ihr Atelier zurückziehen kann, um Neues zu schaffen, wird ihr am 7. Dezember für ihre bisher entstandenen Arbeiten der Kunstpreis des Landes Sachsen-Anhalt verliehen. Es ist die bedeutendste Auszeichnung, die das Land an einen Bildenden Künstler zu vergeben hat.
Die 1975 in Hohenmölsen (Burgenlandkreis) geborene und in Nessa und Teuchern aufgewachsene Franca Bartholomäi steht nun in einer Reihe mit Gertraud und Otto Möhwald, mit Helmut Brade und ihrem Künstler- und Hochschullehrerkollegen Thomas Rug, die den Preis in den vergangenen Jahren bekommen haben. In der Begründung der Jury heißt es: "Franca Bartholomäi greift in ihrem Werk auf einzigartige Weise auf die narrative Tradition des Holzschnitts in der europäischen Kulturgeschichte zurück, die von den Holzschnitten Dürers bis zu denen der Brücke-Künstler reicht. Die Bildräume der Holzschnitte Franca Bartholomäis sind von ebenso anziehender wie verstörender Vielschichtigkeit und Dimensionalität."
"In meinen Arbeiten versuche ich ein wenig die Ästhetik der Träume nachzuahmen."
In der Tat sind Franca Bartholomäis Arbeiten exzellente Holzschnitte voller ungewöhnlicher Bildlösungen und Geschichten, die den Betrachter direkt in unbekannte Welten führen, in denen Dinge geschehen, die erahnt, doch nie vollständig erfasst werden können. Die Künstlerin beschreibt das so: "In meinen Arbeiten versuche ich, ein wenig die Ästhetik der Träume nachzuahmen, also diese krude Mischung aus realitätsnahen und völlig schrägen Bildern. In Träumen wie auch in meinen Arbeiten scheint alles eine Bedeutung zu haben, und doch sind sie letzten Endes nicht zu enträtseln." Diese Art, sich ganz einer traumgleichen Inspiration zu überlassen, haben viele Künstler praktiziert - nicht nur die Surrealisten. Doch besonders an deren bizarre Szenerien fühlt man sich erinnert, betrachtet man Bartholomäis verlorene Menschen im Linienraster, die leise sich auflösenden Welten, die Tierwesen und die Tätowierungen auf den Körpern, die ihre eigenen Geschichten erzählen.
Wie die meisten Künstler hält Franca Bartholomäi nicht viel von Einordnungen in kunsthistorisch festgelegte Stile. Bekannt-Vertrautes gibt es in ihrer schwarz-weißen Kunst trotzdem. Typische historische Holzschnitt-Themen wie Totentanz und Passionsgeschichte, Apokalypse und die kritisch-metaphorischen Flugblätter der Reformationszeit spielen durchaus eine Rolle. Letztendlich aber muss sich jeder Betrachter einen eigenen Weg durch die (Traum-)Welten von Franca Bartholomäi suchen - durch diese ziemlich wilde Mischung aus grafischen Linien, traditionellen Bildmotiven, modernen Szenerien und Comic-Elementen. Im Magdeburger Dom kann man das jederzeit, denn seit 2009 ist dort der von Bartholomäi neu gestaltete Katharinenaltar zu sehen.
"Farbige Bilder können andere einfach viel besser. Meine Stärke liegt in der Reduktion."
Ihre Arbeiten entstehen langsam, erzählt die Künstlerin. Sie liebe dieses Sich-Versenken in den Schaffensprozess, der Wochen, auch Monate dauern kann. "Wenn ich einen Einfall habe, dann ist dieser meist schon sehr komplett. Es ist wie eine Vision, spontan und intensiv." Zuvor aber macht sie ständig kleine Skizzen, Träume werden aufgeschrieben, Ideen kommen beim Lesen und Hören von ziemlich düsterer Musik. Die endgültige Bildidee wird dann mit Hilfe eines Rasters auf die großen Holzplatten übertragen - immer nachts und unter einem starken, hellen Lichtstrahler. Zu den Frühaufstehern im "Land der Frühaufsteher" gehört die Nachtarbeiterin nicht. Heimisch fühle sie sich trotzdem, denn sie liebe den "Idealismus, der hier allgegenwärtig ist".
Holzschnitt ist eine alte künstlerische Technik, die nicht mehr viele Künstler verwenden. So exzellent wie Franca Bartholomäi sie beherrscht, konnten es von jeher nur die Besten. Ihre Motive, die sie immer selbst in der "Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design" druckt, gibt es fünf-, höchstens zehnmal.
"Die gekratzten Strukturen setzen sich ziemlich schnell zu, das Holz quillt und extrem zarte Linien drücken sich breit, werden also mit jedem Abzug etwas unschärfer. Deswegen - lieber nur ein paar richtig gute Abzüge, als viele mittelmäßige oder gar schlechte", sagt Bartholomäi, die seit 2010 einen Lehrauftrag für Grafik an der "Burg" hat.
Was 2014 in Franca Bartholomäis Hallenser Wohn-Atelier entstehen soll, ist noch ungewiss und hängt sowieso vom "kreativen Strom der Ideen" ab. Sicher aber ist, dass es schwarz-weiß sein wird. "Farbige Bilder", sagt Franca Bartholomäi "das können andere einfach viel besser. Meine Stärke liegt in der Reduktion."