Magdeburg l In neun Jahren gab es 20 Produktionen der Nachtschwärmer auf der MS „Marco Polo“. Zweifellos hat sich das Programmformat etabliert. Kleinkunst in einer nach wie vor ungewöhnlichen Umgebung fordert die Darsteller, die auf den Planken den Zuschauern stets nah sind, mit dieser Intimität umzugehen wissen.

Die Erinnerung an den 400. Todestag des englischen Schriftstellers kommt mit einem Jahr Verspätung. Wegen der Erkrankung eines der Akteure fiel die Inszenierung 2016 regelrecht ins Wasser. Nun hat Regisseur Knut Müller-Ehrecke den Sack erneut zugemacht. William Shakespeare ist allgegenwärtig. Ein paar informative Zwischentexte zu dessen Leben und Wirken hätten das Ganze aufgewertet, wären für viele Zuschauer hilfreich gewesen. Moderne musikalische Interpretationen lassen den Herrn mit seinen Werken ansonsten lebendig werden.

Rappender Hamlet

In gewohnter Manier greifen die Nachtschwärmer auf Titel beispielsweise von den Prinzen, Heinz Rudolf Kunze oder den Wise Guys zurück, geben bekannten Songs zum Teil mit eigenen Texte – Peter Hofmann gehört zu den Hausautoren – einen zum Stück passenden Inhalt. Das funktioniert tadellos. Matthias Krizek, Ulrike Nocker und Musikchef Oliver Vogt fügen alles zum harmonischen Ganzen zusammen. Die Rahmenhandlung schafft Übergänge, so dass keineswegs der Eindruck eines reinen Nummernprogramms entsteht. Sie agieren miteinander, dabei hat jeder die Möglichkeit, seine Stärken voll auszuspielen.

Bei „Shakespeare on board“ sorgen die überwiegenden Solostücke für Abwechslung, die Darsteller sind souverän. Ulrike Nocker und Matthias Krizek steuerten einige eigene, starke Texte bei, zu denen Oliver Vogt die passenden Noten arrangierte. Das lässt für weitere Inszenierung einiges erwarten. Das 2017er Sommertheater zeigt sich insgesamt sehr tiefgründig und auf den englischen Autor konzentriert. Das gibt dem Programm Glanzpunkte. Matthias Krizek schlüpft in die Rolle des Puck aus „Ein Sommernachtstraum“, gibt im stimmigen Kostüm den Diener des Feenkönigs Oberon. Fast mystisch wirkt sein Schabernack der Nacht, der zu einem Höhepunkt des Abends wird. Auch der stark verkürzte Hamlet als Rapgesang sorgt für ein ganz modernes Shakespeare-Bild.

Das Sonett 87, von Oliver Vogt vertont, interpretiert Ulrike Nocker einfühlsam und so, dass es heute kaum antiquiert wirkt. Ihr „Ich shake's Bier“ wirkt munter und frisch, lässt eine Bardame ihren eigenen Dichterfürsten entdecken. Das literarisch geprägte Stück der Nachtschwärmer hat das Zeug zum Dauerbrenner, es könnte auf einer klassischen Bühne zweifellos noch intensiver wirken. Licht und Schatten, im wahrsten Wortsinn, liegen bei der Umsetzung von „Shakespeare on board“ eng zusammen. Während das Stück selbst keine Wünsche offenlässt, fehlt es an optischen Reizen. Das Bühnenlicht kommt oft düster daher, betont die in dunklen Kostümen agierenden Darsteller nur mangelhaft. Mehr und effektvoller eingesetzte Scheinwerfer brächten das i-Tüpfelchen in der Inszenierung, die durch die gewollt reduzierte Dekoration darauf angewiesen ist.