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Gespräch mit Domkantor Barry Jordan zum Konzert von Emma Kirkby im Magdeburger Dom "Tief bewegt von der Klarheit dieser Stimme"

07.12.2011, 04:25

Kritiker haben sie unter die zehn weltbesten Sopranistinnen gewählt: In jedem Fall ist Emma Kirkby eine, wenn nicht die Pionierin historischer Gesangspraxis. Am Sonnabend beginnt ihr Konzert um 19.30 Uhr. Domkantor Barry Jordan hat sie zum Konzert nach Magdeburg eingeladen. Caroline Vongries fragte nach.

Volksstimme: Primadonna Alter Musik, dennoch eine perfekte Nicht-Diva, mehr als 200 CDs, von der Queen in den Ritterstand erhoben, zu Emma Kirkby lässt sich vieles sagen. Was verbinden Sie persönlich mit ihr?

Barry Jordan:Unbestritten hat sie die historische Aufführungspraxis ganz entscheidend geprägt. Ihre natürliche Art zu singen war in den 70ern revolutionär, ein Gegenentwurf zur gängigen Opernpraxis. Als Sopranistin ist sie immer noch eine Ausnahmeerscheinung, eine Größe, während es im Bereich der Countertenöre einige Namen gibt. Erstaunlich für mich: Ursprünglich wollte Emma Kirkby gar nicht Sängerin werden, hat Philologie in Oxford studiert und nebenbei ihre Liebe zu alter Musik entdeckt.

Volksstimme: Können Sie sich erinnern, wann Sie Emma Kirkby zum ersten Mal gehört haben?

Jordan: Oh, das weiß ich noch genau. Es war während meines Studiums, noch in Kapstadt, mein Orgellehrer kam und sagte: Das musst du dir unbedingt anhören. Das war damals noch eine Schallplatte.

Der Eindruck war phänomenal. Ich war tief bewegt von der kristallinen Klarheit dieser Stimme, ich hatte so etwas Süßes im besten Sinne des Wortes noch nie zuvor gehört.

Volksstimme: Auch das London Baroque, mit dem Emma Kirkby auftritt, ist für sich genommen ein Orchester, das Geschichte geschrieben hat ...

Jordan: Einen Musiker wie Charles Medlam an der Viola da Gamba zu hören, ist zweifellos ein Erlebnis. Das London Baroque, 1978 gegründet, ist eine der exponiertesten und prägendsten Formationen der barocken Kammermusik. Man ist dort sehr erfahren und gut aufeinander eingespielt.

Volksstimme: In welcher Besetzung wird musiziert?

Jordan: In typischer Barockbesetzung: Zwei Geigen, eine Gambe, Cembalo.

Volksstimme: Und auf welches Stück freuen Sie sich am meisten?

Jordan: Wir werden ja deutsche und italienische weihnachtliche Barockmusik hören, darunter Corelli, Händel, Bach, Scarlatti, Buxtehude. Ich persönlich bin am meisten auf den Corelli gespannt, sozusagen den besseren Vivaldi, dessen stilistische Bandbreite wir ja auch erst nach und nach entdecken. In jedem Fall ist dieses Konzert das größte Musikereignis überhaupt, das wir außerhalb des MDR-Musiksommers bieten können.