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David Ortmann inszeniert "Ein irrer Duft von frischem Heu" am Anhaltischen Theater Dessau Trutzlaffer Wunder

Von Helmut Rohm 02.07.2013, 01:28

Es war ein überwiegend reiferes Publikum, das im vollbesetzten Studio des Alten Theaters Dessau neugierig auf die Komödie "Ein irrer Duft von frischem Heu" war. Bekannt auch durch den DDR-Film Ende der 1970er Jahre.

Dessau-Roßlau l Der junge Regisseur David Ortmann hat sich dieser amüsanten Rudi-Strahl-Geschichte um Wunder angenommen. Auf der Studio-Bühne wird das Leben im mecklenburgischen Dorf Trutzlaff zu LPG-Zeiten in einer Momentaufnahme widergespiegelt.

Auf der Bühne ist ein ausrangierter Wohnwagen mit DDR-typischen und ideenreichen Um-, links- und rechtsseitigen An- und hohen Aufbauten, ebensolchen Einbauten und symbolträchtigem Inventar sowie mit Nebengelass das Handlungszentrum.

David Ortmann ist der Spagat zwischen nostalgischem Retro-Abklatsch und heutiger "Rück-Sicht" gut gelungen. Unterhaltung und Spaß stehen mit dickem satirischem Anstrich und schelmischem Augenzwinkern im Vordergrund.

Ein wenig angelehnt an Don Camillo und Peppone, treffen die frisch diplomierte Spezialistin der Bezirksleitung, Dr. Angelika Unglaube, und der vom Vatikan abgesandte Monsignore Romeo Aventuro aufeinander.

Beide auf der Spur der Wunder, die dem LPG-Parteisekretär Mattes Matthias, der ein "zweites Gesicht" haben soll, nachgesagt werden. 117 solcher "Vorwürfe" sind aktenkundig gemacht.

Der gut unterhaltene Zuschauer erlebt in flotten Szenen mit Slapstick-Charakter, Dialogen, in aktionsreichen Handlungen das Beziehungsgeflecht und die Auffassungswandlungen. Die Dreierkonstellation Mattes - Angelika - Romeo wird durch die LPG-Vorsitzende Lydia und dem Krummsein simulierenden Paul erweitert. Nichts von Ökumene hält der einheimische protestantische Pfarrer Himmelsknecht, der trinkfest und wortgewaltig dem katholischen Monsignore öfter in die Parade fährt.

Natur und Emotionalität potenzieren sich, wenn Angelika oder Romeo mit frischem Heu (als Ballen auf dem Wohnwagendach) in Kontakt kommen.

Das Rätsel um die Voraussagen wird nicht gänzlich geklärt. Außer beim Paul, der wegen einer bevorstehenden Wehrpflicht erfolgreich simulierte. Auch Mutter Roloff erfährt, wo ihr Mann ist. Es ist schon erheiternd und verblüffend, wenn Mattes "Gesundheit" sagt, ehe Angelika niest, wenn das bei schönstem Wetter vorausgesagte Gewitter urplötzlich hereinbricht.

Vielleicht sind es menschliche Erfahrungen oder erzeugt das Heu doch übersinnliche Kräfte? Wer weiß. Doch - die aufkeimende Liebe wird zur Realität. Artikuliert wurde nicht, warum die alte Küchenuhr auf fünf vor zwölf steht. Zufall? Oder soll sie auf die drohende prekäre Lage am Anhaltischen Theater aufmerksam machen?

Das Publikum auch bei der zweiten Vorstellung war begeistert.