Mitteldeutsche Kammerphilharmonie und Jaecki Schwarz gastierten im Gesellschaftshaus Übermütiges Konzert mit Dinosauriern
Das IMPULS-Festival für Neue Musik ist das jüngste Festival in Sachsen-Anhalt. Es wurde im Jahr 2008 gegründet und hat sich seither zu einem der bedeutendsten Musikfestivals in den neuen Ländern entwickelt.
Magdeburg l Jährlich schließen sich im November alle Sinfonie - und Kammerorchester des Landes sowie das MDR-Sinfonieorchester und der MDR- Rundfunkchor in einzigartiger Weise zu einem Netzwerk zusammen, um Neue Musik anders und aufregend einem breiten Publikum zu präsentieren.
"Hierfür sind die Initiatoren äußerst kreativ und finden immer wieder neue Formen", erzählt IMPULS-Dirigent Phillip Barczewski am Rande des Familienkonzertes zum Faschingsbeginn am vergangenen Sonntagim Magdeburger Gesellschaftshaus. Auf dem Programm standen Camille Saint - Saëns\' "Karneval der Tiere" und Guillaume Connessons "Jurassic Trip", einfallsreich verwoben mit überaus originellen und humorvollen Texten von Andreas Hillger.
Unter der Leitung von Phillip Barczewski musizierte die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie gemeinsam mit Lisa-Marie Schneider und Jan Vorrath am Klavier sowie dem Schauspieler Jaeckie Schwarz als Sprecher.
Letzerer hört viel klassische Musik, geht selbst gern ins Konzert und begleitet nicht zum ersten Mal eine derartige Veranstaltung mit Texten, verriet er in einem kleinen Gespräch vorab. Dass ihm derartige Projekte Freude bereiten, bekam auch das Publikum später zu spüren. Herrlich, wie der langjährige MDR-Kommissar mit seiner Stimme modellierte und immer ein leichter ironischer Unterton mitschwang. Ein Schelm, wer Böses dabei dachte, wenn ... Hühner nie mit Reizen geizen, um einem Hahn den Kopf zu verdrehen ...oder die Kröte ihren schweren Schild liebt ...
Die Kammerphilharmoniker zelebrierten eine Parodie auf Offenbachs "Can Can" im Schneckentempo, bevor ein Elefant im Porzellanladen keinen Schaden hinterließ und ein Känguru-Junges mit seinem Schicksal als "Taschenkind" haderte.
Der Kuckuck hat keine Zeit für Nachwuchs
Der Kontrabass lieh dem Elefanten seine Stimme, Konzertmeister und zweite Violine imitierten die Esel-Geräusche ebenso echt wie die Klarinette den Kuckuck. Der hat für Nachwuchs keine Zeit und demzufolge auch keine Ahnung von Familienplanung ... Viele Vögel trieben ihr Unwesen und die Flöte ließ sie sichtbar werden. Sogar die beiden überaus virtuosen Pianisten wurden mit einem Text bedacht. Bis die Dinosaurier buchstäblich in den Saal Einzug hielten.
Schön, wie die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie die Originalität der Musik hervorhob, frech und übermütig aufspielte, dass man die riesigen Urvögel fliegen sah, Schreie hörte und sich gruselte.
Jaeckie Schwarz riet dem Publikum, die Köpfe einzuziehen und sich zu verstecken und wunderte sich, dass der Tyrannenkönig von einst auf Kinderhand verkleinert in der Spielkiste gelandet ist. Phillip Barczewski arbeitete mit dem Schönebecker Orchester viele kompositorische Effekte heraus und zeigte einmal mehr, welch solistisches Potenzial in den Kammerphilharmonikern steckt.
Auch wenn der "Karneval der Tiere" einem zoologischen Durcheinander glich und Dinosauriern wenig Einfühlungsvermögen nachgesagt wird, hätte ein Quäntchen mehr Stab-Gefühl zu noch mehr musikalischem Hochgenuss geführt. Hörens- und sehenswert war der tierische Spaß allemal, einmalig leider auch.