Schauspielerin Rosemarie Fendel feiert heute ihren 85. Geburtstag Verschmitzt, charmant und herzlich
Zum 80. Geburtstag vor fünf Jahren gab es für Rosemarie Fendel einen Fernsehfilm. Ihren 85. Ehrentag feiert die berühmte Schauspielerin im kleinen Rahmen - ohne große Würdigungen. Eigentlich schade, denn ihr auf der Bühne oder im Fernsehen zuzusehen bereitet großes Vergnügen.
München (dpa) l Herzlich, impulsiv und dennoch durch und durch eine Dame - Rosemarie Fendel schafft einen Spagat, mit dem sich viele ihrer Kolleginnen schwertun, auch jüngere. Mit ihrem verschmitzten Lächeln und einer trotzig-eigensinnigen Unbeugsamkeit verleiht sie ihren Rollen eine große Lebendigkeit und vor allem sehr viel Charme. Nun wird die Schauspielerin 85 Jahre alt. Heute feiert sie ihren großen Tag - allerdings im kleinen Kreis, wie ihre Agentur in Berlin mitteilte. Große öffentliche Würdigungen möchte die berühmte Darstellerin ausdrücklich nicht.
1927 wurde Fendel in Metternich bei Koblenz geboren. Einen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie in Böhmen, der Heimat ihrer Mutter. Nach ihrem Abitur nahm sie Schauspielunterricht. 1946 mit noch nicht mal 20 Jahren dann ihr Debüt: Als Blumenmädchen in Girodoux\' "Die Irre von Chaillot" an den Kammerspielen. Von da an war ihr Weg klar. Gustaf Gründgens holte sie nach einer Zwischenstation in Tübingen 1953 ans Schauspielhaus in Düsseldorf. Danach folgten Auftritte in Darmstadt, München und Frankfurt am Main, wo sie heute noch lebt. 1969 wurde sie dem breiten Fernsehpublikum an der Seite von Erik Ode in der Krimiserie "Der Kommissar" (als dessen Ehefrau) bekannt. Viele Filme folgten, etwa 1972 "Trotta" unter Regie ihres langjährigen Lebensgefährten Johannes Schaaf. Auch international erregte sie Aufsehen und brachte etwa den schwedischen Regisseur Ingmar Bergman zum Schwärmen. Immer wieder spielt Fendel auch gemeinsam mit ihrer Tochter Suzanne von Borsody, so etwa 2007 in "Das zweite Leben" und "Späte Aussicht". Für die beiden erfolgreichen Schauspielerinnen eine willkommene Gelegenheit, während der Drehpausen endlich mal wieder viel Zeit miteinander zu verbringen. Ihr Verhältnis ist herzlich und entspannt. Fendel formuliert es so: "Du bist das Beste, was mir in meinem Leben je passiert ist."
So ist es kein Wunder, dass bei aller Hingabe zur Schauspielerei ihre Liebe zu ihrer Tochter mehr Gewicht hatte. Nach der Geburt 1957 zog sich Fendel erst mal von der Bühne zurück - für sechs Jahre. Eine nicht ganz einfache Entscheidung. "Aber als das Kind auf die Welt kam, war mein Ehrgeiz weg, also litt ich keine Qualen", sagte sie einmal im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Doch 1962 ließ sie sich von ihrem Ehemann Hans von Borsody scheiden und ging wieder arbeiten. Sie synchronisierte Stars wie Elizabeth Taylor, Jeanne Moreau und Annie Girardot, fing dann aber bald wieder selber mit der Schauspielerei an.
Auch mit 85 Jahren ist Rosemarie Fendel immer noch aktiv. Von einer schweren Krankheit im Winter hat sie sich inzwischen wieder erholt. Derzeit tritt sie bei Lesungen auf und auch einige Filmprojekte sind nach Angaben ihrer Agentur im Gespräch.
Ihre Arbeit als Schauspielerin sieht Fendel auch als willkommene Ablenkung. "Dann muss man nicht immer über sich selber so nachgrübeln. Man grübelt ja immer über die Figuren, die man spielt", sagte sie. "Diese Nabelschau, dazu bin ich überhaupt nie gekommen in meinem Leben."