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Heute startet französische Neuverfilmung vom "Krieg der Knöpfe" in den Kinos Wenn ein Kinderspiel Realität wird

Von Oliver Zimmermann 12.04.2012, 03:17

Regisseur Christophe Barratier hat einen Klassiker neu interpretiert: Die Geschichte über zwei rivalisierende Jugendbanden wurde in den Zweiten Weltkrieg verlegt.

Berlin (dapd) l Südfrankreich, 1944. Die Welt ist hier noch in Ordnung. Während in Europa der Zweite Weltkrieg wütet, können sich die Jugendlichen in der Provinz weiterhin unbeschwert austoben. Wobei unbeschwert vielleicht ein wenig zu harmlos klingt, denn die Schüler vollführen auf den Wiesen und in den Wäldern ihren eigenen Krieg.

Zwei rivalisierende Jugendbanden rangeln täglich um die Hemd- und Hosenknöpfe ihrer Gegner. Die Lage ist verhärtet. Bis der wahre Weltkrieg doch noch die südfranzösische Provinz erreicht und die verfeindeten Kinder zum ersten Mal zusammenhalten müssen.

"Krieg der Knöpfe" ist ein Klassiker. Die berühmte Buchvorlage von Louis Pergaud stammt aus dem Jahr 1912 und feiert somit in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Zwei Verfilmungen folgten. Wobei die Adaption aus dem Jahr 1962 die bekanntere ist.

Jetzt kehrt "Krieg der Knöpfe" ein weiteres Mal ins Kino zurück. Verlegt wurde die Handlung dabei in den Zweiten Weltkrieg. Die rivalisierenden Jugendbanden stehen in der Interpretation von Regisseur Christophe Barratier ("Die Kinder des Monsieur Mathieu") daher auch nicht ausschließlich im Vordergrund. Der echte Krieg bestimmt stattdessen den Handlungsrahmen.

Da marschieren deutsche Wehrmachtssoldaten durch die idyllische Landschaft, da versuchen sich französische Kollaborateure bei den Nationalsozialisten anzubiedern und da organisieren Untergrundkämpfer ihren Widerstand.

Auch ein jüdisches Mädchen, das ständig Angst vor seiner Deportation haben muss, kommt vor. Im letzten Filmdrittel bestimmt die kleine Violette, der unter anderen von Topmodel Laetitia Casta im Part einer fürsorglichen Dorfschönheit geholfen wird, sogar vollständig das Geschehen. Das ist ganz schön harter Stoff für ein Werk, das in erster Linie Familien ansprechen will. Vor allem dem jungen Publikum wird es nicht gerade leicht gemacht, sich in dem ganzen Wust an Kollaborateuren und Widerstandskämpfern zurechtzufinden.

Wie Freunde zu Verrätern gemacht werden

Die jüngeren Zuschauer werden daher hauptsächlich am Konflikt der Jugendbanden haftenbleiben und den Rest vernachlässigen. Dabei wird ihnen im Kleinen vor Augen geführt, wie sich Aggressionen aufwiegeln, wie Freunde zu Verrätern gemacht werden und wie die Not letztendlich doch zusammenschweißt.

In diesen Punkten bleibt sich "Krieg der Knöpfe" in allen bisherigen Varianten treu. Barratier weiß seine Neuinterpretation über weite Strecken charmant in Szene zu setzen. Durch den reichlich dominanten Weltkriegshintergrund wirkt seine Geschichte allerdings auch ein wenig überladen.

In Frankreich entfachte "Krieg der Knöpfe" im September 2011 derweil einen Kleinkrieg der Kinoregisseure. Nur eine Woche vor Barratier brachte Yann Samuell eine eigene Variante ins Kino, die sich wesentlich enger an der Buchvorlage orientierte. An den einheimischen Kinokassen konnten beide Filme daraufhin nicht überzeugen. Barratier ging dennoch als Punktsieger aus dem Wettstreit hervor.

Samuells Streifen gibt es ab dem 27. April in Deutschland ausschließlich im Videohandel.

"Krieg der Knöpfe", Drama, Frankreich 2011, 100 Minuten, FSK: 6, Regie: Christophe Barratier, Darsteller: Jean Texier, , Laetitia Casta, Guillaume Canet