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Puppentheater Magdeburg lädt zum Hofspektakel Zehn Marionetten und jede Menge Armkraft für Ottos Welt

06.07.2011, 04:30

Magdeburg wirbt mit dem Titel Ottostadt. Jetzt mischt auch das Puppentheater mit und bringt Otto den Großen, den Stolz der Magdeburger, auf die Bühne. "Ottos Welt" wird im Innenhof des Puppentheaters auferstehen. Zu erleben ist das ab 9. Juli.

Von Grit Warnat

Magdeburg. Babyschreien im Puppentheater. Das Bündel mit kleinem Kopf, das Margit Hallmann auf der Bühne im Arm trägt, ist der kleine Otto. Margit Hallmann schreit erst leise, dann stärker.

Der Teufel im rötlich-braunen Gewand verkündet das Jahr 912, das als Geburtsjahr Ottos des Großen in die Geschichte eingehen wird.

Einen Wimpernschlag später knutscht Otto sehr innig seine erste Liebe.

Die nächste Moritatentafel wird aufgeblättert. Das mittelalterliche Spektakel geht weiter. Irgendwann zieren Ottos Kopf nicht mehr nur seine langen roten Haare, sondern auch die Krone.

Ottos Leben im Schnelldurchlauf. Geburt, Hochzeit, der Tod seiner Frau ... "Die wichtigen Szenen aus seinem Leben haben wir in 60 Minuten zusammengefasst. Aber es ist ein sehr freier Umgang mit der Geschichte", sagte Regisseur Frank A. Engel gestern in einer Probenpause. Die Probe wurde wie so oft in den vergangenen Tagen vom Innenhof auf die Bühne im Haus verlegt.

Dort sind Margit Hallmann, Annika Petzold und Pascal Martinoli mit viel Körper- und noch mehr Armkraft im Einsatz. Drei Puppenspieler sollen nicht nur mittelalterliches Leben und Treiben mit Moritaten und Gaukeleien auf die Bühne zaubern. Sie bedienen vor allem zehn Marionetten, die nicht nur groß sind, sondern vor allem schwer.

Die Holzpuppen, die nur über einen Stab und zwei Fäden bewegt werden, erinnern stark an sizilianisches Marionettentheater. "Eigentlich haben Marionetten etwas Poetisches, Zartes. Diese hier nicht", nennt Frank Alexander Engel das Besondere dieser Puppen. Engel, selbst auch Puppenspieler, weiß, was die drei Akteure auf der Bühne zu stemmen haben. Immerhin messen Otto, Adelheid, Heinrich, der Teufel und all die anderen Figuren einen ganzen Meter und bringen etwa 13 Kilogramm auf die Waage. Und so manchens Mal müssen sich die Spieler auch aus der Schussweite bringen. Da knallen die Holzbeine und -arme auf den Bühnenboden, geht’s schon mal grob zu und robust. Wie im Mittelalter eben. Und da wundert’s nicht, wenn der Otto in der Werkstatt landet: Beinbruch.

"Ottos Welt oder wie man Kaiser wird" ist eine Wiederaufnahme einer Inszenierung aus dem Jahr 2002, als das Puppentheater dem bedeutenden Mann dieser Stadt bereits in einem Mittelalter-Spektakel mit diesen großen Puppen ein Podium gab. Mit den Jahren stieg die Magdeburger Begeisterung für den großen Herrscher. Auch Editha war längst noch nicht in aller Munde. Jetzt tauchen sie wieder auf in der Ottostadt – und Frank Alexander Engel hat ihnen so manch aktuellen Kampagne-Slogan in die Münder gelegt.

Wenn am Sonnabend Otto zur Premiere lädt, wird schönes Wetter sein, prophezeit Pressesprecher Jesko Döring. Denn gespielt werden soll auf dem Holzwagen im Innenhof des Theaters. An langen Tafeln sollen die Gäste sitzen und mit einem deftigen Mittelalteressen und "Fogelvrei Produktionen" auch musikalisch auf das Mittelalterstück eingestimmt werden.

Gespielt wird (außer montags und dienstags) bis zum 29. Juli. Karten: 0391/5403310.