Magdeburg l Wenn die Liste der Kulturförderungen des Landes bekannt gegeben wird, klingt das immer großartig. So auch am 29. Dezember 2015: „Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh hat die Unterstützung für mehr als 320 Projekte im Kulturbereich für das Jahr 2016 bekannt gegeben. Sie werden mit insgesamt rund 9,5 Millionen Euro gefördert“, heißt es verheißungsvoll in der letzten Pressemitteilung des Jahres 2015 aus dem Kultusministerium.

9,5 Millionen für 320 Projekte in diesem Jahr - im Einzelnen heißt das zum Beispiel: 27 Musikprojekte bekommen 1,9 Millionen, für insgesamt 34 Museumsprojekte gibt es 600 000 Euro. Und für ebenfalls 34 Projekte öffentlicher Bibliotheken wurden 500 000 Euro bewilligt. So aufgeschlüsselt klingt das nicht unbedingt nach besonders viel für jeden. Doch ohne diese spezielle Förderung, so zeigt eine Umfrage unter verschiedenen Antragstellern, wären einige besondere Pläne nicht umsetzbar.

40000 Euro für Stadtbibliothek

Die Stadtbibliothek Magdeburg zum Beispiel bekommt 40 000 Euro, ebenso viel wie die Hallenser Stadtbibliothek, zum „Kauf von Medieneinheiten“, wie es in der Förderliste, die der Volksstimme vorliegt, heißt. Die Stadtbibliothek Magdeburg kauft mit diesem Geld vor allem aktuelle Kinderliteratur, Reiseliteratur und Bücher in mehr als 20 verschiedenen Sprachen. „Ohne diese Förderung könnten wir den Bestand lange nicht so aktualisieren wie es unsere Aufgabe ist“, sagt Bibliotheksleiterin Cornelia Poenicke, die zusammen mit dem Fördergeld jährlich 180 000 Euro für Neuerwerbungen zur Verfügung hat.

Dass jede Kulturinstitution froh über jede bewilligte Förderung ist, klingt vielleicht ein wenig banal – doch in der Realität bedeutet dieses Geld oft die einzige Chance, große Ausstellungen realisieren zu können. Das Magdeburger Kunstmuseum kann (unter anderem) mit Hilfe der Landesförderung in diesem Jahr zwei große Ausstellungen zeigen, kleinere finanziert es aus seinem eigenen Etat. „Ohne Landesförderungen ginge es gar nicht“, sagt Museumsdirektorin Annegret Laabs. Und ergänzt: „Mit mehr Landesförderung ginge es besser.“ Den größten Teil ihrer Arbeitszeit verwendet die Museumsdirektorin darauf, Geld für Ausstellungsprojekte zu besorgen. Denn sonst würde es nur die Sammlung zu sehen geben.

Fördergeld zu akquirieren ist für den Verwaltungsdirektor der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt, Claus Rokahr, „Routine“, wie er sagt. Die landeseigene Stiftung wirbt für die Projekte ihrer Häuser regelmäßig zusätzlich Geld ein, hat aber im eigenen Haushalt auch extra Geld für Ausstellungen eingeplant. „Seit 2010 hat sich dieser Etat mehr als verdoppelt“, sagt Rokahr. In diesem Jahr stehen etwa 300 000 Euro Eigenanteil zur Verfügung. Der wird durch Fördergeld verschiedener Institutionen ergänzt.

Wenig Spielraum

Während noch vor wenigen Jahren aus den Museen regelmäßig Klagen über fehlende Ausstellungsetats zu hören waren, haben sie offenbar akzeptiert, dass es eine ihrer Aufgaben geworden ist, sich immer wieder neu um Fördergeld für Projekte kümmern zu müssen. Die Planungen für zwei neue Museen in Sachsen-Anhalt sehen momentan gar keine Ausstellungsetats mehr vor. So wird das Dommuseum in Magdeburg wenig Spielraum für Sonderausstellungen haben. „Wenn wir im Dommuseum neue Erkenntnisse in die Ausstellung einfügen und sie aktualisieren, werden wir Projektmittel beantragen“, sagt Gabriele Köster, Direktorin des Kulturhistorischen Museums Magdeburg. Auch Themenausstellungen im Bauhaus-Museum in Dessau werden nach den derzeitigen Planungen immer von Projektförderungen abhängig sein. „Ein Ausstellungsetat ist momentan nicht geplant“, sagt Bauhaus-Sprecherin Helga Huskamp.

Angesichts solcher Planungen ist klar: Kulturinstitutionen werden auch in Zukunft nur arbeiten können, wenn sie es schaffen, externe Geldgeber, wie das Land, Stiftungen und andere Sponsoren von ihren Projekten zu überzeugen.