Staßfurt l Der ehemalige Kaiserhof soll mit mehr sozialen Angeboten und mehr Leben erfüllt werden. Die Stadt Staßfurt will dazu ein Interessensbekundungsverfahren durchführen. Unternehmen und gemeinnützige Vereine sollen sich bewerben, um das Objekt zu übernehmen, es neu ausrichten und ein „Soziokulturelles Zentrum“ zu etablieren.

Hintergrund ist auch der aktuelle Betreiberwechsel. Zehn Jahre lang bis Februar dieses Jahres war der Verein Integration, Beschäftigung und Soziales aus Lutherstadt Eisleben Betreiber der Tafel, des Medientreffs und der Schneiderei im Haus. Zu Ende 2018 wollte der Verein den Vertrag mit der Stadt kündigen, hat aber einer Übergangszeit bis Ende 2019 zugestimmt. Mittlerweile hat sich der neue „Verein für Soziales und Betreuung“ in Staßfurt gegründet, der seit Februar die Tafel übernommen hat. Dessen Leiter Steffen Globig erklärt: „Wir haben den Verein natürlich gegründet, um die Tafel auch langfristig zu übernehmen.“ Der neue Verein will bei dem Interessensbekundungsverfahren ins Rennen gehen.

Nutzung des Gebäudes

„Das Gebäude soll wieder mehr genutzt werden“, erklärt Anke Michaelis-Knakowski von der Stadtverwaltung. Aktuell sei vor allem Betrieb im Gebäude, wenn die Tafel zwischen 11 bis 14 Uhr Essen an Bedürftige ausgibt. Vormittags und Nachmittags könnte das Gebäude aber ebenso genutzt werden und es stünden weitere freie Räume zur Verfügung. Die Stadt selbst aber könne es nicht leisten, mehrere soziale Angebote im Haus zu etablieren.

Die Verwaltung möchte, dass sich ein oder mehrere sozial ausgerichtete Organisationen für den Kaiserhof bewerben. Dazu werden gemeinnützige Träger wie die Lebenshilfe, der Internationale Bund oder die Stiftung Staßfurter Waisenhaus angeschrieben, sich an der Ausschreibung zu beteiligen.

Ziel ist es, den Kaiserhof wieder voll zum „soziokulturellen Zentrum“ zu machen sowie die „Förderung von Chancengleichheit, soziale Eingliederung und Entwicklung“. Vor Ort sollen diverse Angebote, Beratungen oder Projekte die Teilhabe und Integration verschiedenster Altersgruppen, sozialer Schichten und Nationalitäten ermöglichen.

Kinder- und Jugendarbeit

Dazu könnte Kinder- und Jugendarbeit in Form von Beratung, Berufsvorbereitung und Beschäftigung gehören, aber auch „Bürgerhausarbeit“ mit dem Kaiserhof als Treffpunkt für die Einwohner oder ein Stadtteilladen für finanzschwache Kunden. Ebenso könnten dort Programme und Veranstaltungen stattfinden, Seniorenarbeit, Bildungsarbeit, Beratung und Fortbildungen. Auch Vereine und andere Gruppen könnten im Kaiserhof neue Räume finden.

Die Stadt besteht außerdem darauf, dass eine Tafel zur Versorgung sozialschwacher Bürger im Gebäude bleibt. „Dabei können mehrere Träger im Haus aktiv werden. Wichtig ist uns als Stadt nur, dass darunter ein Koordinator als Ansprechpartner für die Stadt ist“, so Anke Michaelis-Knakowski.

Je nachdem, was die Bewerber für Konzepte vorlegen, soll der neue Betreiber im Kaiserhof am 1. Januar 2020 einziehen und zunächst über zwei Jahre bis 31. Dezember 2021 einen Vertrag mit der Stadt abschließen. Die Stadt vermietet ihm das Gebäude. Der Vertrag kann danach um zwei Jahre verlängert werden. Das Interessensbekundungsverfahren läuft im Mai und Juni, im September soll der Stadtrat über den neuen Bewerber entscheiden.

Der Kaiserhof war 2005 zum Soziokulturellen Zentrum umgebaut worden.