Souverän an SilvesterFeuerwerk der Hilfsmittel für Angsthunde

Hundehalter müssen Silvester nicht in einer verlassenen Hütte verbringen, um den Jahreswechsel erträglich zu gestalten. Von sanften Klängen, guten Verstecken - und einem ganz besonderen Hausmittel.

Von Sabine Maurer, dpa Aktualisiert: 25.01.2023, 13:39
Wenn es draussen kracht und blitzt, hilft manchmal schon eine kleine Höhle.
Wenn es draussen kracht und blitzt, hilft manchmal schon eine kleine Höhle. Christin Klose/dpa-tmn

Ulm - Grelle Blitze am dunklen Himmel, es zischt und knallt ohrenbetäubend. Wir Menschen wissen: Es ist Silvester. Doch Hunde gruselt die Böllerei, nicht selten reagieren sie panisch - und das kann richtig gefährlich werden.

„Für viele Hunde ist die Zeit rund um den Jahreswechsel die schlimmste im ganzen Jahr“, weiß die Hundetrainerin Chris Maron aus dem hessischen Neu-Anspach. Weil auch schon in den Stunden vor dem Jahreswechsel immer mal wieder einzelne Raketen oder Böller angezündet werden, kriegen die Tiere bereits lange vor Mitternacht Angst. Sie verstecken sich im fensterlosen Bad oder gleich unter der Couch. 

Regel Nummer eins: da sein

Wie sollten Besitzer damit umgehen? „Am allerwichtigsten ist es, für seinen Hund da zu sein“, stellt Maron fest. Kein Hund sollte an Silvester alleine zu Hause gelassen werden, selbst dann nicht, wenn er das Feuerwerk in der Regel gelassen über sich ergehen lässt. Vielleicht geht ausgerechnet dieses Jahr ein Böller direkt vor der Haustür los? Dann erschreckt sich selbst der entspannteste Hund.

Ist der Hund an Silvester ohnehin ängstlich, sollten sich Herrchen oder Frauchen mit ihm in einen ruhigen Raum zurückziehen, der nicht zur Straße zeigt. Häufig legen sich Tiere, die an eine Box gewöhnt sind, gerne in diese sichere Höhle. Zudem sollten die Rollläden oder Vorhänge schon Stunden vor dem Jahreswechsel geschlossen werden.

Wichtig: Hunde, die sich verstecken, nicht aus ihrem Versteck locken. Hunde, die Aufmerksamkeit suchen, aber nicht ignorieren, sondern kraulen, wenn sie dies möchten. „Man sollte ihn aber nicht bedauern“, rät die Expertin. „Denn so würde man ihm zeigen, dass die Situation ungewöhnlich und man selbst besorgt ist.“ Der Mensch muss Ruhe ausstrahlen. 

Ein Body sorgt für Halt

Ängstlichen Hunden kann es helfen, sie an sich zu drücken - das gibt ihnen im wahrsten Wortsinn Halt, vermittelt also Sicherheit. „Ähnlich soll auch das sogenannte Thundershirt wirken“, sagt Maron. Dies ist ein extra für ängstliche Hunde hergestellter, eng anliegender Body. Es ist auch einen Versuch wert, die Silvestergeräusche durch laute Musik zu übertönen - vorausgesetzt natürlich, der Hund hat vor der Musik keine Angst.

Auch werden im Handel spezielle Entspannungsgeräte für Hunde angeboten, die hochfrequente Klangwellen abspielen. „Auf diese Geräusche muss der Hund aber erst mal konditioniert werden“, erklärt die Hundetrainerin. Er sollte also schon in den Wochen vor Silvester immer wieder diese Klangwellen zu hören bekommen, wenn er gerade richtig schön entspannt ist. 

Hilfreich ist es zudem, wenn der Hund in der Silvesternacht sehr müde ist - im besten Fall verschläft er dann den Jahreswechsel in einem ruhigen Raum. Er sollte daher tagsüber am 31. Dezember viel beschäftigt werden, etwa mit einer langen Wanderung oder intensivem Training, bei dem er viel nachdenken muss. Ängstliche Hunde sollten sicherheitshalber an diesem Tag beim Gassigang an der Leine gehalten werden, damit sie nicht in Panik davon rennen, wenn bereits geknallt wird.

Gegen die Angst anfressen

Beim Jahreswechsel ist es zudem einen Versuch wert, das Tier abzulenken. So kann ihm was Leckeres zu knabbern gegeben oder ein Leckerli geworfen werden. Damit sollte in den Minuten vor Mitternacht begonnen werden, wenn noch nicht geknallt wird. Denn wenn der Hund erst einmal Angst hat, nützt selbst sein Lieblingsfutter als Ablenkung nicht mehr. 

Laut Auskunft des Tierarztes Ralph Rückert aus Ulm können Hunden, die an Silvester ein bisschen Angst haben, zum Beispiel Zylkene, Sedarom oder Adaptil-Tabletten helfen. Diese sind frei im Handel erhältlich. Doch was ist mit Hunden, die vor Angst schier verrückt werden? „Angstzustände von solcher Intensität sollten nicht zuletzt aus tierschutzrelevanten Gründen pharmakologisch gedämpft werden“, sagt er.

Dabei warnt der Fachmann allerdings ausdrücklich vor Acepromazin, das unter den Handelsnamen Vetranquil, Sedalin, Calmivet und Prequillan vertrieben wird. Die sorgen zwar dafür, dass die Hunde äußerlich ruhig wirken, doch innerlich beben sie vor Angst. „Eine ganz fiese Sache, Finger weg“, so der Veterinär.

Notlösung Benzodiazepine

Empfehlenswert seien dagegen, in Absprache mit dem Tierarzt, die Medikamente Sileo und Pexion. Helfen diese nicht, können vom Veterinär Benzodiazepine wie Diazepam oder Alprazolam verschrieben werden. Diese wirkten tatsächlich angstlösend, sagt Rückert. Zwar gebe es theoretisch ein Suchtpotenzial, das sei bei einer so kurzen Anwendung aber kein Thema.

Zudem hat er noch Hausmittel parat, die den Hund ebenfalls beruhigen können: Eierlikör oder Bier. Er habe seinem knapp zehn Kilogramm schweren Terrier früher am Silvesterabend um 20 und um 23 Uhr jeweils einen Esslöffel Eierlikör gegeben, erinnert er sich. „Das hat ihm sehr gut geschmeckt und beträchtlich geholfen.“

Zwar gelte Alkohol für Hunde als giftig, doch von einer so geringen Menge falle laut Rückert keiner tot um. Der Hund wird - passend zu Silvester - einfach nur ein wenig angesäuselt.