Osteoporose

Nur starke Knochen zeigen Härte

Knochenabbau durch Osteoporose ist ein Hauptgrund für Hilfe- und Pflegebedürftigkeit im Alter.

Von Uwe Seidenfaden

Magdeburg l Jeder Mensch kommt mit etwa 350 Knochen auf die Welt. Durch natürliche Verwachsungen sind es im Erwachsenenalter durchschnittlich nur noch 215, so der Unfallchirurg Privatdozent Dr. Stefan Piatek, Oberarzt der Magdeburger Uniklinik für Unfallchirurgie. Im Kindesalter sind die Knochen noch erstaunlich elastisch, im Erwachsenenalter erstaunlich belastbar. So hat beispielsweise der durchschnittlich 46 Zentimeter lange Oberschenkelknochen eines Menschen eine Tragfähigkeit von 1,65 Tonnen – mehr als das 23-fache des eigenen Körpergewichtes.

Die enorme Knochen-Belastbarkeit ist eine Folge der mikroskopischen Struktur, die aus anorganischen Substanzen (vor allem Kalzium-Verbindungen) und organischen Substanzen (Kollagenen) besteht. Aufbau und Veränderungen bei den Patienten mit Osteoporose verdeutlichten beide Referenten an Hand von mikroskopischen Aufnahmen.

Die Mediziner zeigten, dass die Knochen lebendes Gewebe sind, das in einem Zeitraum von etwa einem Jahrzehnt komplett umgebaut wird. An den Stellen der Knochen, die häufig unter mechanischen Belastungen stehen, wird die Härte verstärkt, während die unbelastete Knochensubstanz vom Körper abgebaut wird. Die Knochendichte messen die Ärzte mit der sogenannten DXA-Methode, deren Funktion und Aussagekraft der Rheumatologe und Knochenexperte (Osteologe) Professor Dr. Jörn Kekow, Chefarzt der Klinik für Rheumatologie im HELIOS-Fachkrankenhaus Vogelsang-Gommern, beschrieb.

Erste Warnzeichen einer Osteoporose sind oft Knochenbrüche bei leichten Verletzungen (z.B. Stolpern oder ein Fall aus dem Stand), Rückenschmerzen und eine Größenabnahme um mehr als drei bis vier Zentimeter.

Bei der Osteoporose kommt es zu einem verstärkten Abbau tragender, harter Knochensubstanz. Der Statistik zufolge sind in Deutschland 7,8 Millionen meist ältere Menschen von einer behandlungsbedürftigen Osteoporose betroffen, so Professor Kekow. Es trifft überdurchschnittlich viele Frauen, aber auch eine große Zahl älterer Männer - insbesondere jene, die sich wegen eines Prostata-Tumors einer Anti-Hormontherapie unterziehen müssen.

Besonders häufig bei Osteoporose-Patienten sind Handgelenks-, Schenkelhals- und Wirbelgelenksäulen-Brüche. Wie diese Folgen akut behandelt werden, um möglichst schon nach wenigen Tagen wieder mobil zu sein, erklärte der Unfallchirurg Dr. Stefan Piatek. Zur Verdeutlichung ließ er einige hochwertige Metall-Platten und Titan-Nägel zur Stabilisierung der Knochenbrüche durch die Reihen des Publikums gehen.

Über die medikamentösen Therapiemöglichkeiten mit sogenannten Bisphosphonaten, Spezial-Östrogenen (SERMs) bis hin zu neuen Medikamenten, die gezielt den Knochenaufbau fördern (Parathormone) oder Antikörpern, die den Knochenabbau blockieren (z.B. Denosumab), informierte Professor Kekow.

Dr. Piatek informierte über spezielle Wäschestücke, sogenannte Hüftprotektoren, die bei einem Sturz den Aufprall dämpfen und so Knochenbrüche verhindern. Weitere individuelle Auskünfte dazu erteilen Sanitätshäuser in Magdeburg.

Zu den Risikofaktoren, die eine Osteoporose begünstigen, zählen u.a. Untergewicht (BMI unter 20), Bewegungsmangel sowie nach neuen Ärzte-Leitlinien auch Diabetes-Typ 2, COPD und eine längere Einnahme von kortisonhaltigen Medikamenten.

Vorbeugend raten beide Referenten in den ersten drei Lebensjahrzehnten durch kalziumreiche Mineralwasser sowie Milchprodukte und täglich eine halbe Stunde Sport (z.B. rhythmische Sportgymnastik, Wandern und Ballsportarten) möglichst viel Knochensubstanz aufzubauen.

Als Faustregel sollten Erwachsene rund 1000 Milligramm Kalzium pro Tag zu sich nehmen – das entspricht etwa einem Glas Milch oder sehr Kalziumreiche Mineralwässer, einer bis zwei Scheiben Hartkäse sowie einem Becher Joghurt, fasste Prof. Kekow zusammen. Ernährungsberater der Kliniken oder Krankenkassen helfen bei der Zusammenstellung der Ernährungstipps.

Begleitend durch das seriöse wie unterhaltsame Programm führte der Magdeburger Moderator Peter K. Kayser.