Palm Springs (dpa) - Wenige Menschen werden 103 Jahre alt, noch weniger schreiben in diesem Alter Bücher. Der amerikanische Bestseller-Autor Herman Wouk ruht sich nicht auf seinen Erfolgen aus.

Er arbeitet an seinem nächsten Buch, wie seine Literaturagentin Nubia McGraw der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mitteilte.

Den 103. Geburtstag am 27. Mai wolle der dreifache Vater in seinem langjährigen Wohnort Palm Springs in Kalifornien im Kreise seiner Familie verbringen. Er sei ein sehr privater Mensch, erklärte McGraw. Interviews gebe er derzeit keine. Er möchte beim Schreiben nicht gestört werden.

Kurz vor seinem 101. Geburtstag hatte Wouk im dpa-Interview erzählt, dass Schreiben immer noch seine Leidenschaft sei. Was treibt ihn in diesem Alter an? "Ganz einfach", erklärte der Autor damals: "Etwas zum Schreiben zu haben."

Vor mehr als 65 Jahren verfasste er mit "Die Caine war ihr Schicksal" einen der berühmtesten Romane über den Zweiten Weltkrieg. Als Hundertjähriger brachte Wouk 2016 seine Memoiren mit dem Titel "Sailor and Fiddler: Reflections of a 100-Year-Old Author" aus. Darin erzählt er unter anderem von seiner Kindheit in der New Yorker Bronx, seiner Vorliebe für die Schriftsteller Mark Twain und Alexandre Dumas sowie über den großen Einfluss seines jüdischen Glaubens auf seine Werke.

Nach dem Studium an der Columbia University bestritt der Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland seinen Lebensunterhalt zunächst als Witzeschreiber. Er dachte sich Texte für den Radiokomiker Fred Allen aus. Der Zweite Weltkrieg änderte sein Leben. Ab 1942 diente Wouk in der US-Navy an Bord eines Minensuchzerstörers im Pazifik. Auf See schrieb er auch seinen ersten Roman, "Aurora Dawn", der 1947 einen Verleger fand. Die Erlebnisse in der Kriegsmarine hätten sein literarisches Werk "entscheidend" geprägt, sagte Wouk der dpa.

In den 50er Jahren brachte er seine Kriegserfahrungen in dem Roman "Die Caine war ihr Schicksal" zu Papier. Das mit dem Pulitzer-Preis gekrönte Werk wurde weltweit millionenfach verkauft, die Bühnenfassung am Broadway unter der Regie von Charles Laughton war ein internationaler Erfolg, ebenso die Verfilmung mit Humphrey Bogart in der Rolle des neurotischen Kapitäns Queeg auf dem Minensuchboot Caine. Auch "Marjorie Morningstar", über ein jüdisches Mädchen im New York der 30er Jahre, war in den 50ern ein Bestseller.

Nach jahrelangen Recherchen in Deutschland, England, Italien, Frankreich, Polen, Israel und der damaligen Sowjetunion meldete sich Wouk in den 70er Jahren mit zwei Monumentalwerken zurück. Mit "The Winds of War" (dt. Der Feuersturm) und der Fortsetzung "War and Remembrance" (Feuersturm und Asche) arbeitet er die Geschichte des Zweiten Weltkriegs zu einem amerikanischen Epos auf. Beide Bestseller wurden mit Millionenaufwand zu erfolgreichen, in vielen Ländern gesendeten Fernsehserien verarbeitet.

Das Kriegsgeschehen und den Holocaust aufzuschreiben, sei seine "Hauptaufgabe" gewesen, sagte Wouk im vorigen Juli in einem Interview des US-Senders CBS. Den Lesern Geschichte zu vermitteln, sei ihm "verdammt" wichtig gewesen. Mit 102 Jahren saß der weißbärtige Autor bei dem Interview im Rollstuhl, wirkte aber gewitzt und schlagfertig.

Seine Frau Sarah sei der Schlüssel für seinen Erfolg gewesen, sagte Wouk und zeigte dabei auf ein Porträt seiner langjährigen Literaturagentin und Partnerin. In ihrem gemeinsamen Haus in Palm Springs war sie 2011 nach 66 Jahren Ehe gestorben.

In den 80er Jahren war das Ehepaar aus New York in die kalifornische Wüstenstadt gezogen. Dort kauften sie eine Villa, die einst der Schauspielerin Natalie Wood gehörte, die in der Verfilmung von Wouks Roman "Marjorie Morningstar" die Hauptrolle spielte. Das von Palmen und Kakteen umgebene Haus - mit Pool und neun Schlafzimmern - stand im Januar für knapp 2,5 Millionen Dollar zum Verkauf.

Wouk hänge sehr an dem Haus, sagte der Makler Ernie Carswell der Luxus-Immobilien-Plattform "Mansion Global". "Das ist sein Zufluchtsort". Doch mit 102 Jahren wollte sich der Schriftsteller in Palm Springs verkleinern.

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