Leitzkau l Bei dem Namen Bora Dagtekin klingelt vielleicht nur bei Wenigen etwas, aber bei dem Titel „Fack ju Göhte“, dürfte die Mehrheit einen Aha-Effekt haben. Der zweite Teil des Erfolgsfilms ist gerade in den Kinos angelaufen. Über die deutsche Komödie lacht ganz Deutschland.

Bora Dagtekin ist der Regisseur beider Filme. Und erst neulich drehte er in Leitzkau! Nicht für „Fack ju Göhte“, sondern im Auftrag eines großen deutschen Kommunikationsunternehmens.

Das Schloss Leitzkau ist, nachdem es Filmstar mit „Die Päpstin“ wurde, nämlich unter die Werbestars gegangen. War der Dreh Anfang August noch ganz geheim, flackert der Spot mittlerweile im Abendprogramm im TV, und ganz Deutschland sieht zumindest in kurzen Sequenzen das Schloss Leitzkau. Angelegt ist der Spot in einer Geschichte über eine erdachte Familie. Mehrere Teile sind dazu im Internet zu finden. In Teil 10, wo es auf Klassenfahrt ins Elbsandsteingebirge geht, ist das Leitzkauer Schloss als Schullandheim mit von der Partie.

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Elbsandsteingebirge? Gut, Leitzkau liegt zwar hoch, ist aber trotzdem sehr weit vom Elbsandsteingebirge entfernt. „Es war ein Zufall und gleichzeitig auch ein riesen Glück, dass wir letztlich in Leitzkau gedreht haben“, sagt David Besecke. Der Produktionsleiter hatte viele Schlösser und andere Objekte in der sächsischen Schweiz gesichtet, aber dann gab es Schwierigkeiten mit der Fluggenehmigung. Denn auch ein Helikopter kommt in dem Spot zum Einsatz.

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„Der Pilot gab uns dann den Tipp, in Sachsen-Anhalt zu schauen, denn da liefe es einfacher ab“, erzählt Besecke.

Die Internetrecherche brachte ihn dann auf Leitzkau. Der gebürtige Dessauer und jetzt Wahl-Berliner rief dann seinen Bruder in der Heimat an, bat ihn, sich das noch einmal genauer anzuschauen und Fotos zu schicken. „Schon die Fotos begeisterten das Team, aber als wir dann wirklich noch einmal selbst vor Ort waren, fanden wir es hundert Mal besser als alles, was wir uns in Sachsen angeschaut hatten. Wir hatten zwei Ansichten bei dem Schloss, und um die Drehortdichte zu gewährleisten, kamen dann noch der Kemenatensaal und die Basilika dazu. Das war alles super“, erzählt er noch immer begeistert.

Richtig ins Schwärmen kommt er, wenn es um die Zusammenarbeit vor Ort ging. Stiftung wie auch Förderkreis seien sehr freundlich und umgänglich gewesen. „Die eine Dame hatte sehr lange auf uns gewartet und uns dann noch aufgeschlossen. Alles total unproblematisch. Ein riesiger Dank an der Stelle noch einmal. Schon allein deshalb würde ich hier gerne noch einmal was machen“, sagt Besecke.

Auch für die Leute vor Ort war es ein tolles Ereignis. Erst begann es noch fast sachte mit fünf, sechs Leuten, die die Begehung vor dem Dreh machten und „völlig begeistert waren“. Doch als dann am 4. und 5. August die Drehtage begannen, wimmelte es plötzlich nur so um und auf dem Schloss. Große Scheinwerfer wurden da aufgebaut, die Basilika zu einem Museum umgebaut, im Kemenatensaal wurden Doppelstockbetten aufgebaut, überall waren Kabel, und über 100 Menschen bevölkerten auf einmal das Schloss in Leitzkau.

„Das war mal eine völlig andere Situation für uns“, sagt Viola Handke vom Förderkreis Leitzkau. „Einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können, war schon spannend. Auch wie oft eine kleine Szene gedreht wird. Bestimmt 20 Mal. Oder wie die Betten, die noch neu waren, dann angestrichen wurden, damit sie gebraucht aussehen. Und das, wo das nur so kurz sichtbar ist. Alles sehr interessant“, erzählt sie. „Es waren alle sehr nett und haben auch sehr darauf geachtet, alles wieder ordentlich zu hinterlassen“, lobt sie.

Die Stiftung Dome und Schlösser Sachsen-Anhalt hatte den Nutzungsvertrag mit der Produktionsfirma Markenfilm Crossing GmbH gemacht. Für die Stiftung ist das kein neues Terrain, was damit eröffnet wurde. Die Objekte der Stiftung werden häufiger als Drehorte angefragt – und das, obwohl sie nirgends als offizielle Drehorte auf einschlägigen Websites gelistet sind. Auch gerade wird wieder gedreht, dieses Mal im Kloster Michaelstein bei Blankenburg für die Serie „Alles Klara“.

Doch das ist noch Zukunftsmusik für Szenen aus Sachsen-Anhalt im Fernsehen. Vorerst ist Leitzkau zu bewundern.