Salzwedel/Biederitz l Wer hätte das gedacht: Moritz Schanz ist tatsächlich aufgeregt, als er vergangenen Donnerstag in Salzwedel im Tonstudio von Aktion Musik bei Michael „Elvis“ Schulze zu Gast ist. Dabei stand Môrre, so sein Künstlername, Anfang November während des local heroes-Bundesfinals noch vor knapp 1500 Zuschauern im Salzwedeler Kulturhaus auf der Bühne. Von Nervosität war da keine Spur. Aber Auftritt und Aufnahmen sind nun mal zwei verschiedene Paar Schuhe.

Umso mehr, weil Morrê in seinem Künstlerleben noch nie professionell einen Song aufgenommen hat. „Das ist mein erstes Mal im Studio. Da muss man sich dran gewöhnen“, sagt der Biederitzer, der mittlerweile in Berlin studiert. Die finalen Aufnahmen werden im April stattfinden, heute werden die Rahmenbedingungen abgestimmt.

Möglich gemacht hat diese vollkommen neue Erfahrung der Sieg beim local heroes-Unplugged-Wettbewerb. „Die Idee dahinter ist, Künstlern eine Chance zu geben, die nicht mit einer großen Band auftreten. In diesem Fall erhält Moritz die Möglichkeit, einen Song im Tonstudio von Aktion Musik aufzunehmen“, erklärt Julia Wartmann vom local heroes-Verein. Ausgewählt hat Moritz Schanz die Klavier-Ballade „Hört ein Lied“, frisch geschrieben für das Bundesfinale. „Im Vorfeld des Auftritts war ich sehr produktiv, hatte viele Ideen. Danach bin ich in eine Down-Phase gekommen und habe mich nicht mehr so viel mit Musik beschäftigt. Jetzt kriege ich langsam wieder Lust“, erzählt der 18-Jährige. Erst der Abstand habe es ihm ermöglicht, neue Kraft zu tanken.

Im Studio geht es zunächst darum, die richtige Chemie zwischen Künstler und Produzent herzustellen. Dies scheint jedoch das geringste Problem zu sein. Obwohl sie sich erst seit knapp zehn Minuten kennen, sprechen Moritz Schanz und Michael „Elvis“ Schulze offensichtlich die gleiche musikalische Sprache. „Ich schätze an Moritz, dass in seiner Musik sehr viel Herzblut steckt. Die Lieder kommen wirklich von innen“, sagt der Produzent.

Den beiden schießen in Hinblick auf die Produktion des Songs die selben Ideen durch den Kopf. „Lustigerweise haben wir beide daran gedacht, irgendwie einen Kontrabass einzubauen. Jetzt überlegen wir, ob wir den Song mit künstlichen Drums unterlegen oder richtige einspielen. Die Tendenz geht zum richtigen Schlagzeug“, erzählt Michael Schulze. Eventuell wird dem Stück damit eine jazzige Note verpasst.

Ansonsten möchte der Produzent den eher sensiblen Song nicht zu sehr aufblähen: „Ich denke nicht, dass es sinnvoll wäre, ihn zu voll zu packen. Sonst könnte er seinen ursprünglichen Charakter verlieren.“

Michael Schulze umschreibt damit ein Problem, das Moritz Schanz schon seit längerer Zeit umtreibt: In welche Richtung soll seine Musik generell gehen? „Ich will meine eigenen künstlerischen Ansprüche verwirklichen. Andererseits könnte das dazu führen, dass ich weniger Leute erreiche. Vielleicht ist deshalb ein wenig mehr Pop-Appeal nötig. Ich sehe mich jedoch nicht als klassischen Pop-Musiker“, sagt der Sänger.

Wahrscheinlich ist es zu früh, ein Urteil zu fällen. Die richtigen Aufnahme-Sessions stehen erst vor der Tür. Bis dahin sind wichtige Entscheidungen zu treffen: Die Musiker müssen eingeladen und das Konzept verfeinert werden. Doch sind die Beteiligten nach dem ersten Treffen optimistisch, auf dem richtigen Weg zu sein. Am 1. April wird es dann ernst. Zudem soll auch ein Video entstehen.