Loburg l Einer der Gäste fragte lieber noch einmal nach, nachdem Ortschef Wünschmann die Idee in einer Einwohnerveranstaltung im Barby-Café öffentlich vorgestellt hatte: „Es geht um das Loburger Rathaus?“ Ja, genau darum geht es. Nach Einschätzung von Ortsbürgermeister Wünschmann sei es ohnehin nur noch eine Frage der Zeit, bis die gesamte Verwaltung der Einheitsgemeinde in Möckern konzentriert werde: „Ich kann dies gut verstehen, es bringt für die Verwaltung Einsparungen. Die Überlegungen dazu sind schon weit fortgeschritten.“

Man müsse daher überlegen, wie und von wem das Rathaus Loburg weiter genutzt werden könnte, damit es nicht leer stehe. Es gebe derzeit mit dem neuen STARK-V-Förderprogramm die Möglichkeit, einen Rathaus-Umbau mit 100-prozentiger Förderung zu bewerkstelligen, erklärte Bernd Wünschmann. Dies würde bedeuten, dass bis zum Jahr 2018 im rechten Anbau und Innenhof des Rathauses geeignete Räumlichkeiten entstehen könnten. Laut Angaben aus der Stadtverwaltung entspricht die Fläche des Anbaus samt Innenhof mit 311 Quadratmetern etwa dem Saal des Lindauer Kulturhauses samt Bühne.

Das STARK-V-Programm stellt finanzschwachen Kommunen wie Möckern in Aussicht, Baumaßnahmen im Sanierungsgebiet mit 100 Prozent zu fördern. Damit wäre der Rathaus-Umbau zu stemmen. Die Konsequenz: Das Bau- und Ordnungsamt zöge aus. Es bestünde aber die Möglichkeit, einen Bürgerservice, das Standesamt, die Ortsbibliothek und das Büro des Ortsbürgermeisters zu erhalten, so Bernd Wünschmann.

„Katastrophe“

Bei der Einwohnerversammlung am Freitag fand sich kaum jemand, der sich positiv zu dem Vorschlag äußerte. Eine spontane Abstimmung im fast vollbesetzten Cafe ergab, dass nahezu alle Anwesenden gegen eine Umnutzung des Rathauses sind. Von „Entweihung“ und „Katastrophe“ war bei einigen die Rede. Schon sind Flugblätter im Ort zu finden, überschrieben mit: „Erst die Schule, jetzt das Rathaus und die Verwaltung“.

BCU-Mitglied Andreas Vogler erinnerte daran, dass der Erhalt des Loburger Rathauses im Eingemeindungsvertrag stehe: „Wir schneiden uns ins eigene Fleisch, wenn wir unseren Verwaltungssitz freiwillig aufgeben.“ Parteifreund Hermann-Holger Kerl empfahl, über die Zukunft des Rathauses erst zu entscheiden, wenn die Verwaltung tatsächlich einmal ausgezogen ist. Schriftlich habe man so einen beabsichtigten Umzug des Amtes bisher nicht, bestätigte Wünschmann auf Nachfrage.

Andere zweifelten, dass sich das Dorfgemeinschaftshaus wirtschaftlich tragen würde und wollten wissen, ob sich die Vereine der Stadt die Anmietung des Hauses leisten könnten. Als Alternativen für eine Versammlungsstätte wurden die Grundschulturnhalle, die neue Sporthalle am Markt und die Loburger Burg genannt.

Es stelle sich die Frage, ob Loburg so ein Dorfgemeinschaftshaus überhaupt brauche, so Ulrich von Wulffen. Seine Ehefrau ergänzte: „Wir brechen uns keine Zacken aus der Krone, wenn wir zum Feiern nach Lübars fahren. Andere sagten: „Wir haben im Ort ein Busunternehmen, da brauchen wir kein Bürgerhaus.“ Bisher fanden große Veranstaltungen der Vereine oder Feuerwehr in Lindau, Isterbies, Schweinitz oder Lübars statt.

Bernd Wünschmann, der sich zu dem Rathaus-Umbau bekennt, erinnerte, dass es seit Schließung der Sekundarschule Loburg keine Räumlichkeiten im Ort gibt, die für größere Veranstaltungen wie den Neujahrsempfang, Karnevalsveranstaltungen oder die sachsen-anhaltischen Storchentage geeignet seien: „Die Möglichkeit mit dem geförderten Rathausumbau bietet sich nur jetzt. Ich will Loburg nicht verkaufen, mir aber auch nachher nichts vorwerfen lassen.“ Der Ortsbürgermeister hatte in der Vergangenheit auch die Idee, die alte Diskothek an der „Kesselspringe“ zu einer Versammlungsstätte umzubauen.

Nicht repräsentativ

Für Wünschmann ist der Stimmungstest vom Freitagabend nicht repräsentativ: „Es waren heute vor allem die Gegner da“, sagte er nach der Versammlung. Heute Abend soll der Loburger Ortschaftsrat sich zum Vorhaben positionieren. Die Stadt Möckern hatte erklärt, eine Rückmeldung bis zum 30. April sei wünschenswert, wenn weiter geprüft werden soll, ob das Vorhaben „Rathausumbau“ umgesetzt werden kann. Über die Verwendung der erwähnten STARK-V-Gelder wird letztlich im Bauausschuss beraten und im Stadtrat von Möckern entschieden. Es gibt auch andere Möglichkeiten, die in Aussicht gestellten knapp zwei Millionen Euro zu nutzen. Etwa für ein neues Straßenbeleuchtungskonzept in der Stadt auf LED-Basis.

 

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