Burg l Diese Minuten werden René Breitenbach und seine Lebensgefährtin Yvonne Knerr so schnell nicht vergessen. Bislang haben die Blumenthaler nur im Fernsehen oder in den Zeitungen die blutrünstigen Bilder gesehen, wenn Wölfe ihren Hunger inmitten einer Schafherde stillen wollten; am Sonnabend nun wurden sie selbst unvermittelt geschockt. Am Vormittag fährt René Breitenbach hinaus zu den Elbwiesen, um nach dem Rechten zu schauen. Alles schien zunächst in Ordnung zu sein, bis er auf ein totes Schaf stößt. „Weil das Tier auch schwarze Wolle hat, war nicht sofort zu sehen, dass vielleicht auch hier der Wolf gewütet hat“, sagt er der Volksstimme.

 Doch kurze Zeit später verändert ein Blick auf die weitläufige Wiesenlandschaft die Stimmungslage abrupt: Breitenbach findet ein weiteres Schaf. Diesmal blutverschmiert. Und dann noch eins und noch eins ... Insgesamt acht Tiere wurden Opfer dieses Angriffs. „Wir können es immer noch nicht fassen. Vor allem aber müssen wir nun damit rechnen, dass sich solche Vorfälle wiederholen. Und letztlich hängt ja auch unsere Existenz dran“, sagen die Halter.

Elbseite nicht umzäunt

Mit einer Entschädigung kann Yvonne Knerr, die den landwirtschaftlichen Betrieb mit 100 Muttertieren und 60 Lämmern führt, höchstwahrscheinlich nicht rechnen und wird auf rund 1600 Euro sitzenbleiben. Denn die Seite zur Elbe sei nicht umzäunt gewesen. „Wir haben es gut gemeint, damit auch dieser Bereich und die Buhnenköpfe sauber gehalten werden und die Angler vernünftige Stellen vorfinden“, sagt Breitenbach. Aber selbst wenn auch diese Seite geschlossen wäre, hätten Wölfe wenig Mühe, einen 90 Zentimeter hohen Zaun zu überspringen oder sich durchzubuddeln. Ohnehin ist bekannt, dass Wölfe nicht so schnell aufgeben und Gewässer durchschwimmen.

Alle Indizien sprechen dafür, dass es sich tatsächlich um Wölfe gehandelt hat. Ein Mitarbeiter des zuständigen Kompetenzzentrums Iden (Landkreis Stendal) hätte DNA-Proben genommen. In etwa zwei Wochen soll endgültig Klarheit herrschen. „Die typischen Merkmale, wie Kehlbiss oder zerschundene Keulen, sind aber eindeutig“, so Breitenbach. Auch ein auf Wolfsrisse geschulter Jäger, dem die Volksstimme gestern die Fotos zur Verfügung stellte, geht mit „sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ von einem Wolfsangriff aus.

Politik ist gefordert

Unterdessen fordern die Jägerschaften in Burg und Genthin seit Jahren eine klare Strategie im Umgang mit dem Wolf. „Die Politik ist gefordert, Regeln für unseren dicht besiedelten Raum zu schaffen“, sagt beispielsweise der angrenzende Jagdpächter im Bereich Blumenthal, Dr. Hans-Horst Borg. Es gehe nicht um die Ausrottung des Wolfes, aber um ein Konzept, „wie in den kommenden Jahren mit der zunehmenden Zahl von Wölfen und möglichst unbürokratischen Entschädigungen verfahren wird. Das darf nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden.“

René Breitenbach und Yvonne Knerr haben jetzt einen neuen Weidezaun vom Kompetenzzentrum erhalten und werden nun die Herde vollständig einzäunen. Ob das hilft, bleibt offen. Die Schafzüchter sind tief besorgt: „Es muss etwas passieren.“