Burg/Genthin/Gommern l Es gibt sicherlich schickere, aber keine effektiveren als die weißen FFP2-Masken. Sie schützen nicht nur die Umgebung vor dem Coronavirus, sondern auch den Träger selbst. Seit einer Woche können sich alle über 60-Jährigen kostenlos drei Stück in einer Apotheke abholen. Das hatte die Bundesregierung beschlossen. Dieses Geschenk führte zu einem Ansturm auf die Apotheken, auch im Jerichower Land.

Die Ankündigung hatte die Apotheker kalt erwischt, schnelles Handeln war gefordert, aber den einen oder anderen Engpass gab es doch. „Es war wirklich sehr kurzfristig, aber wir haben dann schnell bestellt“, sagte Diana Rose von der Burger Roland-Apotheke. Ungefähr 5000 Masken seien in den vergangenen Tagen unter die Menschen gebracht worden, teilweise wortwörtlich. „Wenn sich draußen lange Schlangen gebildet hatten, haben wir die Wartenden angesprochen, und gefragt, wer nur Masken abholen will“, schilderte sie. Es sei eine sehr hektische Phase gewesen, das habe allerdings auch das Gemeinschaftsgefühl der Mitarbeiter gestärkt.

Kein Unterschied bei der Kundschaft

Eine separate Ausgabe durchs Fenster hatte die Sonnen-Apotheke in Genthin geschaffen, um den regulären Betrieb nicht zu sehr zu stören. Allein 250 Patienten seien es am ersten Tag gewesen, erzählte Inhaberin Ulrike Rasch. „Der Ansturm war groß, in langen Schlangen hat die Wartezeit über eine Stunde betragen“, zählte sie auf. Die Hauptlieferung der Masken hatte am Dienstagmorgen noch ausgestanden. So hoffte sie, dass die Ware noch vor Weihnachten eintrifft, um bis zum Jahresende die Versorgung gewährleisten können. Um die Bevölkerung mit Masken ausstatten zu können, verzichtet sie sogar auf ihren Urlaub zwischen Weihnachten und Neujahr.

„Bei uns herrscht immer noch ein Ansturm“, sagte Stefanie Requardt von der Süd-Apotheke in Burg. Über 5000 Masken seien bereits verteilt worden. Zwischenzeitlich habe es Lieferschwierigkeiten gegeben, auch derzeit sehe es beim Großhändler schlecht aus. Zwar seien die Preise nicht so explodiert wie im Frühling, aber das nutze derzeit nichts.

Von einer hohen Nachfrage sprach auch Karin Becker, Inhaberin der Ein-Apotheke in Genthin. Dort werden die Masken in einer separaten Ecke an die über 60-Jährigen und chronisch Kranken abgegeben. Auch Frauen mit einer Risikoschwangerschaft haben ein Anrecht auf die kostenlosen Masken. „Alles wird mit dem vorhandenen Personal versucht zu bewältigen, was ziemlich schwierig ist und eine enorme Belastung für alle Mitarbeiter bedeutet“, sagte sie. In den ersten Tagen sei das Pensum kaum zu schaffen gewesen, fast alle Kunden hätten gleich versorgt werden können, es komme auch regelmäßig Nachschub. Bei der Ausgabe werde kein Unterschied zwischen Stammkunden und Laufkundschaft gemacht.

Entschuldigung vom Apotheker

Das zu betonen, war auch Kerstin Grossehelweg von der Neuen Flora-Apotheke in Burg wichtig. „Wir sind doch für alle da, und alle haben den gleichen Anspruch, da wäre es doch ungerecht zu trennen“, sagte sie. Der Zulauf sei sehr groß gewesen, auch in dieser Apotheke habe es zwischenzeitlich Engpässe gegeben, aber mittlerweile seien „noch jede Menge“ Masken vorrätig.

Da dies aber eben nicht zu jeder Zeit so war, hat sich Frank Zacharias, Inhaber der Schlossapotheke in Gommern, mit einem Schreiben an die Volksstimme gewandt. „Ich möchte mich für die Geduld und das Verständnis der Kunden bedanken, dass es bei der Abgabe zu Wartezeiten kam. Ich möchte um Entschuldigung und Verständnis dafür bitten, dass wir nicht alle Kunden gleich an den ersten beiden Tagen versorgen konnten“, heißt es darin unter anderem. Die Beschaffung und Abgabe derartig vieler Masken innerhalb weniger Tage sei immer noch eine große Herausforderung. „Ich denke, dass ich hier stellvertretend im Namen aller Apothekerinnen und Apotheker spreche“, so Frank Zacharias.

Mit dem nächsten großen Zulauf rechnen die Apotheken für den Januar. Dann verschicken die Krankenkassen zwei Coupons für jeweils sechs Masken an die Risikogruppen. Pro Coupon wird der Eigenanteil zwei Euro betragen.