Genthin l Farbige Wolken in lila und blau, mittendrin ihr Name, umrankt von zwei Blumen: Emily lernt in der vierten Klasse Aquarellmalerei – im Workshop „Kinderkunst mit Artiane – Aquarellmalerei. „Wir machen erst eine Skizze in unserem Skizzenbuch“, erklärt die Schülerin. Und dann folgen Strich für Strich die weichen Farbverläufe. „Das Skizzenbuch hat jedes der 18 Kinder am Anfang des Kurses bekommen“, erklärt Sophie Kelm, Schulsozialarbeiterin an der Grundschule Stadtmitte Genthin. „Damit wollen wir den Fortschritt der Kinder sehen im Laufe des Kurses.“

Die Pädagogin betreut seit 2015 die Schulkinder an der Grundschule Stadtmitte Genthin. Im Schuljahr 2016/2017 startete sie das Projekt „Kulturelle Bildung“. Auftaktveranstaltung war die Kinder- oper „Knall & Schmunzel“, aufgeführt und gesungen vom Kinderoper-Ensemble „Bravissimo“. Danach hieß es für die Schüler dann selbst: Vorhang auf! – beim Mitmachkonzert „Lieder und Geschichten aus der Murkelei“.

Für das Schuljahr 2018/2019 hat sie unter anderem vier Workshops organisiert: „Aquarellmalerei mit Artiane“, „Kopf und Bauch – das will ich auch! Trommeln mit Herz und Verstand“, „Jeder kann tanzen“ und „Theaterspiel“.

Fördern

Im Aquarellkurs malen die Schüler unter der Anleitung von Ariane Vogt, einer Künstlerin, die aus Burg stammt und zeitweise in einem Atelier nahe der Elbe arbeitet. „Uns ist es auch wichtig, für die Workshops mit Akteuren aus der Umgebung zu kooperieren“, betont Sophie Kelm.

Mittlerweile sind noch acht Kinder im Kurs. „Bei diesem Workshop wollten wir den Fokus komplett auf einzelne Talentförderung legen“, erklärt Kelm. Das habe die Grundschule Stadtmitte Genthin bisher noch nie gemacht – ein Pilotprojekt, um kleine künstlerische Talente ganz gezielt zu fördern.

Deshalb sind einige der Kinder mittlerweile in anderen Workshops untergekommen. Dazu gehört auch Chayenne. Die Viertklässlerin spielt unter der Leitung von Sophie Kelm Theater. „Meine Freundinnen fanden das toll, deshalb bin ich jetzt auch dabei“, erzählt Chayenne.

Für Sophie Kelm war Theater schon in ihrer eigenen Schulzeit ein Hobby. Diese Begeisterung gibt sie an ihre Schüler weiter. „Die Kinder lernen, sich völlig neu zu entfalten“, so die 25-Jährige, die seit 2015 Ansprechpartnerin für Kinder und Lehrer an der Genthiner Schule ist.

Das unterstützt auch Schulleiter Ingo Doßmann. „Kulturelle Bildung erweitert den persönlichen Horizont der Kinder“, so der 55-Jährige. Für Doßmann ist die Schulsozialarbeit ein fester Teil der pädagogischen Arbeit. „Zunächst hilft sie, den Schulerfolg der Schüler zu sichern“, so der 55-Jährige. Von Konzentrationstraining bis Einzelstunden unterstütze die Schulsozialarbeiterin Sophie Kelm die Grundschüler beim Lernen.

Das wiederum, so Doßmann, entlastet die Lehrer sowohl zeitlich als auch inhaltlich. „Eine Schulsozialarbeiterin kann so noch einmal ganz anders auf Schüler eingehen.“

Und das klappt auch mit Farbe und Kostümen, wie in Kelms Theaterworkshop. Die fünf Kurs-Kinder wie Chayenne üben abwechselnd jede Woche ihre Strophe und basteln dann die folgende Woche wieder an ihrem Kostüm. „Ich spiele einen Vogel“, erklärt Chayenne ganz stolz.

In der Vorweihnachtszeit führen die jungen Schauspieler ihr Stück dann für die anderen Kinder auf. „Die Wertschätzung durch die Mitschüler ist wichtig“, so Sophie Kelm.

Neben den Workshops soll es in jedem Jahr für alle Schüler der Grundschule ein gemeinsames kulturelles Projekt geben. „Dieses Jahr hatten wir ein Trommelprojekt“, erzählt Kelm.

Trommelmusical

Jeden Morgen trommelten sich alle Schüler vor dem Unterricht erst einmal gemeinsam warm. Danach musizierten jeweils die einzelnen Gruppen mit Namen wie Elefanten oder Krokodile, der Rest ging in den Unterricht. Am Ende führten die Kinder ihr „Trommelmusical“ im Stadtkulturhaus Genthin auf.

„Die Workshops stärken das Wir-Gefühl der Schüler untereinander“, erklärt Sophie Kelm einen der Ansätze hinter ihrer kulturellen Bildungsarbeit. Daran schließt sich auch Schulleiter Ingo Doßmann an. „Durch diese Workshops und Projekte können die Kinder auch nach der Schule mit ihrer Freizeit etwas anfangen“, so der 55-Jährige.

Und bei den Projekten rund um kulturelle Bildung hört Sophie Kelms Arbeit auch nicht auf. „Auch die Eltern der Grundschüler werden durch Schulsozialarbeit unterstützt“, erklärt Doßmann. Jemanden zu haben, der wie Sophie Kelm die Eltern zu Ämtern und Ärzten begleitet, helfe im ersten Schritt den Erziehungsberechtigten und damit auch den Schulkindern.

Wenn diese lieber Sport statt Musik wollen? Auch kein Problem. Parallel biete die Schule auch Kurse wie Handball an. Trotzdem sei eben auch das Kulturelle wichtig für die Schüler, betont Sophie Kelm. „Wenn ich sehe, wie die Kinder sich auf der Bühne immer mehr trauen, bin ich richtig stolz.“