Loburg l Der musikalische Leiter des Projektchores, Thorsten Fabrizi, war nach dem zweiten Konzert voll des Lobes: „Der Chor ist stellenweise über sich hinausgewachsen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis.“ Angesichts des vorangegangenen Auftritts in einer ziemlich aufgewärmten Turnhalle in Wollin hätte man fürchten können, dass die gut 100 Sänger und Musiker beim zweiten Auftritt in St. Laurentius Loburg nicht mehr alles geben könnten. Doch die Sorge war unbegründet. Thorsten Fabrizi konnte sowohl die Mitglieder des Projektchores als auch die Instrumentalisten zu Höchstleistungen animieren. Neben dem Projektchor des Kirchenkreises Elbe-Fläming waren der Georg-Philipp-Telemann-Chor aus Magdeburg, das Ensemble „Camerata Hallensis“ sowie die Gesangssolisten Henriette Schein (Sopran), Hanna Hagel (Alt), Jacob Kressin (Tenor) und Juan Villanueva (Bass) zu erleben. Die Loburger Kantorin Thekla Schönfeld spielte die Orgel.

Informative Einführung zum Thema

Vollbesetzt war die Loburger Kirche. Bei bestem Frühlingswetter hatten zahlreiche Gäste zuvor im benachbarten Barby-Biergarten geklönt.

Im Gotteshaus gab es vor dem Konzert noch eine sehr informative Einführung. Der Loburger evangelische Pfarrer Georg Struz erläuterte Herkunft und den klassischen Aufbau solcher musikalischen Eucharistiefeiern: „Messen als Gattung musikalischer Komposition sind nichts anderes die als Vertonung der Messliturgie. Schon in der Apostelgeschichte ist nachzulesen, dass sich die ersten Christen gemäß der Weisung Jesu zur Feier des Abendmahls trafen“, so Struz.

Der Name „Messe“ stamme von dem letzten im Gottesdienst an die Gemeinde gerichteten Satz: „Ite, missa est“, was bedeutet: „Gehet hin, ihr seid gesandt.“ Heute hieße es: „Gehet hin in Frieden“.

Freunde dieser musikalischen Gattung genießen heutzutage vor allem den kompositorisch-musikalischen Kunstaspekt. Ursprünglich aber wurden solche Messen hauptsächlich in Rahmen der Gottesdienste aufgeführt, erinnert Georg Struz. allerdings mit einem gewissen Problem: „Bis zu dem II. Vatikanischen Konzil in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war die offizielle Sprache der Liturgie in der katholischen Kirche Latein. Wer kein Latein konnte, verstand nur wenig von dem, was im Gottesdienst an liturgischen Gebeten gesprochen wurde. Der Priester las die Messe mit dem Rücken zum Volk gewandt. Von einer gemeinsamen Feier war da wenig zu spüren.“

Von Sammlung über Vergebung bis Freude

Struz erläuterte die durchdachte Dramaturgie solcher Messen: „Am Anfang steht das Ankommen, das Sich-Sammeln, im Mittelpunkt. Im Ruf ‚Kyrie Eleison‘ bittet man um Vergebung, um dann im Gesang ‚Gloria in excelsis Deo‘ die Freude über Gottes Erbarmen zum Ausdruck zu bringen. Das Glaubensbekenntnis, das ‚Credo in unum Deum‘, gehört bis heute fest zu jedem Gottesdienst und soll Auskunft über den eigenen Glauben geben.“

Weil der Gottesdienst immer als Mahlfeier konzipiert war, gehörten auch die Anbetung, der „Sanctus-Gesang“, oder das „Agnus Dei“ als Ruf zum Brechen des Brotes dazu.

Gewidmet der Gattin des Kaisers Franz I.

Viele Komponisten vertonten diese Liturgie. So auch Joseph Haydn. Der österreichische Komponist komponierte seine „Theresienmesse“ 1799 zur Zeit der Wiener Klassik. Den Beinamen erhielt die Messe, weil Haydn das Werk der Frau des letzten Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Franz I., widmete.

Zu früheren Zeiten sei es keine Seltenheit gewesen, wenn solche Gottesdienste mit Predigt und Abendmahl mehrere Stunden dauerten, erklärte Pfarrer Georg Struz. In Loburg dauerte es am Sonntagabend aber nicht ganz so lange. Nach gut anderthalb Stunden gab es viel Applaus für die Aufführenden, die gerne noch eine kleine Zugabe zum Besten gaben.

Für den Sonnabend, 28. April, ist ein letztes Konzert der „Theresienmesse“ in der Pauluskirche in Magdeburg geplant. Beginn dort ist um 17 Uhr.

Ideen für ein Chorprojekt im Jahr 2019 hat Thorsten Fabrizi schon. „Spannende Geschichten“, erklärt er auf Nachfrage. Verraten will er zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nichts.

Doch er wird sich rechtzeitig melden, wenn erneut ambitionierte Sängerinnen und Sänger aus dem ganzen Kirchenkreis Elbe-Fläming zum Mitsingen aufgefordert sind.