Weihnacht

Christbaumtaxi mitten im Wald

Dutzende Familien aus dem Jerichower Land und Magdeburg waren beim Christbaumschlagen im Bundesforst bei Schweinitz.

Von Falk Heidel

Schweinitz/Burg l Zwei Meter groß ist die stattliche Küstentanne. Helene Köhler hält sie fest wie einen Pokal vom Sport. Natürlich hat Papa Stefan beim Aussuchen geholfen. Und beim Baumfällen erst recht. Mit Mutti Mareen steht die Familie aus Burg mitten im Wald und packt sich den Weihnachtsbaum ins Auto. Ganz offiziell natürlich: Der Bundesforst um seinen Direktor Rainer Aumann bietet jedes Jahr im Dezember ein Weihnachtsbaumschlagen an. Der Bedarf ist da. Am Sonntag kamen mehr als 250 Leute in ein Waldstück bei Schweinitz am Oberförster-Günther-Hahn-Weg am Rande des Truppenübungsplatzes Altengrabow.

„Frischer geht nicht“, sagt Stefan Köhler. Sämtliche Baumabholer hatten Säge oder Axt dabei, durften sich im Waldstück ihren Christbaum aussuchen und von Klaus Puffer (unterstützt von Sohn Till) in ein Netz packen lassen. Das 1,50 Meter große Bäumchen von Johannes Schulze aus Genthin kostete zehn Euro.

Mit seinem Bruder Daniel hat er die Küstentanne zum Auto getragen: „Unser Baum ist der schönste hier von allen“, jubelte der Vierjährige, ehe er sich am Stand von Thomas Paul und Luzia Aumann eine Wildbratwurst mit Ketchup und Brötchen geben ließ. Gleich nebenan schenkten Christiane Rauwolf und Christoph Aumann Punsch und Glühwein für die kleinen und großen Besucher aus.

Seit 20 Jahren bietet der Bundesforst solche Termine an: „Das läuft bei uns unter der Rubrik Öffentlichkeitsarbeit“, erklärt Forstdirektor Aumann: „Für Familien ist das eine gute Gelegenheit, den Kindern die Geheimnisse des Waldes zu erklären.“

„Wir haben uns in diesem Jahr für den richtigen Tag entschieden“, sagte Klaus Puffer, „die großartige Resonanz gibt uns recht.“ Rainer Aumann war unterdessen mit Geländewagen und Anhänger auf dem matschigen Untergrund als Christbaumtaxi zwischen Waldstück und Parkplatz im Einsatz. Das Waldareal mit den stattlichen Kiefern ist ein Stück vom Hauptplatz entfernt.

Die Küstentannen, Fichten und Kiefern sind zwischen 10 und 15 Jahre alt. „Stellenweise werden wieder junge Bäume nachgepflanzt“, sagte Aumann zur Volksstimme. Beliebteste Art war eindeutig die Küstentanne. Aumann: „Vor 20 Jahren wollten die Menschen noch hauptsächlich Fichten.“

Aus seiner Sicht gibt es noch einen weiteren Vorteil: „Es handelt sich um Ökobäume. Wir setzen weder Kunstdünger, noch Herbizide oder Insektizide ein.“ Er empfiehlt, den Baum ruhig in Wasser zu stellen: „Dann sieht er über die Feiertage einfach frischer aus.“

Der Baum von Helene Köhler wird in der Nacht zu Heilig Abend geschmückt: „Das erledigen die Weihnachtsengel“, erklärt die Schülerin. Wenn ihre Wünsche in Erfüllung gehen, dann werden Bunt- und Filzstifte unter dem Baum liegen: „Und Hatchimals“. Das sind eulenähnliche, interaktive Wesen, die aus einem riesigen Ei schlüpfen.

Lieber Weihnachtsmann, da lässt sich doch was machen, oder?