Burg l „Wir sind alle sehr traurig“ – so fasste Burgs Kultur- und Tourismus-Fachbereichsleiter Maximilian Steib die Stimmung zusammen, nachdem das Aus für die Altstadtweihnacht beschlossen wurde. „Die Entscheidung fällt uns sehr schwer, aber die zunehmende Infektionsentwicklung, die Eindämmungsverordnungen, die sich inhaltlich immer wieder ändern, und der anstehende Lockdown lassen uns leider keine andere Wahl.“ Damit werden die Adventswochen dieses Mal ohne ein öffentliches Fest begangen – ein Novum in der Stadt. Zuvor mussten die Burger bereits auf die Museumsnacht und die Veranstaltung „Spuk im Park“ verzichten.

Auch Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) hält einen Weihnachtsmarkt für „nicht mehr durchführbar“. So würden die Corona-Zahlen die Möglichkeiten, den Weihnachtsmarkt weiter zu planen, erheblich einschränken. Rehbaum erinnert in dem Zusammenhang an die Allgemeinverfügung der Kreisverwaltung, die vorerst befristet nur bis zum 16. November gelte. „Ob es danach möglich wäre, die Altstadtweihnacht durchzuführen, stünde erst ab dem 17. November fest.“ Die kurzfristigen Zeitfenster mit immer neuen möglichen Restriktionen, wie Maskenpflicht, Alkoholverbot oder Sperrstunden, hätten letztlich dazu geführt, die Altstadtweihnacht aus dem Terminkalender zu streichen, so der Stadtchef. Dies würde nicht mehr dem Charakter eines Weihnachtsmarktes entsprechen, wie ihn viele Besucher wünschten. Zudem hätten mehrere Akteure in den vergangenen Tagen ihre Teilnahmen abgesagt, da sie aus Risikogebieten anreisen würden und keine Unterkünfte für die Zeit des Weihnachtsmarktes bekommen würden.

Viele Verträge auf 2021 übertragen

Laut Steib wolle die Stadt mit der Absage auch Händlern, Gastronomen, Künstlern und weiteren Dienstleistern die Möglichkeit geben, eventuell anderweitige Arrangements anzunehmen. Bislang seien rund 50 Verträge, Aufträge sowie verbindliche Absprachen getroffen worden, so Kulturmanagerin Maraike Schichold. Zahlreiche Verträge würden nun auf das kommende Jahr übertragen.

Auch auf der politischen Ebene wird der Schritt der Verwaltung unterstützt. Kerstin Auerbach (Linke), Vorsitzende des Kultur-, Tourismus- und Sozialausschusses, sieht ebenfalls keine Alternative. Nach der Erklärung der Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten von Mittwochabend sei die Entscheidung nur folgerichtig. „Es macht in der momentanen Situation keinen Sinn, Zeit und Kraft in derlei Planungen zu investieren. Für die tollen Ideen der Akteure ist es natürlich sehr schade. Sie hatten ein wunderbares Konzept. Ich hoffe, es kommt im nächsten Jahr zum Einsatz.“

Mittelalterliche und handwerkliche Angebote

Ursprünglich sollte der Weihnachtsmarkt mit genehmigtem Hygienekonzept des Landkreises großflächig in der Altstadt sowie den Ihlegärten und am Weinberg stattfinden – anders als im vergangenen Jahr. Auf diese Weise sollten die Besucherströme entzerrt werden. Auch deshalb, weil sich die Händler mit entsprechenden Aktionen beteiligen und in die Schartauer Straße locken wollten. Mit dem Besuch im oberen Teil der Altstadt plante die Stadt eine bunte Mischung an mittelalterlichen und handwerklichen Angeboten.

2019 zählte der Weihnachtsmarkt ungefähr 5000 Besucher, die zwischen der historischen Gerberei, Wasserturmgelände und Weinberg flanierten.Die beiden Veranstaltungen in der Burger Stadthalle – die Fienerländer Musikanten am 8. November und die Märchenkomödie des Genthiner Amateurtheaters (gat) am 5. Dezember – werden nach jetzigem Stand nicht gestrichen. Dafür gebe es Hygiene- und Abstandsvorschriften sowie eine eingeschränkte Besucherzahl. „Beide Veranstaltungen sind sehr beliebt und die Fienerländer bereits ausverkauft“, so Steib.