Burg/Klietznick/Biederitz l Maskierte Gestalten machen sich nachts am Milchautomaten in Biederitz zu schaffen. Sie hebeln die Milchtankstellen auf, reißen Geldkassetten und Technik heraus und verschwinden. Mehr als dunkle Gestalten erkennt man auf den Aufnahmen der Überwachungskameras nicht. "Es ärgert mich", sagt Henk Heringa, der das Konzept von frisch gezapfter Milch aus der Region ins Jerichower Land brachte - und nun an vier Standorten beraubt worden ist.

Zum ersten Mal schlugen die Täter am 8. April in Burg zu. Dort brachen sie eine Zapfanlage auf, rissen die Technik heraus und entwendeten das Münzgeld. "In den Automaten ist Münzwechselgeld deponiert sowie die Einnahmen", sagt Henk Heringa. Mit der Beschädigung der Anlage, die repariert werden muss, summiert sich der Schaden auf 3500 Euro.

Neue Standorte für die Zapfanlagen

Der Milchtankstellen-Betreiber reparierte die Zapfanlage zwar, aber es war vergeblich. Knapp zwei Wochen später wurde der Automat am Burger Standort erneut aufgebrochen. Außerdem griffen die Täter in Klietznick und Biederitz zu. Mit dem erneuten Überfall verdreifachte sich der Schaden: 14.000 Euro. "Wir haben einen Notbetrieb aufrecht erhalten, Ersatzteile besorgt und die Geräte notdürftig repariert", sagt Henk Heringa. Doch die finanzielle Last der vier Überfälle wird zum Problem.

Die drei Anlagen im Jerichower Land stehen im Außenbereich - und sind damit nicht gesichert. Die anderen Milchtankstellen in Möckern, Genthin, im brandenburgischen Premnitz und der Landeshauptstadt Magdeburg befinden sich im Eingangsbereich von Einzelhandelsketten. Dort sind sie geschützter, denn Diebe müssten zuerst in den Supermarkt einbrechen und könnten sich dann erst am Automaten zu schaffen machen. "Wir überlegen nun, einige der Tankstellen in Supermärkte hinein zu verlagern", so Henk Heringa. Doch das sei nicht an allen Standorten möglich. In Biederitz ist keiner der Supermärkte geeignet. Des Weiteren zieht der Betreiber Überwachungskameras oder Alarmanlagen für die Zapfanlagen in Betracht. Doch auch das ist ein finanzieller Aufwand.

"Es kostet mich Ärger, Zeit und Geld", resümiert der Klitznicker Landwirt. Für den Standort Biederitz könnte ein weiterer Einbruch das Aus bedeuten - die finanziellen Schäden wären dann zu hoch. "Die Täter wissen jetzt, wie sie am besten an die Geldkassetten herankommen. Das ist ein Problem", sagt Henk Heringa.

Frischmilch-Konzept kommt gut an

Trotzdem will der Landwirt nicht aufgeben. Er suche auch weiterhin nach neuen Standorten für die Milchtankstellen - jedoch nur noch im Innenbereich. "Das Konzept kommt nach wie vor gut bei den Kunden an. Unsere Milch schmeckt noch nach Milch", sagt er. Viele Landwirte bemängeln, dass die Milch, die in den Supermärkten verkauft wird, in der Aufbereitung an Geschmack und Nährstoffen einbüßt. Die Milch aus dem Automaten ist unbehandelt und frisch.

Die Resonanz der Frischmilch vom regionalen Unternehmen ist laut Heringa auch zwei Jahre nach dem Start durchgängig positiv. Die erste Milchtankstelle Sachsen-Anhalts wurde in Klienitz eröffnet. Für den frischen Milchgenuss müssen Kunden einmalig eine Milchflasche kaufen und können anschließend die Milch nach Bedarf abfüllen. Gezahlt wird mit Kleingeld oder Scheinen - wie am Parkscheinautomaten.

Jeden Morgen werden die Zapfanlagen mit frischer Milch betankt. Insgesamt 180 Liter fasst ein Tank. Das Volumen variiert je nach Standort und Kaufverhalten. Die Restmilch wird an die Kälber verfüttert, so Heringa: "Kein Liter der Frischmilch wird bei uns verschwendet." Die Milch wird täglich überprüft.