Dornburg l Eine Wand mit Durchgängen und mobilen Elementen als Aufsätzen entlang der Gärten der Hauptstraße hatten das Landesamt für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) und das Planungsbüro im November 2014 bei der ersten Einwohnerversammlung in Dornburg als Hochwasserschutz für die Hauptstraße vorgeschlagen. Mit einer ständig präsenten Mauer in ihren Gärten wollten sich viele betroffene Grundstückseigentümer jedoch nicht abfinden. Die Variante wurde am Ende der Einwohnerversammlung verworfen. Ronald Günther, Flussbereichsleiter Schönebeck beim LHW, kündigte an, nach anderen Lösungen zu suchen.

Inzwischen sind mehr als dreieinhalb Jahre vergangen und die anderen beiden Bauabschnitte des Hochwasserschutzes in Dornburg längst abgeschlossen. Der Deich auf beiden Seiten des Dorfes wurde erneuert, erhöht und Verteidigungswege wurden angelegt. Offen ist noch die Mitte, die den Verlauf der Hauptstraße betrifft.

Aufwand nicht zu vertreten

Warum werde der Deich eigentlich nicht für ganz Dornburg durchgezogen? Weil es verboten sei, Überschwemmungsflächen zu entziehen, antwortete Ronald Günther auf der jüngsten Einwohnerversammlung zum Hochwasserschutz in Dornburg. Außerdem müsste der Deich mehrere Meter hoch errichtet werden. Das sei ein Aufwand, der nicht zu vertreten sei.

Gemeinsam mit Christian Fanger und Daniel Winter vom zuständigen Ingenieurbüro Fanger stellte er die neue Variante für die Hauptstraße vor, die in einer Kombination aus Spundwand und mobilen Elementen unter dem Namen „operativer Hochwasserschutz“ läuft.

Operativ heißt, dass an mehreren neuralgischen Punkten bei Hochwassergefahr Sandsäcke gestapelt werden müssen. Die umfassende Variante mit der Mauer entlang den Gärten ist vom Tisch. „Wir haben anfangs zu viel angeboten“, räumte Ronald Günther ein.

Interpretation zurückgewiesen

Das kam bei den Dornburgern nicht gut an. „Sie haben jahrelang geplant, um festzustellen, dass Grundstück 34 absäuft?“, merkte Ekkehard Wrubel an. Ronald Günther wies die Interpretation zurück. Zugleich erklärte er aber, dass der Schutz eines einzelnen Objektes nicht die Aufgabe des Landes sei. Auch für Scheunen oder Garagen baue das Land keine Schutzanlagen. „Nur für Wohngebäude.“

Die Stimmung war mehrmals so gereizt, dass Ortsbürgermeister Andreas Steinz oder Gommerns Bürgermeister Jens Hünerbein für eine ruhigere Atmosphäre im gut besuchten Gartensaal des Dornburger Schlosses sorgen mussten. Es sei nicht das Ziel, die Bewohner der Hauptstraße gegeneinander aufzubringen, betonte Ronald Günther. Die Gefahr bestand jedoch. Denn aus heutiger Sicht wäre einigen Anwohnern die Mauer-Variante, mit der sich alle geschützt gefühlt hätten, lieber.

2002 und 2013 nur Glück gehabt

Wenn das Bemessungshochwasser die minimale Variante in der Hauptstraße zulasse, warum seien dann die Deiche auf beiden Seiten erhöht worden? Ronald Günther verwies in seiner Antwort auf den Freibord, der beim Deichbau berücksichtigt werde. Nicht, um mehr Wasser aufzunehmen, sondern um das Setzen des Deiches und den Wellengang einzurechnen.

Die Skepsis aber blieb. Letztlich habe man 2002 und 2013 doch nur Glück gehabt, weil andere Orte abgesoffen seien und weniger Wasser in Dornburg angekommen sei, wurde im Publikum argumentiert.

Damit sich die Situation nicht wie 2013 zuspitze, habe die Heidewasser GmbH Wasserstopps angeschafft, beantwortete Jens Hünerbein eine weitere Frage aus dem Publikum. Die Stopps verhindern, dass Wasser in die Einläufe der Kanalisation eindringe. Zudem habe die Heidewasser GmbH mit jedem Grundstücksbesitzer gesprochen, was im Falle eines Hochwassers zu tun sei.

Werde die vorgestellte Variante realisiert, richte die Stadt ein Depot ein, informierte Jens Hünerbein. „Mobil braucht Manpower“, erinnerte er. „Dann krauchen die Rentner und füllen Sandsäcke“, ergänzte Ernest Briehm, Leiter der Dornburger Wasserwehr.

Keine gemeinsame Variante

Für Drängwasser werde es zwei Entnahmestellen geben, kündigte Ronald Günther an. Verhindern lasse es sich nicht, dass Wasser aus dem Untergrund dränge. Während er sagte, dass die Vorzugsvariante bestehen bleibe, legte ein Bürger zum Abschluss der Einwohnerversammlung wert auf die Feststellung: „Es wurde keine gemeinsame Variante gefunden“.