Burg l Viele Heimpreise sind zum Jahresbeginn in die Höhe geschossen. Die von Union und SPD beschlossenen Sofortmaßnahmen zur besseren Bezahlung könnten die Preise weiter erhöhen, fürchten Pflegebedürftige und Angehörige. Das stößt auf Unverständnis, denn immer öfter reichen die Einnahmen der älteren Menschen nicht mehr aus, um die Kosten für die Heimunterbringung und Pflege zu decken.

Eine Erklärung für die stetig steigenden Heimpreise sind die Kosten für das Personal, eine weitere sind die Pflegegrade. Seit 2017 wurde das System von drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt. Das regelt das Zweite Pflegestärkungsgesetz. Diese Einstufung ist unabhängig davon, ob körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigungen vorliegen. Das bedeutet: Alle Pflegestufen, egal ob eine leichte Bedürftigkeit in der Kategorie 1 oder eine Rundumversorgung in der Kategorie 5, bezahlen den gleichen Eigenanteil zu den Gesamtkosten hinzu. Somit bezahlen leichte Pflegestufen im Vergleich zu 2016 mehr Geld, hohe Pflegebedürfte zahlen mitunter weniger als zuvor.

Über tausend Euro monatlich

Im Jerichower Land müssen alte Menschen oder deren Angehörige inzwischen über tausend Euro monatlich für die Pflege bezahlen. Das Cornelius-Werk Diakonische Dienste, das zwei stationäre Einrichtungen im Jerichower Land sowie eine spezialisierte Demenzstation unterhält, hat die Preise jährlich im Durchschnitt um 2,5 Prozent angehoben. „Wir erwirtschaften keine Gewinne. Es handelt sich dabei um eine normale Kostensteigerung nach Tariflohn“, sagt Simone Garnich, Geschäftsführerin des Cornelius-Werks.

Somit zahlte ein Pflegebedürftiger in der Pflegestufe 1 vor zwei Jahren noch 1000 Euro Eigenanteile, nun sind es 154 Euro mehr. Das entspricht einer Kostensteigerung von 13 Prozent. Im höchsten Pflegegrad drei musste ein Heimbewohner des Cornelius-Werkes noch 1450 Euro berappen, nun sind es dank Pflegegraden 20 Prozent weniger. „Natürlich ist das gefühlt ungerecht“, sagt Simone Garnich. „Viele Menschen haben ein Leben lang gearbeitet und nun reicht das Geld im Falle einer Pflegebedürftigkeit nicht aus.“

Beim DRK Regionalverband Magdeburg-Jerichower Land, in dessen Gebiet insgesamt sieben Einrichtungen betreut werden, sind die Heimpreise ähnlich gestiegen. Ein Heimplatz kostet zwischen 2000 und 3300 Euro. Dabei liegt zum Beispiel der Eigenanteil in der Burger Einrichtung „Pro Leben“ bei 1173 Euro. Für Heimbewohner der Pflegestufe 1 bedeutet das eine Verteuerung um 22 Prozent. Die höher Pflegebedürftigen profitieren nicht, sie zahlen ebenfalls 24 Euro monatlich drauf.

Angehörige schießen Geld zu

Doch was passiert, wenn die Pflegebedürftigen oder Angehörigen den Eigenanteil von über 1000 Euro monatlich nicht mehr bezahlen können? Die Pflegeversicherung zahlt nur einen Teil der Heimkosten (siehe Infokasten). Der große Rest wird dann aus der Rente des Heimbewohners beglichen – doch Angehörige müssen oft Geld zuschießen, wenn dieses nicht ausreicht. Wer das finanziell nicht kann, muss Geld bei Sachsen-Anhalts Sozialagentur beantragen.

„Natürlich hat sich keiner über die Erhöhung der Preise gefreut“, sagt Frank-Michael Ruth, Vorstand des Regionalverbands DRK Jerichower Land-Magdeburg. Oftmals würden Bedenken geäußert, dass die Einrichtung nicht größer geworden ist oder besondere Leistungen angeboten werden. Alles bleibt beim Alten, nur der Preis erhöht sich – das führt zu Unmut der Zahlenden.

Andere Erfahrungen hat Simone Garnich vom Cornelius-Werk gemacht: „Viele Leute haben Verständnis.“ Die Kosten für die Unterbringung wie Betriebskosten oder Strom werden teurer, die Pflegekräfte müssen bezahlt werden. Die Personalnot in allen Einrichtungen kommt erschwerend hinzu – und wird perspektivisch nicht besser. „Viele junge Menschen wollen nicht mehr in Schichten arbeiten“; sagt Simone Garnich. Doch gerade die hohen Pflegegrade müssen 24 Stunden versorgt werden.

Geringe Wertschätzung

Deswegen sucht das DRK zunehmend auch Personal aus dem Ausland. Doch auch das bringt bisher nicht die erhoffte Fachkräfte ins Jerichower Land. „Das Pflegepersonal macht eine physisch und psychisch schwere Arbeit“, so Frank-Michael Ruth. Ein großes Problem sei auch die geringe Wertschätzung des Berufs. „Es ist eben nicht damit getan, alten Menschen den Po abzuwischen“, sagt er.

Doch eine Nachricht dürfte Pflegebedürftige und Angehörige aufatmen lassen: In diesem Jahr sind laut dem DRK keine höheren Kosten mehr zu erwarten. Was 2019 mit den Heimpreisen und den Personalkosten passiert, sei abzuwarten.