Schauspielerin und Kabarettistin Franziska Troegner aus Berlin gastierte auf Schloss Leitzkau

Ein Leben für die Bühne zwischen Johnny Depp und Dieter Hallervorden

"Der Landarzt" oder gar die Hollywood-Produktion "Charlie und die Schokoladenfabrik" - Schauspielerin Franziska Troegner ist Fernsehzuschauern bekannt. Die Berlinerin stellte in Leitzkau ihre Autobiografie "Für´s Schubfach zu dick" vor und sprach mit Redakteur Marco Papritz.

Volksstimme: Frau Troegner, der Titel ist schon etwas frech, oder?

Franziska Troegner: Ja, natürlich. Entstanden ist der Titel während eines Interviews Mitte der 1990er Jahre. Vorrangig ging es dabei darum, wie ich mit dem Übergewicht klarkomme, ob ich darüber nicht traurig bin, dass ich so dick bin. Und es hörte auch nicht auf. Ich habe mich zweimal mit der jungen Frau getroffen, bis ich dachte, dass ich keine Lust mehr habe. Sie hat mir dann das Interview zugeschickt. Ein Freund von mir las es und meinte: "Das bist Du doch überhaupt nicht." Schließlich haben wir den Titel gewählt, der für das Interview aber nicht genommen wurde.

Volksstimme: ...sondern für Ihr kabarettistisches Programm.

Franziska Troegner: Bis der Verlag "Neues Berlin" kam und sagte, dass der Titel sehr schön sei und ich doch eine Biografie schreiben soll. Bei "Für´s Schubfach zu dick" steckt eben auch drin, dass man als Schauspieler nicht gern festgelegt werden sondern möglichst viele unterschiedliche Rollen spielen möchte.

Volksstimme: Das ist bestimmt ein schwieriges Unterfangen, da man ja in der Filmbranche auf Angebote angewiesen ist.

Franziska Troegner (schmunzelnd): Amerikanische Kollegen sagen, dass man froh sein solle, wenn man überhaupt erst einmal in einem Schubfach steckt. Aber es nimmt überhand, denn heutzutage besetzen nicht mehr die Regisseure die Rollen, sondern die Redaktionen. Die Besetzung geht oft nach der Frage: Wer fällt einem denn zu der Rolle ein, wen hat man dazu schon einmal gesehen? Wagnisse werden nur noch selten eingegangen. Dabei ist man doch ein Schauspieler und kann auch etwas anderes spielen als immer nur das Gleiche.

Volksstimme: Ich stelle es mir schwierig vor, für eine Biografie in meinen Erinnerungen zu kramen und zu überlegen, was unbedingt erwähnt werden sollte.

Franziska Troegner (lacht): Naja, als man mit der Idee des Buches zu mir kam habe ich gesagt: "Ich werde 50 und nicht 90 Jahre alt." Daher habe ich mich für einzelne Geschichten entschieden, die in einem biografischen Zeitraum gestellt werden. Zum Teil war es sehr witzig, sich an bestimmte Sachen zu erinnern. Teils aber auch traurig. Es ist auch die eine oder andere Träne geflossen. Ich habe früher auch Tagebuch geführt, als junges Mädchen, das verliebt ist, macht man das sowieso. Und für das Buch habe ich in alten Notizbüchern gekramt. Mein Vater sagte mir, ein Jahr bevor er starb, dass ich mir angewöhnen sollte, jeden Tag etwas aufzuschreiben.

Volksstimme: Sie haben während der Arbeit zum Buch zwei Autoren verschlissen.

Franziska Troegner: Der eine hat Dinge gewertet, die ich so nicht werten würde. Und die andere war mir zu kitschig: was sie aufgeschrieben hat, hätte auch in Westberlin spielen können. Das ist wie bei Brecht "Auf der Probe": drei Leute beschreiben einen Unfall - und jedes Mal kommen andere Sichtweisen heraus. Die Arbeit ruhte dann, als über mich ein großer amerikanischer Film hereinbrach.

Volksstimme: "Charlie und die Schokoladenfabrik" von Starregisseur Tim Burton und mit Hollywoodgröße Johnny Depp. Dann kam es aber doch noch zum Buch.

Franziska Troegner: Renate Holland-Moritz empfahl mir dann Andreas Püschel. Ihm habe ich dann meine Gedanken und Geschichten erzählt, er schrieb auf. Und bei ihm fand ich mich auch wieder.

Volksstimme: Sie erwähnten Brecht: im Bertold-Brecht-Ensemble in Berlin waren sie 18 Jahre ein festes Mitglied ab 1976.

Franziska Troegner: Ich bin schon während der Schulzeit zu Brecht gekommen, weil ich schon immer gern Gedichte aufgesagt habe. Zu Fahnenappellen und Treffen wollte ich damals nicht irgendwas aufsagen, sondern es sollte etwas sein, was mir gefällt. So bin ich zu Brecht gekommen: schöne klare Sätze, sachlich und zum Teil auch witzig und nicht so schwülstig und blumig. Mehr oder weniger durch Zufall bin ich dann beim Ensemble gelandet.

Volksstimme: Bei Schauspielern hat man meist das Gefühl, so wie im Fernsehen müssen sie auch privat sein. Wieviel Arbeit steckt da drin, dass es so wirkt?

Franziska Troegner: In jeder Rolle steckt schon etwas von einem selbst - aber trotzdem ist es eine Rolle, die man spielt. Je blöder eine Rolle ist, desto mehr versucht man sie zu sich herüber zu ziehen und sie sympathischer wirken zu lassen.

Volksstimme: Gibt es denn noch die eine große Rolle, die Sie unbedingt einmal spielen möchten?

Franziska Troegner: Es gibt noch viele! Ich weiß nicht, wie die Theatersituation in Magdeburg derzeit so ist, aber in Berlin gibt es viele große Selbstverwirklicher: ich möchte eine Rolle in einem Stück spielen, in dem sie begreifen, was sie da sehen. Der Zuschauer ist doch bereit und Willens, die kompliziertesten Dinge zu verfolgen,wenn man ihn an die Hand nimmt.

Volksstimme: Theater oder Fernsehen?

Franziska Troegner: Was aus der Richtung Fernehen als Angebot kommt, sehe ich mir an. Seit über zehn Jahren gestalte ich auch Solo-Abende, wo ich mir das zusammenbastele aus Liedern und Texten, was mir gefällt, unterschiedliche Figuren. Und das gefällt den Leuten. Wenn etwas Schönes an Rollen angeboten wird, spiele ich auch Theater. Dieter Hallervorden hat mir jetzt etwas angeboten, aber da habe ich das Stück noch nicht gelesen. Glücklicherweise kann ich mir meine Insel schaffen mit dem, was mir auch Spaß macht.

Übrigens: über das soziale Netzwerk "Facebook" kann man im Internet persönlich mit Franziska Troegner Kontakt aufnehmen: www.facebook.com/franziska.troegner