Luso/Mühlsdorf l Es ist Radfahrsaison. Mehr denn je Pedalritter sind zu Zeiten von Corona unterwegs. Gut ausgebaut und viel befahren sind Europa-, Elbe- und Flämingradweg. Und dazwischen? Da hapert es an ausgebauten Radwegen, ob durch Wald und Flur oder straßenbegleitend. Auch in der Einheitsgemeinde Zerbst wird das Drängen auf Radwegebau immer lauter.

So führt auch am Eulenturm in Mühlsdorf ein sandiger Feldweg in Richtung Wald. Dieser kommt kurz hinter Streetz raus. Um diese Jahreszeit sind es einige, die hier lang fahren. Ein ordentlich befestigter Weg würde sich hier anbieten.

Schon länger

Den Wunsch nach einem multifunktionalen Radweg haben die beiden Ortschaften schon länger. Schon zehn Jahre gab es die Idee, als im Dezember 2015 Mühlsdorf und Streetz-Natho eine erste Willenserklärung für den Ausbau des Weges unterzeichnet haben. Nun sind wieder fünf Jahre ins Land gegangen.

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Am Montagabend war das Thema erneut auf der Tagesordnung im Lusoer Ortschaftsrat. Als Gäste konnten der Streetzer Ortsbürgermeister Heiko Elß und sein Stellvertreter Hartmut Berndt begrüßt werden. Und noch einmal wollte man den gemeinsamen Willen für einen multifunktionellen Radweg bekunden. Der Streetzer Ortsbürgermeister und sein Amtskollege Ralf Müller setzten ihre Unterschrift unter die Willenserklärung, die dann von den beiden Städten Zerbst und Dessau-Roßlau getragen werden muss.

Es geht um vier Kilometer, etwa jeweils zur Hälfte zu den Gemarkungen der Ortschaften gehörend. Ein beliebter Weg und die kürzester Verbindung zwischen Streetz und Mühlsdorf, den vor allem auch die Anwohner rege nutzen.

Jederzeit zugänglich

Doch der Weg ist noch mehr von Bedeutung, als dass hier die Anbindung an den Fläming-Radweg zwischen Natho und Mühlstedt erfolgen könnte und dieser verbindet den Europa-Radweg R1 mit dem Elberadweg. Touristisch gesehen, wäre das eine Errungenschaft, argumentiert man auch in der Willenserklärung, da die Zerbster Ortschaft entlang der Schlösser- und Burgentour liegt. Nicht nur das kleine Mühlsdorf hat selbst einiges zu bieten. Auch Bone und Luso, die mit zur Ortschaft gehören, können mit Interessantem aufwarten. Im idyllischen Mühlsdorf gibt es eine Dorfkirche und den Eulenturm. Bone hat seine Feldsteinkirche, die Mühle und den Boneschen Teich. Die Gesangbuchkirche in Luso ist als Themenkirche für Neugierige jederzeit zugänglich.

Dabei wird nicht einmal irgendein Wald- oder Feldweg zum multifunktionalen Radweg, verweist Jörg Ewald vom Lusoer Ortschaftsrat, der sich stark für das Projekt einsetzt, auf die Geschichte. Es handelt sich nämlich um die Alte Berliner Straße. Schon Katharina, die Große hat den Weg befahren und Napoleon soll ihn entlang geritten sein. Ein Grund mehr für eine Aufwertung. Auch für den Brandschutz würde der Ausbau des Weges eine Rolle spielen, ergänzte Hartmut Berndt.

Schon 2006 gab es Pläne und Anträge zum Ausbau des Weges. Doch die scheiterten wohl an der Finanzierung. Ob das Vorhaben diesmal gelingen kann? Wie geht es weiter?, wollte auch gleich eine Mühlsdorferin wissen, die zu der Reihe interessierter Bürger bei der Ratssitzung gehörte. Nun müsse man die Antwort der Stadt abwarten, erläuterte Ralf Müller. Der Stadtrat muss das Vorhaben befürworten. Dann könnten Gespräche mit der Stadt Dessau-Roßlau folgen.

Erster Schritt

„Die Willenserklärung ist nur ein erster Schritt“, machte Jörg Ewald deutlich. Er hat auch Hoffnung, dass sich Finanzierungsmöglichkeiten ergeben werden. Bei Leader sei man dabei, alles neu zu ordnen, meinte er. Da müsse man sehen, was da kommt. Dass Anlieger mit zur Kasse gebeten werden, könnte sich unter Umständen auch erledigt haben, wenn Straßenausbaubeiträge abgeschafft werden.

Und auch der geplante Ausbau des ländlichen Weges zwischen Kleinleitzkau und Natho, über den der Bornumer Ortsbürgermeister Mario Rudolf unlängst seinen Ortschaftsrat informierte, könnte in die Überlegungen zum Ausbau des multifunktionalen Radweges zwischen Mühlsdorf und Streetz einfließen.