Königsborn l Die Freiwillige Feuerwehr Königsborn blickt sorgenvoll in die Zukunft. Denn die Gruppengröße schrumpft immer weiter. Aus diesem Grund hatten die verbleibenden Mitglieder zur einer Art Krisentreffen eingeladen, um auf die Situation der Feuerwehr aufmerksam zu machen.

Andreas Wilhelmy ist nicht nur aktives Feuerwehrmitglied, sondern auch Ortsbürgermeister von Königsborn. Er kennt also den Ort sehr gut und weiß um den bedenklichen Mitgliederschwund. Darauf hatte er bereits bei der Jahreshauptversammlung im Februar aufmerksam gemacht. „Aktuell sind wir nur noch 13 aktive Mitglieder“, sagt er voller Sorge. In den vergangenen Monaten hatten wieder zwei Mitglieder die Feuerwehr verlassen. Der Grund für die Austritte seien aber nicht etwa mangelndes Interesse oder Unzufriedenheit, sondern die fehlenden Möglichkeiten für die Zukunftsgestaltung in Königsborn. „Die Mitglieder, die uns verlassen haben, wollten gern in Königsborn Häuser bauen für sich und ihre Familien. Allerdings fanden sie keine Baugrundstücke hier und fanden diese dann an anderen Orten. Wegzug ist also ein Hauptgrund, warum unsere Feuerwehr immer weiter geschrumpft ist“, erklärt er.

Nicht gut um Nachwuchs bestellt

Für Wilhelmy ist dies ein alarmierendes Signal, auf das er auch den Ortschaftsrat aufmerksam gemacht hat. So kamen auch die Ortschaftsratsmitglieder Petra Lück und Ingrid Rettig zu dem Treffen, um sich darüber zu informieren, wie der Stand der Dinge bei der Feuerwehr Königsborn ist. „Im Juni lag unsere Einwohnerzahl in Königsborn bei 487“, erklärt der Ortsbürgermeister. „Und nur 13 sind noch in der Feuerwehr aktiv. Da müssten sich unter den Bewohnern des Ortes doch eigentlich noch mehr Interessierte finden lassen.“ In den vergangenen drei Jahren hatte die Feuerwehr nur Abgänge zu verzeichnen und keine Zuwächse. „Dabei ist es wirklich wichtig, dass wir eine einsatzfähige Truppe behalten. Wenn es die Feuerwehr nicht mehr geben sollte, dann haben wir ein Problem“, gibt der Ortsbürgermeister zu bedenken. Petra Lück stimmt ihm zu: „Wenn es brennt, will doch jeder, dass sein Haus gelöscht wird.“

Bilder

Auch beim Nachwuchs sieht es nicht viel besser aus. Derzeit sind nur zwei Jugendliche in Königsborn aktiv. Diese absolvieren ihre Ausbildungseinheiten zusammen mit den Jugendlichen aus Woltersdorf, damit überhaupt entsprechende Gruppen zusammenkommen. „Mit so wenigen Mitgliedern ist es wirklich schwierig zu planen“, meint Wilhelmy sorgenvoll. Er hofft, dass die Feuerwehr in Königsborn nicht dasselbe Schicksal ereilt wie in Schönebeck. Dort wurde die Freiwillige Feuerwehr aufgelöst, weil sich nicht mehr genügend Menschen beteiligt hatten. Petra Lück bedauert diese Entwicklung sehr: „Feuerwehr bedeutet ja nicht nur, dass man Brände löscht, sondern auch, dass man sich in einer Gemeinschaft engagiert“, führt sie aus.

Doch was will die Königsborner Feuerwehr konkret dagegen unternehmen, dass die Zahl der Mitglieder weiter abnimmt? „Seit drei Jahren werben wir sehr offensiv“, erklärt der Ortsbürgermeister. Er habe die Erfahrung gemacht, dass Aktionstage, Tage der offenen Tür oder Feiern eher nicht dazu beitragen, dass sich bisher unbeteiligte Personen für die Feuerwehr interessieren. „Da kommen doch meistens nur diejenigen, die ohnehin schon in der Feuerwehr sind oder deren Angehörige.“ Er habe viel mehr damit gute Erfahrungen gemacht, direkt auf die Leute zuzugehen. „Wenn man die Menschen direkt anspricht, ob sie Interesse an der Teilnahme haben, ist das deutlich effektiver.

Nachfragen lohnt sich

Natürlich gibt es auch diejenigen, die von Anfang an sagen, dass sie keine Lust oder beruflich nicht die Möglichkeit haben. Aber bei denjenigen, die zunächst unsicher sind, ob das nicht vielleicht was für sie wäre, lohnt es sich noch weitere Male nachzufragen. Wenn man die Menschen zumindest zum Nachdenken bringt, ob die Feuerwehr nicht ein Engagement wert ist, hat man oft schon etwas gewonnen.“ Auf diese Weise hätte er immerhin schon drei Leute gewonnen. „Man muss nur immer wieder nachfragen“, zeigt er sich optimistisch, dass sich weitere Interessenten finden lassen. „Die Feuerwehr ist so viel mehr als nur ein Hobby“, schließt Wilhelmy seine Ausführungen.