Burg l Sie sind nicht zu übersehen – die Schilder, die auf die Gefahr hinweisen, den Wald zwischen Güsen und Ihleburg zu betreten. Das Gebiet Pennigsdorf, Jahrzehnte Sperrgebiet und militärisch intensiv genutzt, beherbergt Unmengen von Kampfmitteln. Zwar wurden schon Teilflächen beräumt und ganze Anlagen wie beispielsweise Tanks und Munitionslager aufwendig aus dem Boden gehoben und entsorgt, aber längst ist der Waldkomplex noch nicht vollständig von den zum Teil tödlichen Resten vergangener Epochen befreit. Wer dort auf Abenteuersuche geht, kann sie auch heute noch mit seinem Leben bezahlen. „Fachleute werden dort noch lange tätig sein“, sagt Rainer Aumann, Leiter des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt, dessen Bereich Liegenschaften auch für die Beseitigung von Altlasten und Kampfmitteln zuständig ist. Pro Jahr gibt das Amt dafür rund eine Million Euro aus.

Ende nicht abzusehen

Vier Mitarbeiter sind im Bundesforst mit solchen Spezialaufgaben, „die äußerst detailbehaftet sind“, betraut. Ein Ende der Investitionen ist nicht abzusehen. Immerhin handelt es sich dabei um eine Fläche von rund 7500 Hektar, die sich auf 300 Liegenschaften verteilt – vornehmlich Gebiete, die einstmals über Jahrzehnte militärisch als Schießplätze, Depots, Kasernen oder Munitionsfabrikstätten genutzt wurden. Von manchen geht eine größere Gefahr aus, andere wiederum sind lediglich Überbleibsel der Geschichte, die gesichert werden.

Analyse ist Feinarbeit

Die konkreten Gefahren zu analysieren, ist Feinarbeit und richtet sich nach klaren gesetzlichen Vorgaben, sagt Sachgebietsleiter Marcus Gloeckner. Das beginnt mit der Recherche zur Historie über das jeweilige Objekt oder Gebiet, geht über Grundwasser- und Bodenuntersuchungen, Beräumungen, Entsiegelungen und endet mit einem Konzept, das zugleich auch Wege aufzeichnet, wie das belastete Gebiet später genutzt werden kann – oftmals für Photovoltaikanlagen, so genannte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen oder Öko-Punkte, die im Rahmen bestimmter Bauvorhaben erforderlich sind beziehungsweise erworben werden können. Der Vorteil solcher Altlastenflächen, wie sie beispielsweise auch in Altengrabow, Rosenkrug oder Körbelitz zu finden sind, ist zudem der hohe ökologische Nutzen, weil sie über Jahrzehnte kaum genutzt und kaum betreten wurden.

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Noch reichlich Arbeit

Zurück zu Güsen/Pennigsdorf: Wann die Fläche einmal vollständig betreten werden kann, ist noch unklar. Das richte sich auch nach der Nutzung und Dringlichkeit. Auf jeden Fall habe der Bundesforst, der in sechs Landkreisen und Magdeburg für 52.000 Hektar verantwortlich zeichnet, mit dem Problemflächenmanagement noch reichlich Arbeit auf dem Tisch. Vor allem, weil viele Ämter, Behörden und Akteure beteiligt werden müssen, so Gloeckner.