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Glasfaser-Ausbau: Vereinbarung kommt

Die Stadt Gommern wird mit der MDDSL einen Kooperationsvertrag zum Ausbau eines Glasfasernetzes schließen.

Gommern l „Mir wäre es schnurzpiepegal, wer für den Anschluss kommt, hoffentlich schnelles Internet funktioniert!“ Ausgerüstet mit den frustrierenden Erfahrungen ihrer Enkelkinder beim Distanzunterricht sprach Stadtratsvorsitzende Margrit Peters (CDU) in der Diskussion um den Kooperationsvertrag mit der MDDSL Klartext.

Ihre Erfahrungen aus Menz warfen sogleich die Frage auf, weshalb die MDCC, die 2018 Wahlitz mit einem Glasfasernetz versorgte, ihr Angebot nicht auf die nächsten Ortschaften wie Menz oder Gommern ausweitete. Die Stadt habe sich darum bemüht, sagte Bürgermeister Jens Hünerbein (parteilos). Allerdings erfolglos. Bis zur Sitzung des Stadtrates hatte außer der MDDSL kein anderes Telekommunikationsunternehmen den Ausbau eines Glasfasernetzes in der Einheitsgemeinde angeboten.

Da überraschte es Jens Hünerbein einigermaßen, dass die AfD-Fraktion eine Offerte der Deutschen Glasfaser vorlegte. „Auf unsere Nachfrage wurde zügig reagiert“, sagte Fraktionsvorsitzender Phillipp Rau. Sein Fraktionskollege Gordon Köhler teilte unterdessen eine Präsentation der Deutschen Glasfaser an die Fraktionsvorsitzenden aus. Jens Hünerbein machte keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass der erste Weg eines Unternehmens in die Stadtverwaltung führen sollte.

Michael Kölling, Seniorpartner-Manager Ostdeutschland, bestätigte gegenüber der Volksstimme, dass es in dieser Woche einen Termin mit dem Gommeraner Bürgermeister geben solle. Allerdings stehe da kein Engagement einer Partei dahinter, sondern habe die Deutsche Glasfaser so und so geplant, auf die Stadt Gommern zuzugehen.

Ein Nebeneinander der beiden Unternehmen gibt es jetzt schon beispielsweise in der Einheitsgemeinde Biederitz. Die MDDSL habe hier nach der Deutschen Glasfaser die Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, sagte Andreas Riedel, Geschäftsführer der MDDSL. Auch die Vereinbarung mit der Stadt Gommern sei kein Exklusivvertrag.

Keine Risiken, aber Verpflichtungen im Rahmen des Üblichen habe die juristische Überprüfung der Kooperationsvereinbarung ergeben, informierte Jens Hünerbein den Stadtrat. So kommen auf die Stadt keinerlei Ausgaben zu, allerdings garantiert sie unter anderem kurze Dienstwege.

Der Bürger müsse die Wahl haben, betonte Phillipp Rau, weshalb er eine Vertagung des Digitalpaktes vorschlug.

Die Bürger müssten überhaupt einmal ein Angebot erhalten, sich einen Glasfaseranschluss in das Haus legen zu lassen, sagte Jens Hünerbein. „Das ist ein wichtiger Schritt nach vorn.“

„Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, merkte Walter Schmidt, Vorsitzender der SPD/Die Grünen-Fraktion, an. Da die Vereinbarung keine Exklusivität verspreche, sah er keine Probleme.

Die Kooperationsvereinbarung ist gewünscht, weil die MDDSL den Ausbau auf eigene Kosten vornimmt. „Die notwendige Quote ist leichter zu erreichen, wenn beide an einem Strang ziehen“, erklärte Andreas Riedel.

Von Seiten der Stadt sei es eine Möglichkeit, auf einen zeitnahen Ausbau zu drängen, ergänzte Jens Hünerbein.

Andreas Riedel versprach infolge der horizontalen Bohrspültechnik „minimal invasive“ Eingriffe, die weder die Bürger noch die Straßen belasteten. Auch Vorgärten oder Einfahrten müssten für die Hausanschlüsse nicht aufgeschachtet werden.

Realisieren will die MDDSL ihre Vorhaben in Leitzkau, Dannigkow, Nedlitz und der Gommeraner Altstadt, sobald jeweils 31 Prozent der möglichen Haushalte sich anschließen lassen. Im Stadtrat war es, wie zuvor schon im Finanz- und im Hauptausschuss - umstritten, ob den Bürgern Anschlusskosten zwischen 600 und 1000 Euro zugemutet werden könnten. Ein Pilotprojekt, bei dem Hausanschlüsse mit 500 Euro unterstützt werden, laufe derzeit in Baden-Württemberg, informierte Andreas Riedel. „Wir würden uns das auch für Sachsen-Anhalt wünschen.“

Der Stadtrat votierte mit 15 Ja- und drei Nein-Stimmen sowie sechs Enthaltungen für den Kooperationsvertrag mit der MDDSL.