Gommern l Es gehe nicht drum, aktiv Sport zu treiben, sondern sich einfach zu bewegen, sagte Dorothea Schippan, Frauenwartin und Seniorensportbeauftragte des SV Eintracht Gommern, zum Auftakt der Aufleben-Aktion in der Ehlestadt. „Auf“ steht dabei für „aktiv und fit“ und richtet sich insbesondere an ältere Menschen. Sportverein und Stadt haben sich im vergangenen Jahr der Initiative des Deutschen Turnbundes angeschlossen.

Wie so vieles andere wurde die Aufleben-Initiative durch die Coronavirus-Pandemie ausgebremst, sonst hätte der Auftakt schon im Frühjahr stattgefunden. Die Aktion will Spaß an Bewegung vermitteln. Dass die Teilnehmer dabei ins Gespräch kommen und Kontakte knüpfen können, ist ein geschätzter Nebeneffekt. Wer Fragen zur Aktion habe, könne sie jederzeit ansprechen, sagte Dorothea Schippan.

Lauftempo auch für Rollstuhlfahrer

Bürgermeister Jens Hünerbein, der sich angesichts seiner Stunden am Schreibtisch oder im Auto auf die Bewegung an der frischen Luft freute, sollte das Tempo des Spaziergangs vorgeben. So wurde noch vor dem Losgehen das erste Mal gemeinsam gelacht, als er zurückfragte, ob es ein Tempo wie die Stadtentwicklung - also Dauerlauf - oder wie ein Beamter - also ganz gemütlich - sein solle. Geeinigt wurde sich auf den Gommeraner Takt. Also ein Lauftempo, das auch Rollatoren und Rollstuhlfahrer nicht überforderte.

Die 13-köpfige Gruppe drehte eine große Runde um die Stiemerling-Seniorenresidenz. Durch die „Helle“ ging es in Richtung Wasserburg, Walther-Rathenau-Straße, Platz des Friedens und über die Bahnhofstraße zurück zum Pflegeheim.

Wunsch und Angst zugleich

Unterwegs entstanden Gespräche zum Schotterweg, den die Stadt versucht hat, für Rollatoren zu glätten, und zu den Sitzbänken am Königlichen Weg. Können nicht wieder welche aufgestellt werden? Auf die Bitte der Senioren erklärte Jens Hünerbein, dass zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Einerseits der Wunsch, den vielen Spaziergängern die Sitzgelegenheiten zur Verfügung zu stellen, andererseits das Wissen um den Vandalismus, der die Bänke immer wieder zerstört.

Auf der Fläche der ehemaligen Schuhfabrik in der Walther-Rathenau-Straße hofft Jens Hünerbein früher oder später auf eine Entwicklung. Die Senioren sprachen in ihrer Ecke der Stadt die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten an. Bis zum Rohrteichcenter müssten sie ganz schön weit laufen.

Vorsicht vor Hundehaufen

Die Spaziergänger warfen einen Blick auf Gommerns berühmte Magnolie in der Walther-Rathenau-Straße 6, sie erfuhren auf dem Platz des Friedens vom Schicksal des ersten Bürgermeisters direkt nach Ende des Zweiten Weltkrieges, Eberhard Nachmanns, der erst von den Nationalsozialisten, dann von der DDR verfolgt wurde. Was das eine oder andere Gespräch darüber entstehen ließ, was einige Teilnehmer selbst in ihren 80 Lebensjahren und mehr erlebt haben.

Öfter, als es dem Bürgermeister lieb sein konnte, musste er auf den Gehwegen der Stadt vor Hundehaufen warnen.

Wunsch nach etwas Schönem

Vor dem Einbiegen auf die Zielgeraden warf Jens Hünerbein einen sorgenvollen Blick auf das Empfangsgebäude des Gommeraner Bahnhofs, das sich seit einigen Jahren in Privatbesitz befindet. Mehr als eine Nachfrage nach Fördermitteln, die die Stadt nicht geben kann, ließ der Eigentümer bislang nicht von sich hören. Da sich bei jedem größeren Sturm Teile des Daches lösen, hat die Stadt inzwischen den Landkreis eingeschaltet. „Es ist mein Herzenswunsch, dass wieder etwas Ansehnliches aus dem Gebäude entsteht.“ Nicht, dass eines Tages nur noch der Abriss bleibt.

Zurück an der Stiemerling-Seniorenresidenz hatte Leiterin Annett Hartmann Tee und Kaffee für die Spaziergänger vorbereitet. Die Frauen und Männer griffen zum Aufwärmen gerne zu. Aus der halben Stunde war eine ganze Stunde geworden, ohne dass es den Spaziergängern aufgefallen wäre.

Kurzweiliger Spaziergang im Oktober

Dass der Bürgermeister im Dezember wieder mitmachen will, gefiel den Teilnehmern. Aber so lange warten wollten sie auf ihren nächsten gemeinsamen Termin nicht. An dieser Stelle sprang Jutta Braune aus Dannigkow ein, die auch den Spaziergang begleitet hatte. Dorothea Schippan konnte sie als sogenannte Macherin gewinnen. Am Donnerstag, 29. Oktober, um 10 Uhr startet der nächste Spaziergang an der Seniorenresidenz. Mit so viel geschichtlichem Wissen wie der Bürgermeister könne sie nicht aufwarten, sagte Jutta Braune. Aber über Pflanzen könne sie unterwegs einiges erzählen. Jeder Gommeraner Ü60, der Lust auf einen kurzweiligen Spaziergang hat, kann sich der Gruppe anschließen.