Volksstimme: Wir haben einen Runden Tisch gegen Rechts in Burg. Warum gibt es keinen Runden Tisch gegen Links?

Fabian Borghardt: Die Tatsache, dass der Runde Tisch sich diesen Namen gegeben hat, heißt ja noch lange nicht, dass wir auf dem linken Auge blind sind und beispielsweise linksextreme Straftaten dulden. Das wird von uns und den Teilnehmern dieses Gremiums genauso verurteilt.

Also liegt Ihr Themenschwerpunkt im rechten Lager?

Wir müssen nun einmal ganz klar konstatieren, dass es mehr politisch motivierte rechtsgerichtete Straftaten gibt als linksgerichtete. Das ist ja auch in der Polizeistatistik nachzulesen, die in den Medien veröffentlicht wurde. Und eines muss man ganz klar seit 2015 feststellen: der Alltagsrassismus nimmt zu. Es ist – auch mit Herausbildung der AfD – eine bestimmte Wortwahl wieder salonfähig geworden, die an die Geschichte erinnert. Dagegen müssen wir uns stemmen, ohne die Probleme der Menschen außer Acht zu lassen. Hier will der Runde Tisch auch aufklärend ansetzen.

Also verstehen Sie sich als eine Art Gegenpol zur AfD?

Nein, wir sind keine politische Organisation oder Partei und streben das auch nicht an. Aber dort, wo Rassismus, Menschenfeindlichkeit oder Intoleranz aufkeimen, beziehen wir Stellung. Darum ist es wichtig, in einem breiten Miteinander ins Gespräch zu kommen und aktuelle Themen hier in Burg zu erörtern.

Kommen wir noch einmal zurück zum Alltagsrassismus, den Sie erwähnten. Wie äußert sich der beispielsweise?

Vor Kurzem hat mich eine Frau angesprochen und gesagt, ich sollte doch meine Araber einmal darauf hinweisen, dass sie in der Schartauer Straße nicht Fahrrad fahren dürfen. Mal abgesehen davon, dass es nicht meine Araber sind, gibt es auch nahezu täglich Burger und Deutsche, die die Straße mit dem Rad befahren, obwohl es nicht erlaubt ist. Außerdem werden doch mit solchen Äußerungen nur Ressentiments geschürt. Das heißt nicht, dass sich auch die ausländischen Mitbürger nicht an die Verkehrsregeln zu halten haben. Die gelten für alle.

Wie organisieren Sie Ihre Zusammenkünfte thematisch?

Wir kommen in der Regel vier- bis fünfmal im Jahr zusammen und tauschen uns über aktuelle Fragen und Themen aus...

... Wer ist „Wir“?

Der Runde Tisch besteht aus Vertretern der Polizei, der Verwaltung, Institutionen, aus Mitgliedern von Verbänden, Vereinen und Organisationen. Nach Darlegung der polizeilichen Statistik und der Brennpunkte ergibt sich meist eine offene Diskussion.

Kann jeder an den Beratungen teilnehmen?

Natürlich, wir sind doch keine geheime Runde und versenden jedes Mal ungefähr 80 Einladungen. Wir würden uns durchaus wünschen, wenn auch Vertreter von Schulen und noch mehr Vereinen mitmachen würden, um in einen breiten Erfahrungsaustausch zu treten und um gemeinsam Lösungen zu finden, wie den Anfängen rechter Ideologien wirksam begegnet werden kann. Jugendliche springen besonders häufig darauf an, wo ich wieder beim Punkt Alltagsrassismus bin. Und außerdem denke ich auch an das kommende Jahr und die Kommunalwahlen.

Sie meinen damit sicher wieder die AfD?

Die politische Landschaft wird sich sicher verändern und die AfD versuchen, in die Stadt- und Ortsräte einzuziehen.

Das ist aber erstmal legitim für eine Partei, denn der Wähler ist das Souverän ...

Das ist in der Tat so. Erschreckend finde ich nur, dass teilweise im rechtskonservativen Lager suggeriert wird, man könnte mit einfachen Antworten ganz komplexe Fragen beantworten und auch Probleme lösen. Übrigens auch kommunalpolitische. Das ist eben nicht so. Und einfache Parolen haben noch nie getaugt, etwas zum Besseren zu ändern.

Am Dienstag findet unter Federführung des Runden Tisches eine Gedenkveranstaltung auf dem Ostfriedhof statt. Was konkret ist geplant?

Den Tag der Befreiung von Nationalsozialismus nehmen wir zum Anlass, der Opfer zu gedenken. Pfarrer Joachim Gremmes wird dazu passende Worte finden und sicher auch einen aktuellen Bogen schlagen. Wir würden uns freuen, wenn viele Menschen teilnehmen.