Möckern l Das Quellgebiet der Ehle ist schon lange nicht mehr so, wie es früher einmal war. Der Fluss wird kaum mehr aus der einstigen Quelle bei Schweinitz gespeist, sondern bekommt sein Wasser überwiegend von den Feldern auf seinem Weg flussabwärts durch das Jerichower Land in Richtung Elbe.

Eine große Ausnahme: Auf Höhe Möckern bekommt das Flüsschen einen großen Schwapp Wasser dazu. Hier nämlich wird gereinigtes Abwasser aus der örtlichen Kläranlage eingeleitet. Die Kläranlage wird zu 60 Prozent von dem Unternehmen „Anhaltinischen Geflügelspezialitäten“ (AGS) – besser bekannt als „Wiesenhof“ – betrieben und zu 40 Prozent von der Stadt Möckern. Dabei zeichnet die AGS verantwortlich für den Betrieb der Kläranlage.

Wasser entspricht den Regeln

Laut Aussagen von Möckerns Stadtbürgermeister Frank von Holly werden pro Jahr etwa 700.000 Kubikmeter gereinigtes Abwasser aus der Kläranlage Möckern über einen sogenannten Bypassgraben in die Ehle geleitet.

Auf Volksstimme-Nachfrage antwortet das Unternehmen „Anhaltinische Geflügelspezialitäten“. Das Unternehmen verweist auf eine wasserrechtliche Genehmigung der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Jerichower Land.

Wasserqualität ist unterschiedlich

Zur Qualität der eingespeisten Abwasser heißt es in einer Antwort von Schlachthof-Geschäftsführer Michael Schönewolf: „Das gereinigte Wasser muss vorgegebenen Überwachungswerten entsprechen. Diese erfüllen die AGS für jeden Parameter selbstverständlich. Die Überwachungswerte sind in der wasserrechtlichen Genehmigung festgeschrieben.“

Die Einhaltung der Wasserqualität werde zum einen von der Unteren Wasserbehörde sechs Mal pro Jahr unangemeldet kontrolliert. Zum anderen führen die AGS täglich Eigenkontrollen durch. „Das eingeleitete Wasser entspricht den vorgegebenen Überwachungswerten“, so Michael Schönewolf.

Kommen die Fische wieder hoch?

Möckerns Stadtchef Frank von Holly fügt hinzu: „Frühere Messungen haben ergeben, dass die Wasserqualität der Ehle unterhalb der Einlaufstelle eine Stufe besser ist, als oberhalb davon.“

Mit Blick auf die Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie mag dies erfreulich sein, schließlich hofft man in der Europäischen Union darauf, dass nach einer erfolgten Durchgängigkeit der Ehle von der Elbe bis zur Quelle wieder Fische die Ehle hochziehen.

Brunnen soll gebohrt werden

Skeptiker haben – zuletzt in der Diskussion um einen Bypass an der Möckeraner Mühle – darauf verwiesen, dass der Fluss für solche Fischwanderungen nicht zuletzt wegen der Wasserfassung zu wenig Wasser führt. Auch die Firma Wiesenhof nutzt Grundwasser im Bereich Möckern. „Aktuell sind wir dabei, einen Brunnen zu bohren, der Wasser aus noch tieferen Brunnenschichten fördert. Wir werden daher ab voraussichtlich Anfang nächsten Jahres kein oberflächennahes Grundwasser mehr entnehmen müssen“, heißt es aus der Chefetage.

Der Möckeraner Betrieb entnimmt eigenen Angaben zufolge durchschnittlich zwischen 500.000 und 550.000 Kubikmeter pro Jahr. Genehmigt sei eine Entnahme von 638.750 Kubikmeter pro Jahr. Ebenfalls zwischen 500.000 und 550.000 Kubikmeter würden pro Jahr in die Kläranlage Möckern eingeleitet.

Gerucht kommt von der Biogasanlage

Dem Vorwurf, dass der an manchen Tagen über Möckern liegende Gestank von der Kläranlage oder gar von dem in die Ehle geleiteten Wasser herrühren könnte, widersprechen sowohl die Stadt als auch das Unternehmen AGS.

„Es ist unstrittig, dass der Geruch nicht von der Kläranlage, sondern von der Biogasanlage kommt“, ist Stadtbürgermeister Frank von Holly überzeugt. Er nennt drei Gründe, weswegen es in Möckern an manchen Tagen stinkt: „Das kann – je nachdem , womit sie gefüttert wurde – die Biogasanlage sein, oder die Landwirtschaft, oder die Tier- und Misttransporte sowie die Mastanlagen in der Umgebung, wenn dort im Sommer die Lüftungsanlagen laufen. Bei Inversionswetterlagen kann es zur Verstärkung dieser Gerüche kommen.