Burg l Dort liegt ein Mann am Boden, nicht geschlagen, sondern verwurzelt mit der Welt. Der große Teil des Körpers ist Erde, der Kopf ein großer Stein und Sand dazu. Wo das Herz sitzt, wächst eine Pflanze, jung und kaum geknickt. Aus kleinen Lautsprechern links und rechts klingen Geräusche der Natur, Vögel singen. Es dürfte der eindrucksvollste Teil einer Ausstellung sein, die am Wochenende in Burgs Innenstadt eröffnet worden ist. „Wesen des Weges“ nennt sie der 26-jährige Simon M. Osten. Selbst im Nachnamen steckt die Richtung, in der die Reise zum Großteil führen soll: Taoismus, chinesische Lebenskunst, Natur und viel Gelassenheit.

Gleich am Eingang zum „Kunstraum“ im Markt 2 liegt ein Haufen klobiger Pflastersteine, die vom Hof des Opas stammen, Kindheitserinnerungen. Der Zugang ist nicht versperrt, nein. Der Besucher sucht sich den Weg drum herum, verlässt einen Pfad und findet einen neuen.

Jurte bis zur Decke

Osten, der an der Kunsthochschule in Leipzig studiert, arbeitet gern mit natürlichen Materialien. Für ihn ist es die erste eigene Ausstellung überhaupt. „Das eine konkrete Thema gibt es nicht, es ist mein Zugang zur Welt. Dem Betrachter wird überlassen, was er sieht, teilt und mitnimmt“, unterstreicht der viel gereiste Burger. Bildende Kunst sei für ihn Handwerk und Leidenschaft zugleich.Ein Teppich aus Sand, in den Linien und Kreise gezeichnet sind. Ein asiatischer Dichter in klassischer Kleidung auf mannshohem Papier vor dem Fenster. Mitten im Raum zieht sich von oben ein Schlauch mit dem Bild eines Hochgebirges. Auf einer Platte liegen Steine in besonderer Farbe und Form, Federn und Holz, vielleicht der Platz eines Schamanen. Dieser Weg ist gut 20 Meter lang, hat zudem Abzweige in kleinere Räume, ist reich an Installationen und Genres. Kurz vorm Ende reckt sich eine Jurte fast bis zur Decke, sie könnte ähnlich in der Steppe stehen.

Die ersten Besucher lassen sich anstecken und folgen Osten bereitwillig auf seinem Weg, der auch ihrer sein kann. Einige gehen den Weg mehrmals, andere laufen kreuz und quer, niemand kapituliert einfach so vor der Vielfalt an Eindrücken. Es ist ein aufregender Trip in Richtung weiterer Osten, der dem Westen so fremd ja nicht mehr ist. Die Schau in Räumen der Wohnungsbaugesellschaft ist ein Gewinn. Die Werke sind noch bis 27. Juli nachmittags oder nach Absprache zu sehen.