Burg/Genthin l Bis zum Ende des Jahres gilt eine reduzierte Mehrwertsteuer. Statt 19 werden 16 Prozent erhoben, statt sieben sind es fünf Prozent. 19 Prozent werden üblicherweise auf fast alle Produkte und Dienstleistungen erhoben, sieben Prozent sind es beispielsweise bei Grundnahrungsmitteln, Blumen und Büchern. Die Bundesregierung hat die Initiative ergriffen, um den Konsum anzukurbeln.

Die Mehrwertsteuersenkung wirkt sich aber auch auf die Preise für Trinkwasser und Strom aus. Fraglich bleibt, ob dadurch der Verbrauch steigt. Gespart werden kann nämlich nicht viel. „Unsere Kunden profitieren von der gesenkten Mehrwertsteuer für das gesamte Jahr“, sagte Mario Schmidt, Geschäftsführer des Wasserverbandes Burg, im Gespräch mit der Volksstimme. Das gelte für die Kunden, die das ganze Jahr Wasser vom Verband abnehmen. Wenn beispielsweise ein Eigentümerwechsel im ersten Halbjahr stattgefunden hat, werde dafür der reguläre Mehrwertsteuersatz berechnet.

Ersparnis hält sich Grenzen

Auch in Genthin wird so verfahren. „Gemäß den gesetzlichen Vorgaben werden fünf Prozent berechnet“, sagte Loretta Kablitz, Geschäftsführerin des Trink- und Abwasserverbandes, gegenüber der Volksstimme. Der Aufwand für die Wasserverbände sei nicht zu unterschätzen, immerhin müssten neue Steuerkonten angelegt werden.

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Dafür ist die Ersparnis nicht gerade üppig. Um einen gewissen Anhaltspunkt zu geben, hielt die Geschäftsführerin einige Zahlen parat. So habe der durchschnittliche Verbrauch eines Einwohners im vergangenen Jahr 31 Kubikmeter betragen. Der durchschnittliche Haushalt wird mit 2,5 Personen berechnet, entspricht einem Jahresverbrauch von 78 Kubikmetern. Bei einem Nettopreis von 1,10 Euro beträgt die Ersparnis durch die gesenkte Mehrwertsteuer 1,70 Euro.

Finanzverwaltung ist gefordert

Die vorübergehende Reduzierung der Mehrwertsteuer ist auch ein Thema für die Stadtwerke Burg, die das Jerichower Land versorgen. Geschäftsführerin Annette Meyer war gestern telefonisch nicht zu erreichen. Auf der Internetseite der Stadtwerke wird das Verfahren aber erklärt. „Zu den Stichtagen 30. Juni und 31. Dezember erstellen wir keine Zwischenrechnungen sondern grenzen die individuellen Verbräuche unserer Kunden im Abrechnungssystem automatisch ab. Dies erfolgt auf Basis der seit Jahren etablierten und bewährten Abläufe für die bekannten Turnusabrechnungen“, heißt es dort.

Allerdings bieten die Stadtwerke Burg ihren Kunden grundsätzlich auch die Möglichkeit, während des Jahres selbst abgelesene Zählerstände jederzeit zu übermitteln. In Verbindung mit der aktuellen Steueränderung sei dies aber nicht erforderlich.

Daueraufträge bleiben unverändert

Auch alle Lastschriftmandate und Daueraufträge können unverändert fortgeführt werden. „Auf der gewohnten Jahresrechnungen werden die gelieferten Energiemengen des zweiten Halbjahres 2020 separat ausgewiesen und wie vom Gesetzgeber verlangt mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz bewertet“, so die Geschäftsführerin Annette Meyer. So spare der Durchschnittskunde durch die Senkung der Mehrwertsteuer rund 30 Euro, wenn er Strom und Gas bezieht.

Auch bei den Stadtwerken entsteht durch die temporäre Steuersenkung ein höherer Aufwand. Die Fachverbände und der regionale Versorger sind sich darin einig, dass „die Finanzverwaltung gefordert ist, diesen Aufwand durch konkrete Maßgaben für die Umsetzung so weit wie möglich zu begrenzen. „Wenn dies gelingt, ist die befristete Senkung der Mehrwertsteuer als Instrument zur Förderung des Konsums und der Binnennachfrage und damit zur Stärkung der Konjunktur zu begrüßen“, wird Annette Meyer auf der Internetseite zitiert.

Kein Einfluss auf Abfallentsorgung

Keine Auswirkungen hat die gesenkte Mehrwertsteuer hingegen auf den Preis für Schmutzwasser und auch nicht auf die Abfallentsorgung. „Der Landkreis Jerichower Land erstellt dafür Gebührenbescheide, in denen keine Mehrwertsteuer enthalten ist“, erklärte Henning Gehm, Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft Jerichower Land.