Burg/Genthin l Der Sonnabend ist wie ein Heimspiel für den sportbegeisterten Steffen Burchhardt. Nicht in der eigenen Partei, der SPD, sondern bei den Linken. Ohne Diskussionen stimmen die Genossen auf einer Wahlkreismitgliederversammlung in der Burger Stadthalle dafür, den amtierenden Landrat für eine zweite Amtszeit zu unterstützen. Zuvor hatte sich der Möseraner für die konstruktive Arbeit der Linksfraktion im Kreistag bedankt. „Ihr zeigt Vertrauen, ihr wägt sachlich und ruhig ab und ihr sprecht offen und direkt mit mir und der Verwaltung. Wir haben stets konstruktiv und im Sinne der Menschen im Landkreis zusammengearbeitet.“ In diesem Sinne, so der Landrat, sei im Jerichower Land viel erreicht worden: die erste Stufe des Breitbandausbaus, die Sanierung fast aller Schulen, für die der Kreis verantwortlich zeichnet, sowie eine ausgewogene und flächendeckende Sport- und Kulturförderung. Und bei anderen wichtigen Themen, wie die geforderte Bahnquerung in Heyrothsberge, und sozialen Vorhaben „haben wir Seite an Seite gekämpft. Immer mit Stil und Anstand. Und ohne Populismus und persönliche Angriffe.“ Burchhardt schlägt wie der Bundestagsabgeordnete Matthias Höhn mit diesen Worten den Bogen zu Amerika und den dortigen aktuellen Folgen des Wahlausgangs. „Wir erleben ein Schmierentheater, bei dem alle Tabus brechen und jeglicher Respekt untereinander verlorengeht.“ Diese Kultur dürfe hier nicht einziehen. „Das muss auch im Wahlkampf der kommenden Monate klargemacht werden.“

Neue Gesichter

Höhn, der die Linke für das Superwahljahr gut aufgestellt sieht, stellt indessen die soziale Frage für 2021 in den Mittelpunkt. Es dürfe nicht sein, dass nur die „kleinen Leute“ die Folgen der Corona-Pandemie und der Klimakrise bezahlen und die Vermögenden, die viel Geld haben, sich anpassen“. Deshalb müsse die Partei zeigen, wofür sie stehe, so der Magdeburger.

Mit einer Art Wahlmarathon haben die Linken zugleich die personellen Weichen für die Landtagswahl am 6. Juni nächsten Jahres gestellt. Und zwar mit neuen Gesichtern als Direktkandidaten im Jerichower Land. Im Wahlbereich 05 (Genthin, Tangermünde, Tangerhütte) wird Anke Hain antreten. Die studierte Ökonomin aus Cobbel bei Tangerhütte ist seit 2017 bei den Linken und arbeitet im Hauptzollamt Magdeburg. „Eine Herzensangelegenheit“ der 55-Jährigen ist die Flüchtlingshilfe. So engagiert sie sich beispielsweise seit 2014 in einem Begegnungscafé, in dem sich syrische und afghanische Flüchtlinge mit Deutschen austauschen, die deutsche Sprache, Lebensweisen und Werte erlernen. Auch im Rahmen des Programms „Demokratie leben“ ist sie mit vielen Projekten aktiv. Auch solche, bei denen das Miteinander von Jung und Alt gestärkt wird.

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Junge Leute begeistern

Mit 22 Jahren will Rebekka Grotjohann aus Magdeburg den Wahlkreis 06 (Burg) gewinnen. Die junge Frau studiert Sozialwissenschaften an der Otto-von-Guericke-Universität und ist seit 2016 Mitglied der Linken in der Landeshauptstadt. Mit ihrer Nominierung plant sie allerdings jetzt den Wechsel in den Kreisverband des Jerichower Landes und will vor allem junge Leute von Politik begeistern und eine Senkung des Wahlalters einfordern. „Daneben möchte ich die soziale Gerechtigkeit, die immer mehr verloren geht, in den Fokus unseres Wahlkampfes stellen.“ Sachsen-Anhalt dürfe nicht länger ein Billiglohnsektor auf der Deutschlandkarte sein, sagt sie in der Vorstellungsrunde.

Mit der Wahl des Kreisvorstandes haben sich die Linken zwischen Jerichow und Gommern wieder turnusgemäß formiert. Zu dem Gremium gehören Kerstin Auerbach (Vorsitzende), Michael Schulz (Stellvertreter) und Sylvia Zander (Schatzmeisterin), außerdem Annelie Roloff, Gabriele Herrmann, Heike Puschmann, Wilfried Falke, Mario Langer und Manuel Müller.