Möser/Lostau l Am Donnerstag haben erneute zwei Hunde Rattengift gefressen und konnten in allerletzter Sekunde vor dem Tod bewahrt werden. Bereits Mitte September 2018 ging Meldungen durch die sozialen Netzwerke, wonach es bei Hunden, nach Spaziergängen am Teich in Möser, Vergiftungserscheinungen gegeben habe. Einige der Tiere seien daran sogar gestorben. Beweisen ließ sich hier allerdings nichts. Auch die Polizei teilte über ihren Sprecher Falko Grabowki damals mit, ihr liegen keine Anzeigen in dieser Richtung vor.

Damals meldete sich Uta Schmidt, ihr Beagel Ferry war einer der Hunde, die vergiftet worden sein sollen. Rattengift wurde damals als Ursache genannt. Doch der Nachweis gestaltete sich schwierig. Ohne Anzeigen gab es keine gesicherten Erkenntnisse. Und auch die kontaktierten Tierärzte verwiesen auf den Datenschutz, wollten keinerlei Auskünfte zu etwaigen Fällen geben. Im Falle von Beagel Ferry bestätigte ein Tierarzt allerdings, dass dieser an inneren Blutungen und einer angegriffenen Leber gestorben sei.

Für Uta Schmidt sind die Vorfälle unfassbar. "Ich bin zutiefst erbost und ärgere mich maßlos über so ein Verhalten", erklärte sie im September. Schmidt war damals mit ihrem Hund auf der täglichen Gassirunde entlang der Biesengrundbreite und des Teiches. "Wir waren Sonntagabend am Teich unterwegs, am Montag dann brach mein Ferry zusammen. Am Dienstag war ich mit ihm beim Tierarzt. Da hatte er schon so rote Pads erbrochen. Am Donnerstag musste ich ihn dann einschläfern lassen", erzählte die Hundebesitzerin.

Nachfrage bei Tierbestattungsunternehmen

Sie verwies damals auf ein Tierbestattungsunternehmen im Magdeburg. Eine Nachfrage dort ergab: Bereits im September habe es zwei weitere Fällen aus Möser gegeben, die ihm bekannt geworden sind, so Mitarbeiter Alexander Topf.

Das deckte sich auch mit den Informationen von Uta Schmidt, die in ihrem Bekanntenkreis von insgesamt vier Vergiftungen gehört hatte.

Jetzt also einer neuer Fall in Lostau, und es soll nicht der einzige dort sein. Thomas Bethge aus Lostau hat zwei Bullmastiffs. Die dreijährige Lotte und die einjährige Molly. Mit ihnen dreht er regelmäßig Runden entlang von Hesses Loch und der Alten Elbe in Lostau. Irgendwo hier müssen seine Hunde das Rattengift am Donnerstag vergangener Woche aufgenommen haben. Dass es tatsächlich Rattengift war, beweist auch ein toxikologisches Gutachten seiner Tierärztin und der Tierklinik Magdeburg. Bethge hat die Rechnungen vor sich liegen. Bisher hat er 600 Euro an Tierarztkosten aufgelistet. "Und da sind wir noch nicht am Ende. Meine beiden müssen jetzt sechs Wochen lang Tabletten nehmen, regelmäßig zum Bluttest", erzählt Bethge. Er berichtet von drei weiteren Fällen in Lostau, zu den Besitzern dieser Hunde sucht er nun Kontakt. Auch deshalb, weil er bisher der einzige ist, der bei der Polizei Anzeige erstattet hat.

"Dass Tiere vergiftet wurden und sterben, ist doch nicht so, als wenn irgendetwas kaputt geht. Ich verstehe die Besitzer nicht, die den Mord an ihren Tieren nicht anzeigen", sagt Bethge.

Eine Nachfrage bei Falko Grabowski bestätigt Bethge. Der Polizei liegen noch immer keine weiteren Anzeigen vor. "Die Dunkelziffer bei solchen Fällen ist sicher höher als das Anzeigenverhalten. Wir haben in unsere Datenbank nur noch einen weiteren dokumentieren Fall aus dem letzten Jahr in Hohenwarthe", erklärt Grabowski. Er macht darauf aufmerksam, dass die Polizei Kenntnis von solchen Taten erlangen muss, um Ermittlungen aufnehmen zu können.

Was mit Hunden passiert, die versehentlich Rattengift aufnehmen, zeigt sich am Beispiel von Lotte und Molly. Ihre Blutgerinnung hatte bereits vollständig ausgesetzt. Die beiden Bullmastiffs drohten innerlich zu verbluten. "Das ist ja das Perfide. Es ist erst zu bemerken, wenn es eigentlich schon zu spät ist", erklärt Bethge, der inständig hofft, dass auch andere betroffene Hundebesitzer den Weg zur Polizei finden, damit diese etwas unternehmen kann, bevor noch weitere Hunde sterben müssen.