Burg l Für die meisten Menschen ist das Schauen eines mäßig spannenden Films eher Zeitverschwendung. Für Leonard Weber war diese vermeintliche Zeitverschwendung aber der Start für eine Idee: Er legte die Grundlage für seine eigene App, die den Namen buyToGo trägt. „Das war am 27. April 2019“, erinnert er sich. „Ich hatte die Empfehlung, mir diesen Film anzusehen, aber der war nicht sehr interessant, und so sind meine Gedanken abgeschweift und nach der Hälfte hatte ich dann die Idee, was meine App beinhalten soll.“

Zu diesem Zeitpunkt war der angehende App-Herausgeber erst 16. Inzwischen ist der Schüler aus Burg 18 und seine App hat das Licht der Welt erblickt. Seit Oktober 2020 ist buyToGo im Appstore von Apple erhältlich, im kommenden Monat soll sie dann auch im Playstore von Google zu haben sein. Und was kann diese App?

Von Gassi gehen bis Pakete abholen

Sie ist praktisch eine digitale Nachbarschaftshilfe. In ihr können Inserate aufgegeben werden, in denen Menschen Dienstleistungen anbieten wie beispielsweise einkaufen, Gassi gehen, Pakete abholen oder ähnliches. Die Nutzer können die Inserate der anderen Personen einsehen und diese kontaktieren, wenn sie beispielsweise Hilfe beim Einkauf benötigen oder anbieten. „Die App ist aber nur für solche Dienstleistungen gedacht, es werden keine Sachen verkauft wie beispielsweise bei Ebay“, erklärt Leonard Weber.

Nachdem ihm die Idee gekommen war, dass er diese App umsetzen will, informierte er seine Eltern darüber. „Die waren von der Idee begeistert“, erinnert er sich. Deswegen unterstützten sie ihren Sohn auch finanziell bei der Umsetzung der App. Denn die Idee allein bringt die App noch nicht in die Stores der Anbieter. „Ich musste nach jemandem suchen, der die Programmierung übernimmt. Ich habe mich dazu online bei Firmen informiert, die so etwas ausführen können, aber da waren die Kosten einfach viel zu hoch. Das hätte 60 000 oder sogar 100 000 Euro gekostet und das hätte ich auch mit der Hilfe meiner Eltern nicht hinbekommen.“

Entwicklung der App aufwendiger als gedacht

Die passenden Kooperationspartner fand er dann an der Universität Bielefeld. Die Studenten Aleksander Jovanovic und Tilman Kieselbach nahmen Kontakt mit dem Schüler auf und boten an, die Programmierung zu übernehmen. Im Laufe der Zeit erhielten sie noch Hilfe von zwei Kommilitonen, da die Umsetzung der App doch aufwendiger war als zunächst angenommen. Insgesamt dauerte es eineinhalb Jahre von der Idee bis zur fertigen App. Neben den Programmierern wurde auch ein Anwalt hinzugezogen, der sich unter anderem um den Datenschutz kümmerte.

„Ich bekam im Oktober 2020 die Nachricht, dass die App fertig ist und heruntergeladen werden kann. Das war irgendwie ein Schock, sie plötzlich auf dem Bildschirm sehen zu können, aber ich habe mich auch unglaublich gefreut.“ Die Kosten der Entwicklung der App waren letztendlich deutlich günstiger als die Angebote der Firmen. „Ohne meine Eltern hätte ich das trotzdem nie hinbekommen“, sagt Leonard Weber. Doch er hat auch die Möglichkeit, das investierte Geld wieder zurückzubekommen. Die App an sich ist für die Nutzer zwar kostenlos, enthält aber Werbung, durch die Geld verdient werden kann. In Deutschland ist die Resonanz bisher noch nicht so groß, aber in Australien, den USA und Brasilien hätten sich schon viele Menschen die App heruntergeladen und würden sie nutzen.

Nach buyToGo sollen weitere Projekte folgen

„Ich hoffe, dass die Nachfrage in Deutschland auch bald steigt“, sagt der Schüler. Gerade die Corona-Pandemie hätte ihm vor Augen geführt, wie wichtig Angebote wie seine App sind. „Besonders ältere Leute sind ja gefährdet, und dann ist es richtig gut, wenn Menschen über die App zueinander finden, um sich gegenseitig zu unterstützen.“ Er und die Entwickler haben auch ein Auge darauf, dass es nur verantwortungsbewusste und seriöse Inserate gibt. „Wir haben eine Black List, die unerwünschte Wörter enthält, sodass unseriöse Angebote erst gar nicht in der App erscheinen.“

Obwohl die App erst gerade ein paar Monate für Apple-Geräte erhältlich ist und für andere Anbieter noch kommt, ruht sich Leonard Weber nicht etwa auf dem Ergebnis aus, sondern denkt schon an die Zukunft. „Ich denke, ich werde nach der Schule Game Development studieren und ich habe auch schon Ideen für eine weitere App. Die nächste soll ein Spiel werden, ich denke da an etwas im Bereich Action und Strategie. Das Spiel soll eines werden, das man zusammen mit seinen Freunden als Multiplayer spielen kann“, kündigt er an. Schon seit frühester Jugend interessiert er sich für Videospiele und Software. „Eigentlich hatte ich schon mit 13 die Idee, dass ich mal eine eigene App entwickeln könnte. Aber da hielten meine Eltern das für ein Luftschloss.“ Und aus diesem Luftschloss ist inzwischen tatsächlich eine App geworden, die vielen Menschen das Leben erleichtern kann.